: wild thing : reg presley

text: andreas probst

Reg Presley von den Troggs wurde 60...

Am 12.6. feierte Reg Ball aka Reg Presley seinen 60. Geburtstag. Sicherlich nicht nur Pop-Jüngern der ersten Stunde als Sänger der Troggs bekannt. Unvergessen die sonntäglichen Vormittags-Live-Music-Sendungen der BBC, die mit Gruppen wie Spencer Davis oder Jimi Hendrix Berliner Kids den Rock aus dem noch fernen London näherbrachten. So auch einst im Mai 1966 als die Band mit dem sagenumwobenen „Wild Thing“ die Radiolautsprecher zum Knarzen bringt.
Bis dahin sollte es aber noch ein weiter Weg sein. Ronnald Bullis (dr) und Reg Ball formieren 1964 mit Dave Wright (g) und Tony Mansfield (voc) die Troglodytes. Mit dem Ausstieg letzterer wechseln 1965 Chris Britton und Pete Staples von den Ten Foot Five zu den Höhlenmenschen. Der name bezieht sich auf die Übungssituation der Band. Eltern und Nachbarn um ihre Ruhe besorgt, bewegen das Quartett ihre Probesessions in den sagenumwobenen Tropfsteinhöhlen von Cheddar George zu veranstalten. Auftritte in ihrer Heimat um Andover/Hampshire rufen den erfolgreichen Konzertagenten und Manager der Kinks Larry Page auf den Plan. Angetan vom simplen monotonen Stampfsound holt er die Band nach London, nimmt sie unter Vertrag und veranlaßt im Februar 1966 eine Vereinfachung des Namens. Die Troggs sind geboren. Ball tauft sich in Presley um und Bullis´ Verehrung für James Bond führt zu Ronnie Bond.
Archaischer Gesang, brutaler Rhythmus und Presley´s Solo-Einlagen auf der Okarina prägen ab Mai 1966 das Hit-Konzept der Troggs. Dem US No.1 Hit „Wild Thing“ (UK#2, D#7) folgen noch im selben Jahr die Top-plazierten „With A Girl Like You“ (UK#1, D#2, USA#29), „I Can´t Control Myself“ (UK#2, D#2, USA#43) sowie Anyway That You Want Me“ (UK#8, D#13).
Zusätzliche Verkaufshilfe und Werbung liefert die BBC, die „With A Girl Like You“ und „I Can´t Control Myself“ wegen angeblicher Zweideutigkeiten auf den Index setzt.
Page pflegt weiter das Steinzeit-Image seiner Schützlinge deren teils rüpelhaftes Auftreten immer wieder für Schlagzeilen gut ist und sie so für kurze Zeit die Aura der Stones oder Pretty Things teilen läßt. Im August 1966 wird die LP From Nowhere (GB#5, D#4) veröffentlicht und der Melody Maker feiert die Troggs als erfolgreichste Neuentdeckung des Jahres.
Erste Streitigkeiten zwischen Manager Page und den Musikern lassen Anfang 1967 Krisenstimmung aufkommen, die eine Imagekorrektur zur Folge haben. Davon zeugt der nun wesentlich softere Sound ihrer 67er Erfolgs-Singles „Give It To Me“ und „Love Is All Around“. Mit Trogglodynamite kommt der zweite Longplayer auf den Markt. Letztes pulsierendes Erfolgserlebnis wird eine fünfwöchige Nordamerika Tour mit den Who. Den Troggs gelingt es nicht sich musikalisch der nun angesagten Hippie-Scene anzunähern und sind wohl auch von den neuen technischen Möglichkeiten überfordert. Die Auflösung der Band im März 1969 kommt somit nicht überraschend. In der Folgezeit veröffentlichen Presley und Bond jeweils erfolgloses Musikmaterial, werden mit neuen Musikern 1973 von David Bowie in dessen US-Fernsehsendung „The 1980 Floor Show“ eingeladen und veröffentlichen unbeachtete Coverversionen der Beach Boys („Good Vibrations“) und Stones „(Satisfaction“). Erst die 1988 für jüngeres Publikum getrimmte „Wild Thing“ Version von Rapper Tone Loc läßt den Namen Troggs in neuem Licht erscheinen. Das ruft Bill Berry, Peter Buck und Mike Mills von R.E.M. auf den Plan. Sie laden die Troggs in ihre Heimatstadt Athens, Georgia ein und betreuen gemeinsam deren 92er LP Athens Andover. Die wohl gelungenste Hommage an den Weird Sound der Troggs lieferte jedoch der unvergessene Jimi Hendrix mit seinem auf zahllosen Records verewigten „Wild Thing“ Improvisationen. Presley und Bond sind bis heute still on tour um neben guter Laune den mittlerweile etwas angestaubten aber immer noch fetzenden Beat der späten 60er unters Volk zu bringen.