: deus :

text: michael bela kurz

Liebe, Lust und Leidenschaft der Noten; zum bereits dritten Mal durfte Shorty mit den verehrenswürdigen Jullet und Barman über die Wirren des Musicbiz palavern.

Die Belgier und die Musik, eine ähnliche Problematik wie in unserem Alpenland. Eine rege Szenerie mit Lokalkolorit und trotzdem wenig internationalem Output. Außer unseren Titelhelden sind da vielleicht noch Junkie XL, Soulwax und Dead Man Ray ein Begriff, Jullet fügt als achtbare Insidertips noch Dough und Vive la fete hinzu. Punkt. Man sieht sich aber eh nicht so sehr als belgisch, ein Schotte ist ja auch in der Band und man macht ja auch "European Music". Eigentlich kann die unglaubliche Klasse von dEUS, die sich am eindrucksvollsten bei ihren Liveshows überprüfen läßt, auch nicht wirklich logisch herleiten, zuwenige Wurzeln halten . Nach der Trennung von Kamil Carlens, der mit seiner neuen Combo "Zita Swoon" auch Achtbares macht, und eineinhalb Jahren auf der Achse sind die Burschen "tight" wie Barman sagt, gut eingespielt also. Es ist das erste Mal, daß man sich als Band fühlt und auch so agiert. "Zugegebenermaßen ist das schon um einiges angenehmer", lächelt Jullet, eine Gestalt, die man eher bei einem Branntweiner gegen Morgengrauen mit aufgeschlagenen Fäusten und Lippen anzutreffen vermutet. In Wahrheit sitzt da ein passionierter Jazzer mit großem Wissensdurst, echtem Willen zur Kunst und einer natürlichen Abneigung zum Kommerz. Gewissermaßen ein Hridlicka des Schlagwerkes. Daß ihre Plattenfirma Island von Universal so einfach geschnupft wurde, war auch sofort stark zu merken, der bekannt lockeren und freiheitsliebenden Art wurde sofort eine überprüfende und kontrollierende "zur Seite gestellt". Es geht halt so und solange man künstlerisch seine Freiheit behält, ist es o.k.. Wenn es enger wird, ist ein Wechsel nicht abwegig, umworben wird man genug. Für Amerika ist eine Veränderung schon fix eingeplant, nachdem sich dort jedesmal dilettantische Planung in schlechte Verkäufe und desaströse Konzerte (Club weiß davon nichts, Vorbands erscheinen nicht oder sind grottenschlecht) auswirkt. Wunschpartner Dreamworks ist hier sicher nicht abgeneigt, aber jetzt wird einmal die aktuelle Platte abgewartet und bis ins erste Frühjahr des nächsten Jahrtausends getourt; Israel, Japan, Australien…sicher nicht USA...oder… . Aber eigentlich war ja alles ganz anders gedacht. Man wollte eine Scheibe mit schneller Rockmusik produzieren, nicht zu lang sollte der Epos sein (mehr 80er orientiert, weniger Smashing Pumpkins Machwerk) und schon mit der unfertigen Platte touren. Aber…die Clique des Produzenten hat vor einiger Zeit in San Eamiento & Ronda/Spanien kleine Hotelkomplexe in wunderschöner Lage gekauft. Kleine Dörfer rundherum, "drei oder vier Lokale wo es interessant ist, hinzugehen und die erst gegen Morgengrauen schließen", Tapas mit kühlen Getränken in der Hitze zu sich nehmen, nachdem man sich die Gegend mittels Küstenwanderung einverleibt hat. So hat sich eine gewisse Entspanntheit und Bossafeeling in die Songs eingeschlichen, die mehr beim Jammen nach Motiven entstanden sind - also echte Bandarbeit. Aber der nächste Release soll schon nächstes Jahr folgen, rockig sein und… egal wie, dEUS sind eine der besten Bands dieses schnöden Planeten.