: die disharmonie des seins :

text: michael bela kurz

Aber Das Leben Lebt haben mit "rectangles and triangles as signs for love and pain" (höllering) ein eigenartiges Werk bei der FM4-Hörerschaft plazieren können.

Minimalisisch und puristisch sind sie aus einer Notwendigkeit heraus, es finden sich nunmal keine Virtuosen in der Band, zumal man nicht die beste Ausrüstung zu Verfügung hat. Von Kritikern wird ihnen eine Affinität zu
Will Oldham, den Tindersticks oder Tom Waits zugeschrieben. Stimmt nur zufällig, wenn man das Ergebnis hört. Nicht, daß man Vorbildern nachgewerkt hat. Towns van Zandt, den Mahler der Storyteller, der dem Autor sofort in den Sinn kam, kennt man nicht. Dafür Fritz Ostermayer von FM4, der sie gerne im "Sumpf" erschallen läßt, hat er uns doch auch die zwei herrlichen Moritaten Sampler beschert. Der Meister wurde nur zufällig durch ein Tape auf ADLL aufmerksam, ebenso zufällig wie ihrem Ansuchen um Förderung durch die AKM stattgegeben wurde. Die aus dem tiefsten Niederösterreich stammenden, per Studium nach Wien verschlagenen drei Burschen waren diesem Glücksfall ("ein Lottosechser, halt nicht zwölfstellig") gewachsen, denn das Material war ja schon seit zwei Jahren fertig in die Köpfe eingebrannt – praktisch ein Rohling.
Überhaupt will man nicht als depressiv gelten, tiefgehend ist da schon akzeptabeler. Wie die Grundstimmung ist auch die Bandarbeit als geschlossen anzusehen, kein Mastermind, der dirigiert. Drei Instrumente miteinander für sich und gegen den Rest. Am Klavier bilden sich manchmal sogar klare Melodienfolgen, und trotzdem hat man immer wieder das Gefühl, daß bei zuviel Harmonie der eine oder andere Ton bewußt daneben gesetzt wird.
Um nicht zuviel Behaglichkeit aufkommen zu lassen. Das zweite Album wird lockerer und wärmer werden, soviel weiß man, aber…Wenn man vorhat Suizid zu verüben, ist das ein guter Soundtrack. Man kann Aber das Leben lebt auch Live erleben : 20.11. EKH

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