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text: christoph bacher

Er mag tot sein, er mag in seinen letzten Tagen aufgeschwemmt, fett und impotent gewesen sein, aber er war auch der, der die moderne Musik revolutionierte, den Teenagern Selbstvertrauen gab und die bis heute mit Abstand beste Stimme im Pop- und Rockgeschäft hatte. Viele, die behaupten Elvis Presley zu kennen, kommen über "Love me tender" und "In the Ghetto" nicht hinaus. Dabei hat der 1935 in Tupelo/Mississippi geborene Arbeitersohn weit mehr geschaffen als flaue Filme und Wurlitzer-Schnulzen. Ob Funk-Nummern wie "Find’ out what’s happening, Südstaatenrock, der Lynryd Skynryd erblassen läßt ("Polk Salad Annie") oder Lieder für den Frieden (If I can dream), Elvis war immer Puls der Zeit.
Das Plattenlabel Manifest bringt im Jänner 2000 jetzt die Anfangstage des King als CD auf den Markt. Dabei geht es aber nicht um die frühen Aufnahmen bei Sun Records, sondern um den 19jährigen Elvis live im Lousiana Hayride. Damit nicht genug, bietet Elvis Presley "The legend begins" auch Live-Tracks aus den Jahren 1955 und 1956. Höhepunkt sind Auszüge aus einem legendären Konzert im Robinson Memorial Auditorium in Little Rock. Von "Heartbreak Hotel" bis "Hound Dog" sind alle großen Anfangs-Hits des jungen Rebellen mit der Grease-Tolle vertreten. Damals war aus dem ehemaligen Lastwagenfahrer schon der mit Abstand bekannteste Rock’n Roll Sänger geworden.
So historisch einmalig die CD auch ist, für Elvis-Anfänger ist sie keinesfalls zu empfehlen. Das Material ist authentisch, was auch heißt, daß die Qualität alles andere als gut ist. Kein Wunder, die Aufnahmetechniken bei Live-Konzerten Mitte der fünfziger Jahre waren im Vergleich zu Heute steinzeitlich. Wer aber weiß, wie Elvis klingen kann und Lust hat, einmal einen 20jährigen Weltstar zu hören, der nur durch sein Lächeln dafür sorgt, daß die Mädchen sich blutig beißen, der hat einen guten Griff getan.
Eine weitere, bereits im Sommer 1999 erschienene CD zeigt dagegen, was der King in den 70er Jahren auf die Bühne stellte. "Elvis in concert ’99" ist zur Zeit so ziemlich das beste, was man von Elvis live bekommen kann. Die Doppel-CD enthält alle großen Hits und solche, die man kennen sollte. Mit der TCB-Band, den damals besten Musikern des Rock und Pop-Genre auf der Bühne, begleitet von einem Orchester und unterstützt von drei Background-Gruppen bietet Elvis ein Gesamtkonzert-Ereignis, von dem man im Zeitalter der Boygroups nur noch träumen. Jeder Song ist perfekt abgestimmt, der wahre Chef auf der Bühne ist Drummer Ronnie Tutt, der heute mit Neil Diamond spielt. Er koordiniert den Rhythmus und verliert den umtriebigen Bühnen-Elvis nicht aus den Augen.
Wer den King nie live erlebt – und das sind heute wohl viele – der sollte sich diese aus mehreren Konzerten bestehende CD nicht entgehen lassen. Denn erst dann versteht man Bruce Springsteens Worte: "Elvis, er war mein Idol."