:  jonas  :
sind so sorry!

text: thomas weber

Als Jonas im Vorjahr ihr Debüt "September Sex Relationship" veröffentlichten konnte man ihnen ob ihres Durchschnittalters von achtzehn Jahren sogar abnehmen, daß sie - darauf angesprochen, daß sich einige ihrer Songs fast schon verdächtig nach Neil Young anhörten - behaupteten, Neil Young nur vom Hörensagen zu kennen. Ein Jahr und ein Album später sind diesbezügliche Vorwürfe wenn schon, dann eher in Richtung Smashing Pumpkins angebracht. Thomas Weber traf die vier schüchternen aber sympathischen Nachwuchsrocker.

Jonas sind vier nette Burschen aus irgendeinem deutschen Kaff. Jonas sind freundlich und auch wenn sie (in Interviews) wenig zu sagen haben und manchmal versuchen, live den oder die Rüpel raushängen zu lassen, schon mit dem Titel ihres zweiten Albums "Sorry, I’m Sorry, Sorry" scheinen sie sich (frei nach der alten Alle-Guten-Dinge-Sind-Drei-Regel) bei ihren Hörern dafür zu entschuldigen, daß es live noch nicht so ganz klappt. Bei der Live-Umsetzung haben Jonas nämlich nach wie vor das Problem, daß es sich manchmal so anhört als ob der Schlagzeuger mit dem Rest der Band um die Wette spielen würde (oder umgekehrt). Und auch wenn sie es selbst nicht gerne hören, ihr Sänger Mathias Exler bewegt sich ganz klar im Fahrwasser ihrer Förderer Tocotronic, die gesanglichen Dilletantismus für die deutschsprachigen 90er zum Kult erhoben und scheinbar erfunden haben. Da ändert es auch nichts, daß Mathias Englisch textet und singt und auch "gar keine Lust" hat, es einmal auf Deutsch zu versuchen,... Jonas sind ganz sicher keine (geborenen) Rockstars; und wenn sie es doch einmal werden sollten, dann wären sie der beste Beweis dafür, daß man Rockstartum lernen kann.

Tocotronic tauchen im Jonas-Umfeld gleich noch einmal auf, und zwar in persona Jan Müller, der auch ihr zweites Album im Hamburger Soundgarden-Studio produziert hat. Die Jonas-Tocotronic-Connection ist also nach wie vor offensichtlich, wenn sie auch in Interviews weder von Tocotronic noch von Jonas groß herausgeplaudert wird. Jonas tappen also glücklicherweise nicht in Fettnäpfchen wie wir sie noch von Heinz ("Ich hab‘ mit Tocotronic Bier getrunken‘) in Erinnerung haben. Die Peinlichkeit , daß sich Tocotronic (darauf angesprochen) dann gar nicht mehr daran erinnern können, die ersparen Jonas sich somit ganz sicher. Was ohnehin nie der Fall sein wird, denn es ist schließlich keine Schande Jonas zu kennen, ganz im Gegenteil sogar.

Discographie: "September Sex Relationship", 1998 (L’Age D’Or / Rough Trade)
"Sorry, I’m Sorry, Sorry", 1999 (L’Age D’Or / Rough Trade)