:  lake of tears  :

wer weint schon fortschrittlich? Oder: warum ihr neues Album eigentlich auch "Forever Winter" heißen könnte.

text: lou pretterebner

Lake of Tears machen keine fortschrittliche Musik. Eher im Gegenteil. Aber einmal ehrlich: wer weint schon fortschrittlich? Lake Of Tears geht es viel mehr um Stimmungen, um Phantasie und mittlerweile nicht mehr so sehr um Parties. Und weil sie alle vier – allen voran Sänger und Texter Daniel Brennare – das sind, was man guten Gewissens eingefleischte Melancholiker nennen kann, heißt ihr neues Album auch "Forever Autumn". Lou Pretterebner hat mit Johan Oudhuis telephoniert.

Im Gegensatz zum redseligen Daniel Brennare ist Lake Of Tears-Drummer Johan Oudhuis ein eher wortkarger Mensch. Fragen weicht er schon einmal aus, hin und wieder stimmt er seinem Gegenüber (wahrscheinlich nickend) zu und manchmal scheint er sich ganz einfach nur seinen Teil zu denken. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein Interview, noch schlechtere für einen Phoner. Aber der nette gerade-nicht-mehr-Twen bemüht sich sichtlich den Unterschied zwischen dem Herbst in skandinavischen Ländern und dem in – sagen wir einmal – Mitteleuropa heraus zu arbeiten. Kein leichtes Unterfangen, dafür ein umso wichtigeres, vor allem für das Verständnis des neuen Albums. Denn mitteleuropäische und skandinavische Herbste gleichen sich wahrscheinlich nur optisch; rote Blätter, Stürme und dichter Nebel (siehe Cover zu "Forever Autumn"). Sonst ist der skandinavische Herbst fast schon mit milden mitteleuropäischen Wintern vergleichbar. Aber wie gesagt, Daniel, der für die gesamten Texte verantwortlich zeichnet, "legt ohnehin viel mehr auf Stimmungen wert. (...) Seine Einflüsse holt er sich größtenteils aus Science Fiction und Fantasy-Stories. Vor allem J.R.R. Tolkiens Bücher haben es ihm nach wie vor angetan." Er, Johan, kann damit eher weniger anfangen, "ich lese weder Märchen noch Fantasy-Romane. Aber auch wenn das jetzt komisch klingen mag, die Texte gefallen mir trotzdem. Das ist für viele vielleicht jetzt nicht so leicht nachvollziehbar. Ich bin dafür ein risen Fan von Europäischen Horror-Movies." Auf das &Mac226;european‘ vor den &Mac226;horror movies‘ legt Johan besonderes Wert. "Denn mit amerikanischem Zeug kann ich einfach nichts anfangen. Denen fehlt fast alles: Atmosphäre, Stimmung, eine richtige Story. Die haben nur Geld. Und das reicht ganz einfach nicht."
Ähnliche Probleme hat Johan oft auch mit amerikanischer Musik. "Du merkst sicher, daß wir musikalisch jetzt viel aufgeschlossener sind als früher. Wir hören viel Portishead und Tricky und so Zeug. Kannst Du Dir diese Stimmung von irgend welchen amerikanischen Bands erwarten? Kaum!" Dementsprechend haben Lake Of Tears sich auf "Forever Autumn" besonders auf das Schaffen von Atmosphäre konzentriert. "Unser Sound ist der ehrlichste und gefühlvollste den wir je hatten. Es ist stimmungsvoller aber lange nicht so dicht wie "A Crimson Cosmos" [Vorgängeralbum, Anm.]. Das ist uns aber eigentlich erst aufgefallen, als alles fertig aufgenommen war. Wir machen keine Party-Musik mehr. Alles ist langsam und ... verträumt. Wenn unsere Musik vielleicht nicht mehr party-tauglich ist, dann kann sie jetzt Träume entfachen."