:  manu chao :

der mann mit der mütze

text: space.captain

Wenn du durch die verwinkelten Gassen Barcelonas, links und rechts der Ramblas schlängeln sie sich wie ein Spinnennetz vom Hafen gegen die katalanische Hügellandschaft, wandelst, oder gar den Plaza Real überquerst, wirst du vielleicht eine musikalische Begegnung der lustigen Art erleben. Nämlich, wenn du das Glück hast einem kleinen buntgekleideten Mann mit Bommelmütze zu begegnen. Manu Chao, dem Verschwundenen, wie er sich laut Eigendefinition nennt. "Kaum hat man mich aufgespürt, bin ich schon wieder weg. Immer auf dem Sprung, immer der Nase nach."
Manu Chao, einst Kopf und Sänger der französischen Rockband Manu Negra, trennt sich 1994 von der Gruppe und unternimmt ausgedehnte Arbeitsreisen nach Lateinamerika, in den Senegal und Mali. Nach Europa zurückgekehrt wählt der gebürtige Galizier Barcelona zu seiner Wahlheimat. Hier wird er von iberischen Künstler- und Medienkreisen mit offenen Armen aufgenommen. So betraut ihn die Region Galizien mit der künstlerischen Leitung für die Feiern zum Jahr 2000. Dabei findet der vielseitige Manu immer noch genügend Zeit für andere Projekte mit verschiedensten Leuten. Vor allem mit "Radio Bemba", keiner Band im herkömmlichen Sinn sondern eher einer offenen Musikergemeinschaft. Sein politisches und soziales Engagement zeigt sich mit der Realisierung eines Zirkusprojektes, "Circo Da Madrugada", unter Mitwirkung von Kindern aus brasilianischen Armenvierteln. Oder der Aktion "Eis-Express", als Manu Negra gemeinsam mit anderen Künstlern, Akrobaten und Bands an Bord eines alten buntbemalten Zuges durch Kolumbien ziehen und am Wegesrand kostenlose Spontanspektakel für die staunende Bevölkerung veranstalten.
Schließlich veröffentlicht Manu Chao im Mai 1999 ein neues Album. "Clandestino", ein musikalisches Manifest, eine Vision, das die Früchte seiner Wanderjahre und persönlichen Erfahrungen widerspiegelt. Auf sechzehn Songs vereint der Sound verschiedene lateinamerikanische Stilrichtungen mit Jazz, Punk und Rock. Seine multikulturellen Ideen verwirklicht Manu in teilweise ironisch-politischen Texten, die mehrsprachig in Englisch, Französisch, Brasilianisch und Spanisch gesungen werden. "Clandestino" entwickelt sich zum absoluten Dauerbrenner europäischer und lateinamerikanischer Hitparaden, und das Musikvideo des ausgekoppelten Songs "Bongo Bong" erfreut bis zum heutigen Tag die Zuschauer der Musiksender von MTV und Viva. Um die in Bewegung geratene Chose am Leben zu erhalten wird ein neues Album produziert, das laut Manu schon im Kasten ist. Mit stilistisch unterschiedlichen Stücken und spontan wie "Clandestino". Man kann nur hoffen, daß die kulturverbindende Botschaft die uns Manu Chao mit seiner Musik schenkt von möglichst vielen Ohren gehört und beherzigt wird. Hut ab - vor dem immer wieder auftauchenden Mann mit der Mütze.

CD
Manu Chao
Clandestino
Virgin Records