: das unschuldige mädchen und die gerechtigkeit :

text: michael bela kurz

Ein Plausch bei Kaffee und Kuchen mit dem deutsch-amerikanischen Fräuleinwunder SABRINA SETLUR warf für Thomas Weber und Shorty fast schon mehr Fragen auf, als zu stellen waren.

"Ich habe nichts gemacht, bin nur neben Franka gestanden und habe nichts gemacht", sagt SABRINA SETLUR über ihre Mitwirkung an Anatomie. In diesem Film mit Franka Potente spielt sie, unter österreichischer Regie, eine Nebenrolle. Auch kommt da noch ein Film mit Ben Becker - "Frau Zwei Happy End". Dort spielt sie eigentlich eine sogar eine Hauptrolle, hatte aber nur eineinhalb Drehtage und "bin zwar den ganzen Film präsent, aber mache eigentlich nichts". Oder auch "Ich habe eine wunderschöne Internetseite, aber ich habe damit nichts zu tun, habe sie nur abgenommen" Sonst hat sie im Netz keine Aktivitäten, der teure Laptop liegt immer unbenützt zu Hause, und dort liegt er gut.
Man fragt sich unweigerlich, wo sie denn eigentlich Verantwortung hat und etwas getan hat.
Denn auch in der Musik ist sie nicht die Aktive. Bleibt also nur mehr der Text zur selbigen. Und, Gott sei dank, dort können wir der Tiefgläubigen attestieren, daß es ihr Betätigungsfeld ist. "Das was ich mache ist meine Art von Soul, ich sing es nicht, ich schreib es auf und spreche es. Ich war nie Underground, aber das ist auch Einstellungssache. Ich mache meine Art von Hip Hop und wie das jemand dann nennt ist seine Sache, who am i to judge? So who are you?" Das neue Album von Dr. Dre ist eine Bombe, Timbaland ist auch ok, aber Moses macht genauso sein eigenes Ding. So bekommt sie immer fertige Beattapes vom Meister und sucht es sich nur aus, was die Hook sein wird und schreibt dann darüber. Sie kann selbst nämlich nichts umsetzen, hat nur die Vorstellung. Hie und das hört sie irgendwo einen Sample und leitet ihn weiter an Moses, das passiert aber eher selten. Der fertigt aber keine Beats speziell für eine Person, es ist mehr ein Pool, aus dem sich alle bei 3p unter Plattenvertrag befindlichen (nur der Vertrieb liegt bei Sony) ihre Sachen aussuchen dürfen. Praktisch ein ständiger Wunschzettel fürs Christkind, mit Adaptionsspalte für specials.
So sammelt sich eine Platte eher zusammen, als daß sie gezielt gefertigt wird. Es ist einfach genug Material da um dann alles fertig zu machen. Jetzt gilt Moses in der Szene aber als Perfektionist, die To Do List ist immer mächtig bestückt, und so kann es auch schon mal länger dauern. Eigentlich war März als Erscheinungstermin für das Album geplant, dann wurde es doch Oktober, weil der vibe nicht paßte.
Sie selbst sieht sich trotzdem weniger als Musikerin oder "Sprecherin", sondern gleich als Künstlerin.
Denn sie macht zwar keine Musik, aber sie arbeitet damit. Vielleicht wird in den nächsten Jahren noch die Produktion dazukommen, aber da ist einfach noch nicht der gefühlsmäßige Horizont.
Obwohl alle Türen jetzt offen stehen würden (Schauspielerei, Moderation,…), soll die Musik das Zentrum bleiben. Außerdem kann sie sich immer nur auf eines voll konzentrieren.
Das Publikum wird jetzt auch älter, gerade bei der laufenden Tour…, aber es ist ihr auch eigentlich egal, wie die Fans aussehen, Hauptsache sie machen Stimmung.
Englisch ist und bleibt die Muttersprache, wenn sie sich auch im Deutschen eigentlich ganz wohl fühlt. Sie ist und bleibt allerdings amerikanische Staatsbürgerin mit echtem Patriotismus. Als kleines Mädchen war zuerst durchwegs ältere Musik ihr Heim. Motown, generell Soul und R’n’B, wie die Supremes und Jacksons. "Thriller" war später die Bibel, Madonna, Wham und Kajagoogoo die mittlere Phase. Da Papa aber keine grellen Popposter an den Wänden akzeptierte, und das Mädchen, das eigentlich Tennisprofi werden wollte trotzdem Farbe ins Zimmer wünschte wurden es dann Sportler wie Ali, Agassi oder später dann Michael Jordan.
Es ist ja bekannt, daß sie auf Tour gerne shoppt, dieses mal besonders, da der Winter wiederkehrte, die Garderobe das aber nicht vorweg genommen hatte. So wurde sie in ihrer Verzweiflung sogar bei H & M gesehen, was man aber live nicht so erkennen konnte. Der Sound ist so flach, daß die der Groove nicht wirklich nach Bock klingt. Dafür hat sie eben einige schöne Gewänder mit und posiert in perfekter Zielgruppenbefriedigung, wie sie auch generell perfekt CI ist. Absurderweise hat sie die eigentliche deutsche Meisterin des Wortgesangs dabei, Cora E.. Die bekommt zwar den schlechteren Sound und bleibt unverständlich, aber es zeugt immerhin vom Mut der Königin. Shorty

http://www.sabrinasetlur.de