: drüben auf dem hügel :
: tocotronic live im avalon in allentsteig :

text: michael koscher

Drüben auf dem Hügel wollten wir nicht nur sein; drüben auf dem Hügel in Allentsteig sind wir am neunten Oktober gewesen. Daß besagter Hügel im Waldviertel das Avalon und seine mittlerweile legendären Veranstaltungen beheimatet, wissen Michael Koscher und Robert Strayhammer längst.

Ein interessiertes Publikum, die heimelige Atmosphäre im ehemaligen Lichtspieltheater, sympathische Organisatoren und nette Leute, die rote Avalon-T-shirts tragen und somit die Zugehörigkeit zur Crew signalisieren, gute Stimmung – soweit bekannte Attribute, mittels derer sich Allentsteig schon längst vom Insidertip zum Fastschonallgemeinwissen gewandelt hat; aber ein zum Bersten volles Avalon, das ist vielleicht dennoch etwas Neues: Menschentrauben, wie man sie aus Planet Music oder Szene Wien kennt.
Nichtsdestotrotz: Mit and the lefthanded trat eine mehr als interessante Vorgruppe auf, die mittels Verrenkungen von Händen, Füßen – ergo des ganzen Körpers – neue Methoden, um Tasten auf Keyboards zu erreichen, demonstrierte, nebenbei ihr gemütliches nordländisches Gemüt zur Schau stellte und eindrucksvoll bewies, daß Finnen – vielleicht von Haus aus – ein wenig verrückt sein müssen und ebensolche, wenngleich keinesfalls uninteressante Musik machen. Die zweite Zugabe allerdings verweigerten and the lefthanded, um im Dreigeschrei Tocotronic anzukündigen.
Und nach kurzem Umbau war es soweit: Hinterhalb der Bühne wurde ein Vorhang zur Seite gezogen, und ein sich auf den Zuschauer hechtender Panther mit fluoreszierenden Augen in einem ebensolchen fünfzackigen Stern erschien als Transparent - lustig eigentlich, daß die Pantheraugen jetzt mit den Fenderlabels auf Dirks Gitarrengurt um die Vorherrschaft des Leuchtens im Schwarzlicht konkurrierten. Let there be Rock! Tocotronic spielten vielleicht das beste Konzert dieses Jahres (nicht zu vergleichen mit den Auftritten im Funkhaus oder in Wiesen); toller Sound, tolle Stimmung, die nicht von ungefähr, aber dennoch größtenteils von der Bühne ausging. Die erreichte Konstanz in der Beharrlichkeit lange zu spielen (eineinhalb Stunden) und eine neu erreichte Perfektion (und ich spreche hier keinesfalls von einem Reifungsprozeß, der Hamburger Schüler schon zu Lehrern macht) sowie der Einsatz anderer (digitaler) Instrumente kreierten einen Konzerteindruck der Extraklasse. Darüber, daß das Avalon dafür vielleicht die ideale Lokation darstellt, kann man diskutieren – für mich ist diese Diskussion obsolet. Abschließend konnte auch Jan es sich nicht nehmen lassen, zum Ausgang der österreichischen Nationalratswahl ein Statement in gewohnt schüchterner Art ins Mikrophon zu flüstern: "Fuck the FPÖ" wollte er sagen, versprach sich aber zunächst ("Fuck the FDP"), brachte die Botschaft aber dennoch unmißverständlich zum Publikum.
Mehr denn je hat es das Team des Avalon wieder einmal verstanden, ein Konzert zu organisieren, von dem sich andere Veranstalter doch einige Anregungen holen sollten. Möge es auch weiterhin das idealisierte Konzertvergnügen geben.