: das unvermittelt an der frischen luft sein und doch nicht hyperventilieren :

text: michael bela kurz

TOTO: Über die Probleme einer Megaband
Nachdem zu den 20 Jahre Jubiläumskonzerten als Toursupport Bobby Kimball, der erste Sänger der Legende eingeladen wurde, war es nur ein Katzensprung zum lukrativen Comeback, das auch wirklich nach Plan verläuft. Doch da gibt es Probleme, die man einer solchen Band nicht zutrauen würde. Gitarrengott Lukather hat nach der schon kostspieligen Scheidung auch noch zwei Jahre Sorgerechtsprozeß dranhängen müssen, der wenigstens positiv ausging. Nach dem Tod von Ausnahmeschlagwerker Jeff Porcaro hat sich der einzig würdige Nachfolger Simon Phillips ("…die erste Band, mit der ich das Gefühl habe zusammen zu sein…") nun so richtig eingelebt und man ist wieder in die Zukunft orientiert. Doch dann macht Sony auch noch auf zickig und stoppt den Tatendrang – die neuen Möglichkeiten außer acht lassend.
Manchmal ist es eine Ehre, ein Interview machen zu dürfen. Eine solche war es für Shorty.

Paich :" Wir waren nur eine Rock ’n’ Roll Tanz Band auf der High School und erst nachher kamen wir in das Studioding, für das wir heute bekannt sind. Deswegen hörst du auf den ersten Platten auch wie die Erfahrungen dazukommen. Jetzt sind wir eine sehr kompakte Band und fühlen uns fast noch besser als auf "Lifefields". Ich genieße das sehr. There’s some great playing goin‘ on on stage, ich bin ja selbst ein Fan von Mr. Simon Phillips. Also höre ich ihm gerne zu, da ist genau der Level Spaß mit ernsthafter Musik zu haben. Und das ist der Punkt, der die Motivation bringt. Und dann haben wir das diesmal auch mit der Optik und dem Licht gut hinbekommen, das kann jetzt mithalten.
Kimball :" Für mich ist das alles halt nicht ganz so real. Da spiel‘ ich meine alten Lieder mit der originalen Band, nothing but the real thing – du verstehst? Ich weiß nicht was es war: Timeout oder Break, irgendwie beides. Ich habe über zehn Jahre mit den Burschen nichts gesprochen und jetzt…"
Paich:" Das ist aber auch irgendwie normal bei den Musikbewohnern dieser Welt. Gestern habe ich Zawinul getroffen und nach all den Jahren war es einfach ein "Hallo, wie geht’s? Was passiert?". Oft spreche ich sechs Monate nicht mit meinen Kollegen und wir wohnen alle nahe voneinander."
Kimball:" Ja, wir sind eine L.A.based Band. Ich habe Häuser in Westwood und Louisianna…"
Paich:" Callabasses ist einfach out of sight, ein kleines Kaff. Aber mit all dem neuen Zeugs ist es nicht mehr so wichtig, wo du bist. Ich glaube Nashville hat derzeit alle überholt. Das ist jetzt das L.A. der letzten Jahre. Auch New York ist wieder groß. Ich kenne Wien ja auch ganz gut, habe hier für "Dune" zwei Wochen mit den Wiener Symphonikern aufgenommen. Ist natürlich schon imposant, an der Geburtsstätte so vieler großer Meister der Klassik zu flanieren. Und an der Elektronikfront tut sich ja auch einiges hier."
Lukather:" Rock’n’Roll und Touren war immer schon das Leben eines jungen Singles und wird natürlich problematischer, wenn man älter wird und Familie hat. Ich glaube wir alle haben aus den Problemen der letzten Jahre gelernt, aber the torture never stops. Sechs Monate auf Tour gibt es allerdings sicher nicht mehr. Die meisten Bands sind zwei oder drei Jahre im Geschäft, wir 23, da sieht man das schon anders."
Kimball:" Außerdem acht ja jeder von uns seine eigenen Projekte. David schreibt Filmmusik, Steve und Larry Carlton kommen in Japan mit einer eigene Platte, ich bringe meine Soloscheibe wie Simon auch noch irgendwie im Zeitplan unter. Das hält uns jetzt auch frisch auf der Tour."
Paich:" Noch dazu sind wir noch an einer eigenen Sache dran: mehr Selbstständigkeit! Unser Album verkauft sich gut in Japan und Europa. Aber in den States ist das Album noch gar nicht am Markt. Und wir wissen nicht einmal warum. So kann das nicht sein! Da arbeitest du dir den Arsch ab und dann kommt das nicht mal raus. Aber da gibt es jetzt halt wirkliche Alternativen mit dem Internet. Unser Vertrag mit Sony läuft jetzt dann mal aus und ich glaube nicht, daß wir verlängern werden. Wir haben unseren kompletten Backkatalog gekauft und werden das dann selbst vertreiben. Unsere Homepage www.toto99.com bekommt einfach noch ein direct dazu und dann werden wir sehen, wie das ist. Normalerweise bekommt die Plattenfirma 15 Dollar und der Künstler nur einen, da läßt schon rechnen.
Lukather:" Und der Nachwuchs schläft nicht. Die Rapper zeigen uns wie modern Eigenvermarktung sein kann. Die nächste Porcarogeneration fängt ja auch schon an. Steve’s Tochter schreibt und singt und spielt Gitarre schon ziemlich gut und Mike ist auch am weg."