: babybird : die schönheit überwinden

text + interview: shorty

Als die Dire Straits noch keine verkaufte Geldspirale dafür aber arbeitslos waren, probten sie ohne Ende in einem Kellerloch. Stephen Jones hat das ausgelassen und dafür seinen Output als Supernova vs. Genie gestaltet. Aber die legendären 5 Alben in einem Jahr bekommen neue Kanten durch "Bugged", meint Shorty nach einem Morgentee mit dem sensiblen Wortjongleur.

"Bugged" ist schlicht eine Arbeit über seinen eher realistischen good / bad Zugang des Seins, über das irritiert werden von den kleinen Dingen, die einen dann auch vom Weg abbringen können. Das achte Album in fünf Jahren – there is no stop till u drop! Aber keine Mühe, meine gefiederten Freunde, die ersten fünf sind aufgrund ihrer geringen Auflage praktisch nicht ohne Duplizierung zu bekommen...
Das Hitalbum "Ugly Beautiful" hingegen ist ohne Probleme erhältlich, war Segen und Fluch zugleich für Babybird. Denn da war der unsägliche Hype um alles britische gerade alleiniges Thema in der heimischen Presse und somit war auch Jones gleich einer der neuen Protagonisten und naturgemäß folgenden Opfer. Was er dann auch mit dem Follow-up zelebrierte und sich mit dunklen, ruhigen Songs ("If u’ll b mine" war ein Outtake vom Vorgänger) ins im Boden steckende Schwert stürzte – Samurai ahoi. Das konnte er sich nach den zuvor guten Sales auch durchaus leisten, und zumindest "Gorgeous" hatte sich auch schon als Aiplay - Einserbank entpuppt, sogar Blue Danube Radio (RIP) war da dabei.

Oberflächlich betrachtet hat sich nicht viel verändert. Der selbe Wohnort, seine Platten sind noch immer überdurchschnittlich und er nimmt ebenso noch immer auf der Fourtrackdemo - Maschine auf, die in den Anfangstagen einziges Vehikel war, seine Songs auf Konserve zu bannen. Heute tut er das schlicht "um einfach Kontrolle über den gesamten Verlauf zu behalten". Da ist immer zuerst der Drumloop, den er auf schnell nach all den Jahren in zwei Minuten fertig hat. Denn da liegen ein paar hundert vorgefertigt auf der Diskette und warten darauf, einem Song zugeordnet zu werden. " Ich mag es nicht Musik zu planen und so singe ich auch nicht Songs ins Diktaphon. Denn eigentlich sind da immer zuerst die Texte...eigentlich bin ich eher ein Shortstorywriter, der auch Musik mag. Aber mein Buch ( "The Bad Book", I.M.P. Fiction, 2000, eine amüsante Schilderung eines Tages im Leben eines Loosers) war trotzdem noch ein Schritt weiter. Wirklich harte Arbeit. Aber ich werde es wieder tun. Obwohl das auch heißt, daß ich mich für vier Monate aufs Land verziehe, alles was zu tun ist hinter mir bleibt. Für das erste hatte ich gesamt nur fünf Monate, sonst wäre es sowieso viel mehr geworden. Aber es tut gut, ähnliches zu tun und es ist trotzdem ein komplett anderer Prozeß. Phantasie ist aber immer der Schlüsselfaktor, ohne der läuft gar nichts. Man sollte sich da schon eine gewisse Kindlichkeit bewahren. Obwohl bei meiner Art Musik zu machen die Einfachheit, die auch zu den Hits geführt hat, eher auf meine simplen Fähigkeiten an den Instrumenten zurückzuführen sind. Das Adlersystem hat mir da schon einige schöne Melodien beschert. Parallel dazu produziere ich andauernd Texte, die später irgendwann ihre Bearbeitung bekommen oder ihre Melodie von selbst finden.
In England wird von mir leider eine bestimmte Art von Lyrics erwartet, so wie sie eben auch schon "Gorgeous" anders gehört haben und lustig dazu getanzt haben. Auf "Bugged wollte ich einfach wieder mehr Spaß beim Schreiben haben und mich ein wenig befreien von diesem Stereotyp."
Während "One dead groove" noch versuchsweise vom Starproduzenten Steve Osbourne betreut wurde (der dann auch vertraglich ein paar Remixrechte bekam, was Jones nicht so ganz sympathisch ist), ist der Rest des Albums wieder vom Meister himself zusammen mit dem einzigen Musiker, der bei ihm wirklich mitmachen darf – sein Gitarrist Luke Scott - gefertigt. Dazu hat der Tontechniker Matt Hay noch das Programming besorgt und den Mix wieder übernommen. Zwar ist der Großteil in den Studios in Südspanien aufgenommen worden, wo letztens schon die Walkabouts und dEUS gewerkt haben (und sich beschwerten, daß man dort sooo langsam wird...), aber davon ist kein wirklicher Einfluß zu bemerken – von vorn bis hinten echter Babybird.
"Eyes in the back of your head" hat speziell schöne Spielereien mit 60er Anleihen a la Agentenmilieu und Groovegangsters. Das hat v.a. zwei Gründe: zuerst hat der Mann gerade günstig einen alten Wurlitzer (den mit den Tasten) erworben und der hat so einen originalen Fendersound drauf und überzeugenderweise
"Ich sammle Filmsoundtracks und das hört man sicher manchmal da und dort, aber ich will eigentlich keine schreiben, obwohl.."..., da muß wohl noch ein Filmemacher her, der so feine Absurdstories erzählt, wie es Babybird z.B. auf "Fireflies" tut. Nicht zuviel und Platz fürs Ausmalen lassend, eine eigene Kunst, obwohl eigentlich kaum was gesagt wird. Hemingway schau owa.

Es sei hier noch auf die exzellente Homepage hingewiesen, guter Überblick und all die kurios-genial inszenierten Fotos, mit denen er schon frühzeitig einem "Schön" Image entgegenwirkte. www.babybird.co.uk

Und zu Feier des Tages verlosen wir 3 signierte Werke von Stephen Jones. Aber da muß man schon wissen wo das Wohnzimmer des Meisters ist. Die drei plausibelsten Antworten führen zum Erfolg. Also: aus welcher Stadt stammt der Brite? Unter "Stahl" an shorty@wellbuilt.net