: day one :

text + interview: robert strayhammer + shorty

Am Anfang einer Karriere kann es nicht genug prominente Hilfe geben. Day One haben auch nichts gegen die ewige Erwähnung von Massive Attacks 3D und Mario Caldato (Beastie Boys – Producer), trotzdem sollte die eigene Leistung nicht ungewürdigt bleiben, schließlich hat man mit "Ordinary Man" ein Debütalbum an den Start gelegt, daß für sich selbst sprechen kann.
Die Zeit das Licht unter den Scheffel einiger Big Names zu stellen sei hiermit beendet finden Shorty und Robert Strayhammmer.

Jawohl meine gefiederten Freunde! Es lohnt "Ordinary Man" seine Sammlung vereinnahmen zu lassen und sich dann den nächsten Tag frei zu machen. Ein Cognac, Rauchware der feinen eigenen Wahl und der Schaukelstuhl vom geliebten Großvater sind durchaus hilfreiche Mittel, um sich diesem großen Werk zu nähern. Sowohl musikalisch als auch lyrisch läßt sich da einiges für die hauseigene Schatzkiste requirieren. Mit den Wörtern wird auf verspielt leichte Weise der Mikrokosmos der Beziehungen bereist – Grundtonart Moll. Man beschäftigt sich nun mal naturgemäß eher mit den Problemen als wenn einem Gutes wiederfährt, da reflektiert einer halt nicht so über die Tiefe der Situation. Der Spannungsbogen des Albums zwischen Hoffnung und Tristessa ist zwar immer lebensbejahend, gesamt gesehen kann‘s einen trotzdem fein runterziehen ohne dabei jedoch den letzten Funken der Hoffnung zu löschen.

Die zwei jungen Spunde aus dem nebeligen Bristol kamen eigentlich durch einen Zufall zueinander, der hat es aber gut mit ihnen gemeint. Die Funkband, in der beide musizierten war nicht das wahre Ding und da war auch noch der Wunsch, mehr Gewicht dem Songwriting zukommen zu lassen. Also folgte die Separierung und diese neue Freiheit fand dann auch gleich in einer erklecklichen Anzahl von Songs ihren Niederschlag. Schnell wurde auch schon das erste Tape gefertigt und mit dem Namen "PhD" versehen. Da hatten die Zwei aber nicht an das One Hit Wonder der 70er gleichen namens gedacht, "I won’t let you down". Der kleine schirche Gartenzwerg mit Brille, von dem alle eine baldige Geschlechtsumwandlung erwarteten, weil er mit einer sehr weiblich-brüchigen Stimme intonierte, meldete sich baldigst aus der Versenkung (siehe Garten – Senkgrube) und bestand auf seinem Recht, das er übrigens zufällig erst ein paar Tage zuvor aufgefrischt hatte.
Die Liebe zu auf der einen Seite ausgefuchsten Songwritern wie Bob Dylan, Miles Davis oder dem ebenbürtigen John Coltrane (Donnie) und auf der anderen Phelim’s geliebte De La Soul, A Tribe Called Quest oder dem frühen Nas hat im großen Kochtopf etwas durchaus Eigenständiges ergeben, das nicht nur nach den Roots beurteilt werden muß.

Und wenn’s ums Runterziehen geht, darf der ganze Beziehungsstress natürlich nicht fehlen.
Für Donnie und Phelim sind Beziehungen quasi die Quintessenz des Lebens; zum Einen Ursprung von unermeßlicher Freude und zum Anderen wie schon erwähnt Grund für die ärgsten Tiefs deiner Existenz. Überhaupt sind die Erfahrungen, die du in Beziehungen sammelst auf so ziemlich jede Situation in deinem Leben übertragbar, so Phelim.

Was den nunmehrigen Erfolg betrifft bleiben die Zwei auf dem Boden und genießen in erster Linie einmal die Vorteile. Und sei es, nur einmal aus Bristol rauszukommen und einmal so ganz nebenbei halb Europa zu bereisen. Es scheint fast so als ob es ganz selbstverständlich wäre nicht den Kopf zu verlieren. Das Beibehalten der Wurzeln gehört für die Beiden zum Selbstverständnis.
Und so übt man sich auch gleich im berühmt-berüchtigten britischen Understatement wenn die Sprache auf die, für die Musikpresse unabdingbaren Hinweise auf 3D und Mario Caldato, kommt.
"Es war ja schon eine große Sache mit Mario zusammenzuarbeiten, aber die Sache ist, daß das Album eigentlich schon im Kasten war und er eigentlich nur fünf Songs nochmals produzierte und dann mixte.
Es ist halt so, daß die Presse immer etwas braucht woran sie ihre Stories aufziehen kann.
Fact ist, daß die Leute eben immer das Drumherum in den Vordergrund stellen, und sagen, daß 3D sie gesignt hat und Mario C. sie produziert hat und Michael Jackson für sie Tee kochte und solche Sachen eben."
 
 
Mit Kategorisierungen, was ihren Musikstil betrifft können sie auch nicht so wirklich viel anfangen, haben sie doch mit dem bristol’schen Stigma zu kämpfen (hat hier jemand TripHop geschrien ?) : "Wir werden immer gefragt welche Musikrichtung wir machen, ob das jetzt Hip Hop oder Pop ist; die Wahrheit ist, daß wir zwei schlicht und ergreifend ein gut aufeinander abgestimmtes Songwriter-Duo sind.
Es ist nicht so, daß wir sagen : "Wir machen diese und jene Musik" sondern wir sind schon sehr offen was die Stilrichtung anbelangt.
Dadurch, daß wir die Songs halt zu zweit schreiben ist es auch möglich eher eine gewisse Balance zu halten und nicht irgendwohin abzudriften."

Was das derzeit grassierende Remix-Fieber betrifft sind Day One eher skeptisch. Zwar befindet sich auf der Neuen Single "Waiting For A Break" ein Groove Armada - Remix, doch für sie verkommen Remixe schlicht und einfach zu einem Marketinginstrument, um ja eine möglichst große Zielgruppe zu erreichen, obwohl die Idee eigene Songs durch die Ideen Anderer zu erweitern an sich ja etwas spannendes an sich hat.

Beim Internet herrscht bei den Beiden eher Skepsis, denn die Gefahr darin einfach stundenlang hängenzubleiben ist für sie doch zu groß (schließlich kann man die Zeit ja auch dafür nutzen Musik zu machen), was für die Fans aber nicht heißt auf eine echt feine Homepage zu verzichten, deshalb hier der Link

http://www.day-one.co.uk