Konkurrenz für die Simpsons!? : "Family Guy" : ist eine perfekte Kopie – und dann doch wieder ganz anders

text: ben

Ein dicker Familienvater, eine attraktive und clevere Mutter, ein fauler Sohn, eine kluge, ambitionierte Tochter, ein Baby und ein Hund. Das alles in einem Einfamilienhaus in einer amerikanischen Kleinstadt.
Klingt bekannt?

Family Guy, eine neue Cartoon-Serie aus Amerika orientiert sich stark an Matt Groenings Klassiker. Das Setting ist dasselbe – sollen wir daraus schließen, daß es über dem Atlantik wirklich so zugeht? Die Charaktere weisen ähnlich Eigenschaften auf, ihre Erlebnisse und alltäglichen Probleme kennt man von der Familie aus Springfield. Jetzt drängt sich sofort folgende Frage auf: Warum sich das überhaupt anschauen, wenn die genialen Simpsons das Gleiche bieten?

a) Der Zeichenstil:
Es ist erfrischend, Figuren zu sehen, die echten Menschen ähneln. Nichts gegen die einmalige Frisur von Marge Simpson und die eigenwillige Mundpartie aller Springfield–Bewohner, aber in Sachen Aussehen gewinnt Family Guy den Schönheitswettbewerb.

b) Die Charaktere:
Es dreht sich alles um die Familie Griffin, besser gesagt um deren Familienoberhaupt: Vater und Family Guy Peter Griffin. Im Gegensatz zu Homer trägt Peter Brille – ach ja, und Haare hat er auch noch. Der Körperumfang ist annähernd gleich, geistig bewegen sich die beiden Serienväter auch auf dem selben Niveau. Peter ist im Gegensatz zu Homer außerdem nicht gemeingefährlich, da er nicht in einem Atomkraftwerk, sondern in einer Spielzeugfabrik arbeitet. Trotz dieser Parallelen kann Peter Griffin seinen Konkurrenten Homer doch in einem Punkt übertrumpfen: Er ist sympathischer. Seine Tollpatschigkeit macht ihn liebenswert und sein unschuldiger Blick läßt so manche Dummheit verkraften.

Seine Frau Lois ist resolut und sehr clever. Ihr New Yorker Akzent steht der rauchig, krächzenden Stimme von Marge in nichts nach. Lois ist zudem noch wahnsinnig reich – theoretisch zumindest, denn daß sie mit Peter das Ehebett teilt, begeistert ihre Familie ganz und gar nicht.

Sohn Chris ist Bart Simpson mal zwei. Allerdings nur in Punkto Körperumfang. Sonst hat er mit dem smarten Buben aus Springfield nichts gemein. Ganz im Gegenteil! Vater Peter und Sohn Chris streiten sich förmlich um den Titel "Dümmster Mann im Haus". Das macht der junge Griffin aber auf so herzliche Art, daß man es ihm nicht übel nehmen kann

Megan Griffin hingegen kann sich durchaus mit Lisa Simpson messen. Ein neuer Aspekt kommt bei Megan
allerdings hinzu: Sie ist älter als Lisa und das Thema Freund & Ausgehen spielt eine wichtige Rolle.

Der jüngste im Bund ist Stewie Griffin. Äußerlich eindeutig ein Baby – geistig seiner Zeit weit voraus. Er kann sprechen – und wie! Seine tollkühnen Ideen – vorgetragen in bestem britischen Akzent – handeln ausschließlich von Mord, Totschlag, gigantischen Superwaffen und ähnlichem. Sein Ziel ist die Weltherrschaft – leider hindern ihn seine Windeln aber an der Durchführung dieser sinistren Pläne. Seine Begabung, mit Spielzeug und Haushaltsgegenständen fatale Konstruktionen zu basteln, ließe selbst McGyver vor Neid erblassen.

Und zu guter Letzt wäre da noch Brian. Auch ein Griffin, allerdings kein Mensch, sondern der Hund. Kommissar Rex ist gegen Brian allerdings ein hirnloser Wuffi. Brian holt keine Wurstsemmeln für das Herrchen, sondern Martini und Zigarre für sich selbst. Das alles auf den Hinterbeinen, denn die Vorderpfoten braucht er, um unter anderem Zeitung zu lesen. Sein IQ ist höher als der aller Griffins addiert. Nebenbei sind seine Manieren makellos und sein Benehmen das eines Gentleman.

c) Der Humor:
Hier herrscht wohl der größte Kontrast zu den Simpsons. Family Guy ist realistischer und der Humor nicht so überzogen. Die Seitenhiebe haben es in sich. Es ist schwer, den Unterschied genau zu beschreiben – am Treffendsten wäre, Family Guy mit erwachsener und reifer zu bezeichnen. Die Simpsons haben ein größeres Zielpublikum, das auch Kinder einschließt. Die Serie hat mehrere Ebenen und bietet so für jede Altersgruppe bestimmte Anreize. Family Guy ist, meiner Meinung nach, für Erwachsene ausgelegt und wird die jungen Zuseher nie so begeistern können.

d) Der Nicht-Simpson-Faktor:
Ich kann Family Guy nur wärmstens empfehlen. Es macht Spaß, das Leben der Griffins mitzuverfolgen. Die Sendung ist neu, spritzig und voller abstruser Ideen – ein Umstand, der nach zehn Jahren Springfield nicht zu verachten ist!


Info zur Serie: http://us.imdb.com/Title?0182576

Fan-Sites: http://www.thefamilyguy.com, http://www.familyguyonline.com, http://www.thefamilyguy.de