: jimi hendrix :

1942 – 1970

text: andreas probst

Reporter: "Hallo, ich bin von der Times".
Hendrix: "Nett, Sie kennen zu lernen. Ich bin vom Mars."

1970 – ein Jahr der Veränderungen und Neuanfänge. In Berlin wird am 14. Mai Andreas Baader aus dem Gefängnis befreit und läutet mit Ulrike Meinoff und verschiedenen anderen Genossen den bewaffneten Widerstand gegen politische Mißstände ein. Die Pot-Welle hat aus den Staaten kommend endgültig auch Europa erreicht und ein Netzwerk von Headshops entsteht. Am 10. April gibt Paul McCartney die Auflösung der Beatles bekannt. "Let It Be" ist die No. 1 der Charts im Mai. Pink Floyd beenden ihre Experimentierphase und beginnen mit "Atom Heart Mother" kommerziell erfolgreichen Bombast-Sound. Santana schreibt mit "Abraxas" Geschichte in der Cover-Art. Der brennende Led Zeppelin schmückt das Cover der britischen Meilensteine des Rock und die Köpfe von Deep Purple blicken versteinert vom Mount Rushmore. Am 19. September sind die Stones mit "Get Your Ya-Yas Out" No. 1 der Charts.
Einen Tag davor, am 18. September stirbt Jimi Hendrix, eine der kreativsten und einflußreichsten Musiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Gesundheitlich angeschlagen - er muß am 2. September einen Auftritt in Dänemark vorzeitig beenden – wird die offizielle Todesursache mit Erstickungstod durch Erbrechen nach einer Barbituratvergiftung angegeben.
James "Jimi" Marshall Hendrix wird am 27. November 1942 in Seattle, der späteren Hauptstadt des Grunge geboren. Schon in früher Kindheit entdeckt er seine Liebe zur Musik und begeistert sich an Platten von B.B. King, Muddy Waters, Howlin´ Wolf, Buddy Holly und Robert Johnson, die auch bald seine Vorbilder werden. Im Sommer bekommt James von seinem Vater eine Akustikgitarre. Er spielt zugleich linkshändig, und da er keine Noten lesen oder aufschreiben kann, ist sein Zugang zur Welt der Töne im wesentlichen der zu hörende Klang. Durch die fulminanten Fortschritte auf dem Instrument bekommt Hendrix jr. ein Jahr später seine erste elektrische Gitarre. Eine Supro Ozark 1560S, die er noch zu High-School Zeiten bei den Rocking Kings spielt. Ein kurzes Gastspiel in einer Fallschirmspringereinheit bringt ihm 1961 die unehrenhafte Entlassung. Er bleibt in Louisiana und Mississippi, spielt und studiert den Blues, R&B und Country Music in billigen GI-Kneipen. Der endgültige Entschluß ins Profilager zu wechseln fällt 1963, als ihn Little Richard für eine Package-Tour mit den Supremes anheuert. Bis Ende 1965 spielt er mit verschiedenen Musikern wie Ike & Tina Turner, Sam Cooke und den Isley Brothers. Die im Juni 66 formierten Jimmy James & The Blue Flames sind seine erste eigene Gruppe.Sie spielen in einigen kleineren Kneipen in der Gegend von Greenwich Village, wo ihn Linda Keith, die damalige Freundin von Keith Richards, mit dem von Jimi´s Gitarrenkünsten begeisterten Ex-Bassisten der Animals (Eric Burdon) Chas Chandler zusammenbringt. Im September des gleichen Jahres gehen beide nach London, Chandler besorgt eine Arbeitserlaubnis und nach etlichen Sessions wird am 12. Oktober mit Mitch Mitchell (drums) und Noel Redding (bass) die Jimi Hendrix Experience aus der Taufe gehoben. Der erste wichtige Gig findet am 18. Oktober 1966 im Pariser Olympia, in einer Show von Johnny Hollyday statt. Ein neuer Psychedelic Blues und der schwerste Rock dieser Zeit läßt die Musikwelt in Begeisterung ausbrechen. Der Einsatz neuer Techniken, ein grenzenloses Improvisationsvermögen sowie das Gefühl Musik mit spektakulären Showeinlagen zu verbinden, setzen neue Akzente. Nach dem gewaltigen Single Erfolg von "Hey Joe" kommt 1967 das erste Album "Are You Experienced?" Mit Hits wie "Purple Haze" und "The Wind Cries Mary" auf den Markt. Die Band tourt durch Amerika, produziert die zweite LP "Axis: Bold As Love", die auf beiden Seiten des Atlantiks vergoldet wird und Jimi zu einem der höchstbezahltesten Rockstars werden läßt. Die dritte Produktion, das überragende Doppelalbum "Electric Ladyland" bringt durch das Cover auf dem jede Menge nackte Girls zu sehen sind einigen Ärger und geht somit in die Geschichte ein. Um den immer größer werdenden Tournee- und Studiostreß zu bewältigen greift der privat eher introvertierte Künstler zunehmend zu Alkohol und Tabletten und ist auch den anderen gängigen Stimulanzen dieser Zeit nicht abgeneigt. Es beginnt der "Fall des Hauses Hendrix".
Noch einmal am 18. August 1969 hat der "Gitarrist der Superlative" einen fulminanten Auftritt beim Woodstock Festival als er die US Nationalhymne zum Rückkoppelungs-Exzess aufwertet. Auch mit der all-black-group Band Of Gypsies, am Schlagzeug Buddy Miles und Billy Cox am Bass, läßt Jimi nochmals seine Genialität erahnen. Aber das aufreibende Leben, die harte Arbeit in seinem New Yorker Aufnahmestudio "Electric Lady Studios" fordern ihren Tribut. Jimis Tagesform verschlechtert sich zusehends, und die letzten Tourneeverplichtungen in Stockholm, Kopenhagen und Berlin werden zum Disaster, das im Horror-Festival von Fehmarn seinen traurigen Höhepunkt findet. Hendrix ist ausgelaugt und durch seinen immensen Drogenkonsum kaum noch Herr seiner selbst. Er zieht sich mit seiner Düsseldorfer Freundin Monika Dannemann in das Londoner Appartement zurück und macht letzte Pläne für ein Big Band Projekt. In der Nacht zum 18. September 1970 findet ihn seine Lebensgefährtin bewußtlos in der Wohnung auf. Das, und die viel zu spät eintreffende Ambulanz liegen alles etwas im Dunkel, so kann im St. Mary´s Abbot Hospital nur noch der Tod von James Marshall Hendrix genannt Jimi festgestellt werden.
Sein musikalisches Vermächtnis besteht aus drei offiziellen LPs, die seine Studiomusik im Zusammenhang präsentieren. Dazu existieren eine Menge hervorragender Live-Aufnahmen und unzählige Bootlegs. Ein repräsentativer Überblick aus dem nur vier Jahre währenden Schaffen der Gitarrenlegende ist soeben erschienen

Musiktip:
Zum Anlaß des 30. Todestages von Jimi Hendrix veröffentlicht Universal Records ein opulentes Boxset mit nie zuvor veröffentlichtem und erhältlichen Material. Studio-Aufnahmen wie Live-Auftritte. Dazu ein 80seitiges farbiges Booklet mit Liner Notes von Jimi Hendrix´ Biographen John McDermott, Fotos von Linda McCartney u.v.a. sowie Hendrix´ handgeschriebene Texte.

Buchtipp:

Charles Shaar Murray
Jimi Hendrix Purple Haze
Diskografie, Jimi Hendrix auf Video,
Bibliografie
hannibal-verlag