Herbstzeitliches aus Chapel Hill: Das ruhige Aufsehen erregende Debüt der : Kingsbury Manx :

mp3: cross your eyes (3.1mb)

text + interview: mich

Keiner kennt Chapel Hill. Woher auch? Wo liegt dieser Hügel überhaupt? "Drüben auf dem Hügel möchte’ ich sein", spätestens seit The Kingsbury Manx ihr Debütalbum unter die europäische Zuhörerschaft geworfen haben. Und daß wir es mit Freuden aufgefangen haben, zeigt nicht nur unsere Tormannqualitäten, sondern vielmehr, daß auch amerikanische Musik wieder imstande ist, Akzente zu setzen.

Wenig Informationen in der Fachliteratur wie im Internet. "Wir hatten nicht viel Zeit, um Reputation oder Information aufzubauen. Sogar die Leute in der Stadt, wo wir wohnen, wußten nicht, wer wir sind. Sie wußten zwar, daß wir in einer Band spielen, hörten den Bandnamen, konnten damit aber nicht verbinden, daß wir das sind," so The Kingsbury Manx einhellig. Hals über Kopf sind sie also mitten ins Business katapultiert worden und touren nunmehr mit Galexico durch Europa: "Es ist unser erster Besuch in Europa – unglaublich – wir spielten zwei mal Berlin, in Dresden, in München. Es war eine Menge Spaß vor einem
Riesenpublikum bei den Shows mit Galexico zu spielen. Normalerweise spielten wir für 25 Leute, hier ist es eine Riesenmenge von 900 oder 1000 und das Publikum war großartig."
Und es scheint nicht nur so, daß der schnelle Erfolg etwas überraschend und schnell kam. "Wir spielten in unseren Schlafzimmern und unser Traum war es, eine Platte aufzunehmen
Es ist sehr nett, aber wir haben das alles nicht erwartet."
So zeichnet sich ein Weg der Kingsbury Manx, der im allgemeinen nicht den üblichen darstellt. "Wir nahmen in unseren Zimmern zuhause auf. Wir gingen einen eigenartigen Weg: Die meisten gründen eine Bands und spielen Millionen von Live-Shows und so hören die Leute davon und das baut Reputation auf. Wir spielten in unseren Schlafzimmern, wo uns niemand hören kann. So kam unsere CD heraus und wir hatten vorher nie live gespielt."
Ganz so jungfräulich und ohne Liveerfahrung kommen The Kingsbury Manx allerdings nicht nach Europa. "Es gibt eine Menge Bands in der Stadt in North Carolina, aus der wir kommen. Es ist eine Collegestadt – eine Menge Kids, eine Menge Bands. Vielleicht 400 Bands – und es ist eine kleine Stadt. Leute ziehen in unsere Stadt, um eine Band zu gründen. Es ist nicht schwierig, Shows zu finden, um zu spielen. Es gibt großartige Bands und eine Menge Labels wie beispielsweise Merge Records – das amerikanische Label von Lambchop."
So wie das selbstgemalte Cover – "Ich bleibe in meinem Haus und ich male und ich gehe niemals außer Haus." "Wir kamen vorbei, als er das Bild für das Cover malte, und wir sagten, du mußt das Bild fertig stellen, weil wir es für die Platte brauchen." - oder das Instrument auf der Rückseite der Platte mit sprechendem Namen Kingsbury – "Wir kauften ein fünfzig Dollar Piano für unseren Übungsraum. Computermäßig aufgebessert sieht es auf dem Bild natürlich besser aus. Es ist ein altes, schmutziges, großartiges Piano, das gestimmt werden müßte." – ist das Album wie auch ein Konzert der Kingsbury Manx großartige Handarbeit. Zu hoffen bleibt, daß die Chapel Hiller noch öfters von ihrem Hügel zu uns nach Europa heruntersteigen.