: Pepsi Sziget 2000 : 2. – 9. August

text: robert strayhammer

Ganz Europa wird, vom ersten Lichtstrahl im Frühjahr bis zum ersten Schneegestöber so circa Mitte Oktober, von den ewig gleichen Festivals mit dem ewig gleichen Line-Up und den ewig gleichen Problemen (zahlen für jeden Scheiß, wichtigtuerisches Security-Personal etc.) heimgesucht....

Ganz Europa?

NEIN, mitten in Europa scheint es doch noch ein Fleckchen zu geben wo die Uhren ein bißchen anders laufen und einem die lang vermißten Adjektive "preiswert", "innovativ" und "abwechslungsreich" mit Überschallgeschwindigkeit ins Gehirn schießen.

Dieses Fleckchen Glückseligkeit ist die Obudai – Donauinsel in Budapest, und das dort stattfindende Festival nennt sich Pepsi Sziget Festival und findet heuer, im achten Jahr seines Bestehens, von 2. – 9. August statt.

Begonnen hat das Sziget Festival als eine Art Woodstock-Plagiat mit Bands wie Jethro Tull, Ten Years After, den Byrds und Eric Burdon.
Das Line-Up wurde später etwas zeitgenössischer und die Veranstalter holten unter anderem Prodigy, Iggy Pop, Sonic Youth, David Bowie, Goldie, Faith No More, Asian Dub Foundation, Paradise Lost, Patti Smith und Green Day auf Bühne.

Den jährlich 300 000 Besuchern bieten die mittlerweile insgesamt 14 Bühnen ein mehr als abwechslungsreiches Programm von Folk bis Afro von klassischer Musik bis hin zu derbem ungarischen Death Metal. Auch für Fans elektronischer Musik ist das Pepsi Sziget seit Jahren ein sommerlicher Pflichttermin. So werden heuer z.B. CJ Bolland, Paul Van Dyk, Seb Fontaine, Nick Warren oder Layo and Bushwacka ihre Sets zum Besten geben.
Neben den Sziget-Veteranen Apollo 440, Therapy?, Guano Apes, Clawfinger und Chumbawamba geben sich heuer auch noch Lou Reed, Suzanne Vega, Him, Die Ärzte, Bloodhound Gang, 16 Horsepower, der geniale Mambo Kurt, der schon im Vorjahr alle Skeptiker überzeugte, Bad Religion, eventuell Rollins Band und Oasis (mit oder ohne Noel, oder überhaupt, oder doch nicht – wer kann das wohl sagen ?) die Ehre.

Wem gerade keine der Bands zusagt oder wer generell weniger wegen der Musik sondern mehr der Atmosphäre halber auf dem Sziget Festival ist, kann sich die Zeit auf vielfältigste Weise vertreiben. Es stehen zur Auswahl: Kino, Theater, Meditation bei Hare Krishna’s Anhängern und Anhängerinnen, Sport (von Fuß-, Volley-, Street- bis zu Paint Ball aka Gotcha, Klettern, Bungee Jumping), Schoppen im Bazar, sich piercen oder tätowieren lassen, im Internet surfen oder die unglaublichen Speisen in der "Internationalen Küche" probieren (Geheimtip: der russische Stand bei dem es keinen Wodka gibt, der nicht nach irgendeinem ehemaligen KPdSU-Chef benannt ist).
Das Angebot ist so groß, dass man in der Woche unmöglich alles ausprobieren kann, Hilfe bietet deshalb das wirklich umfangreiche Programmheft, das jeder Besucher erhält und dreisprachig (engl., dt., ung.) so ziemlich alles erklärt, was man wissen muß (z.B.: Das Baden in der Donau ist lebensgefährlich und daher verboten!).

Was aber wirklich erstaunlich ist, ist die perfekte Organisation von der sich auch westeuropäische und österreichische Veranstalter mehr als nur eine Scheibe abschneiden sollten. Es gibt wirklich ausreichend Toiletten und Dusch/Waschmöglichkeiten, Wertgegenständen können gratis und sicher deponiert werden, zahlreiche Bankomaten und Geldwechsler, medizinische Versorgung, Kommunikationszentren, kleine Shops und ungefähr 1000 (in Worten: tausend) Security-Kräfte die zwar präsent sind aber kaum einmal auffallen. Überhaupt ist die Atmosphäre auf der Insel sehr relaxt; so gibt ein Viertel der Besucher (die zu 2/3 aus Ungarn und 1/3 aus Resteuropäern bestehen) an, allein wegen der Atmosphäre zu kommen.

Die Tatsache, dass das Sziget Festival preislich fairerweise auf jüngere ungarische Musikfans ausgerichtet ist, macht das Pepsi Sziget vor allem für Westeuropäer zum Schnäppchen der Festivalsaison.
Die Preise werden aber erst durch konsequentes Sponsoring ermöglicht. Da Pepsi der Hauptsponsor ist, gibt es z.B. auf der ganzen Insel kein Coke, was aber auch schon die größte, der ohnehin wenigen Unannehmlichkeiten darstellt (als andere fallen mir eigentlich nur die ständig überfüllten Öffis in Budapest ein).

Also Rucksack packen und auf in den Osten. Mensch sieht sich.

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Offizielle Seite:
http://www.pepsisziget.index.hu

Fan-Seite:
http://www.extra.hu/diaksziget/english/index.html