: Pepsi Sziget 2000 ::__erster Tag

text: robert strayhammer

Wenn die Zuge Richtung Ungarn hoffnungslos überfüllt sind, kann das nur zwei Sachen bedeuten: entweder es ist Grand Prix oder Sziget Festival.

Zweiteres wird von Jahr zu Jahr großer und auch ein bisserl teurer (Preise sind im Vergleich zu österreichischen Festivals trotzdem noch immer geradezu lächerlich). Die Organisation ist wie gewohnt außergewöhnlich professionell (90-seitiges Programmheft, zahlreiche Info-Stände und etliche Wegweiser lassen kaum Fragen offen) und das wissen die Besucher, von denen dieses Jahr noch mehr
kommen dürften, zu schätzen.

Zu schätzen weiß Lou Reed auch das ungarische Gulasch, obwohl er nicht deswegen hier ist, sondern wegen der Musik (eh klar!)
Lou Reed: "I am not here for the Gulasch, I am here for the music." (Antwort auf eine Journalistenfrage nach dem ersten Eindruck).
Doch der alte Lou ist somit Teil einer Minderheit, denn die Musik ist für nicht einmal 20% der Grund zu kommen; Hauptgrund für den Festivalbesuch ist für ein Viertel der Besucher schlicht und einfach das Festival-Feeling.

Recycling und Spaß dabei - das ist das Motto der beiden Getränkesponsoren Pepsi und Dreher. Wer Becher sammelt, wird belohnt. So bekommt man für einige Becher entweder Zutritt zu den speziellen Fußball– und Wasserfußballplätzen, oder man wird mit irgendwelchen Merchandising-Artikeln belohnt. So kann
man vom simplen Kartenspiel über T-Shirts bis hin zu Zelten alles bekommen. Wer also sein Gepäck verliert muß nur den nötigen Durst, und die notwendige Kondition aufbringen um mit neuer Garderobe und Campingausrüstung wieder nach Hause zu fahren.

Lou Reed, dessen Einfluß auf nachfolgende Musikergenerationen durch seine Arbeit mit Velvet Underground unbestritten ist gab sich bei der Pressekonferenz gut gelaunt, konnte es sich aber auch nicht verkneifen bei all zu dummen Fragen auch die Journalisten blöd aussehen zu lassen.
Seine Antworten waren in gewisser Weise entwaffnend ehrlich, aber wieso sollte er auch jemandem etwas vormachen wollen? So meinte er etwa auf die Frage, welches denn sein bestes Album sei, daß eigentlich das letzte Album immer das Beste sei und das auch so sein müsste, und der einzige Grund wieso er vor einiger Zeit seine Biographie geschrieben hat der ist, daß ihn sein Verleger darum gebeten hätte.
Irgendwann kam dann auch das Thema "neue Technologien" auf, wobei Reed sich vor allem zum Thema MP3 äusserte. Er selbst sei eher der Typ der sich nicht in jede technische Neuerung stürze, sondern eher Altbewaertes bevorzuge – doch im Endeffekt führe sowieso kein Weg an neuer Soft- und Hardware vorbei, denn selbst wenn er seine Songs analog aufnimmt, "am Ende landet sowieso alles im Computer..."
Was den illegalen Download betrifft, gibt er sich moderat: "Wenn alle Downloads nur für dein Eigengebrauch gedacht sind, kein Problem. Sobald das Ganze aber kommerzielle Dimensionen annimmt, ist der Spaß vorbei."
So ist es ihm beispieleise ein Dorn im Auge, wenn auf Tour bei einem Konzert immer schon die Bootlegs von der Show am Tag zuvor angeboten werden.
Daß er sich seines legendenhaften Status voll bewußt ist, zeigen auch die wirklich strengen Regeln für Photographen bei der Pressekonferenz und beim anschließenden Konzert (waehrend der Pressekonferenz überhaupt keine Photos, das Filmen war nur exakt bis zur siebenten Minute erlaubt, beim
Konzert durfte kein Blitz verwendet werden und nach den ersten beiden Songs war dann sowieso der Photograben gesperrt).
Beim Konzert am späten Nachmittag dauerte es dann ein bißchen bis die Menge in Schwung kam, aber ein kleiner Griff in die Trickkiste (schnell einmal der alte Velvet Underground Song "Sweet Jane" gespielt) – und schon ist das Publikum auf seiner Seite. Wenn er dann zum Abschluß auch noch "Perfect Day" anstimmt, ist die zuschauerliche Exstase sowieso am Höhepunkt. {Danke, Lou}

Chumbawamba: Opium fürs Volk

Als Headliner des ersten Tages durften die acht (oder mehr?) Berufsrevolutionaere von Chumbawamba die Masse beschallen, und als Festivalband machen sie ihre Sache wirklich gut. Eine solide Performance, gewürzt mit den Hits "Tubthumping" und "Time Bomb" ließen ein zufriedenes Publikum zurück.
Doch wenn anschließend auf der Hauptbühne die Lichter ausgehen, steht den meisten Festivalbesuchern noch eine lange Nacht bevor. Entweder sieht man sich, passend zur Geisterstunde, den eigentlich eher lustigen, denn gruseligen Film "Sleepy Hollow" an; oder man gibt sich noch den Thrill einer mittnächtlichen Paint Ball-Schlacht, oder man geht noch ins heuer vergrößerte "Danceland" oder an einen der zahlreichen von DJs beschallten Plätze abshaken.
Der tolle erste Tag läßt auf eine ebensolche Woche hoffen.
Bleibt dran oder kommt einfach noch selbst.


Offizielle Seite:
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