: schneiderberg : von der talstation geht’s nunmal in richtung gipfel

text + interview: shorty

Wenn der Gitarrist aus Südafrika kommt, der Sänger aus Italien und der Rest g‘standene Mannbilder aus dem freigeistigen Tirol sind, muß wohl X-Over herauskommen. Nicht unbedingt ein gutes Vorzeichen, doch zwischen Anleihen und Eigenständigkeit paßt’s diesmal, findet Shorty.

Die Burschen gibt es ja jetzt in der heimischen Szene doch schon ein Zeiterl, aber jetzt ist es haben sie es doch mal vollbracht: das richtige, echte Debutalbum bei einem richtigen Label mit richtig professioneller Vermarktung die sie auch die großen Plattengeschäfte vordringen läßt. Die Achtungserfolge hatten sich in den letzten Jahren stark gehäuft, das Ergebnis war ein logisches. Doch eigentlich war der Weg kein gerader, Umbesetzungen keine Seltenheit und ein Unglück Auslöser für die jetztige Formation. Als alles 1998 seinen Weg zu gehen schien - die erste Demo-Cd hatte guten Anklang gefunden und nach zig Gigs war man sogar fürs Soul-City gebucht – verunglückten zwei Bandmitglieder bei der Heimreise schwer und alles war wieder in der Schwebe. Der somit ehemalige Schlagzeuger wurde der neue Livemixer – kein schlechter Zug – und etliche Monate Reha ließen auch die Südafrika stämmigen 6-Saiten Philipos wieder beben. Dj Piotr macht den noch Sound phatter und der zuvor schon eingeschlagene Weg wird wieder gerade und schneller. So schnell wie die naturgemäß schon speedige Zunge des Wortbrabblers an der Front. Paolo Greco war seit 1995 in Tirol und kam 97 dann fix zur Band, hatte vorher schon 14 Jahre hie und da mal vorbeigeschaut. Die Entscheidung wurde ihm durch die Herren des italienischen Bundesheeres leicht gemacht, ab über die Grenze eben. Nach all dieser Zeit samt Erweiterungen ist es natürlich auch auf der Bühne komplexer geworden, die Zusatzsounds kommen über Sequencer rein und werden vom Keyboard weg gesteuert. Das kann schon sehr mächtig kommen...

Als der Deal mit Edel Records dingfest gemacht wurde, war auch das in den Jahren angesammelet Material für "das" Album schon zu 95% gestanden – nachdem man es schon bis zu viermal aufgenommen, sozusagen selbst remixt, hatte. Den Rest hat die Erfahrung von Boban Milunovic zurecht gedrechselt. In zwei Monaten im Studio wurde korrigiert und noch einiges umarrangiert, um dem neuen Soundkonzept sowohl im Studio als auch später live folgen zu können. Der Produzent hat sich wie so vieles anderes bei dieser Band ergeben und wurde nicht bewußt von vornherein angesteuert. Er ist ganz einfach nach einem Gig im Posthof / Linz aufgetaucht und, nachdem doch schon etliche Studios und Produzenten angetestet wurden, in den Noise Art Studios in Wels hat es dann gleich gepaßt. Außerdem hatte Boban schon einen respektzollenden Ruf, der weiteres Vertrauen schuf. Das Studio gibt es mittlerweile nicht mehr, also wird es für "die Zweite" wieder mit der Suche losgehen. Aber bis dahin kann sich ja noch viel in der weiten Welt passieren und sich weitere Möglichkeiten ergeben. Fest steht nur, daß in die Zweite mehr Fluß kommen soll, Kanten haben schon Berechtigung, aber es wird geplant mehr nach einem Guß klingen. Wobei auch schon diesmal Howie Weinberg gemastert hat und dem Ganzen ein absolut internationales Format gegeben hat, das hat ja auch schon "Paradise Now" mächtig geholfen.
Und es gibt sogar einen Gaststar! Da hat es tatsächlich den Sänger einer legendären Ami-Undergroundband per Liebe nach Österreich verschlagen, der dann auch noch in Studionähe verweilt. So kommen die Vocals auf "Sensi", dem internen Hit des Silberlings in lupenreinem Englisch rüber und bietet dem Italienischen ebenbürtigen Widerpart.
Das sehr schön modern gestylte Layout hat übrigens Sigi Mayer fabriziert, der sich aus eigenem Antrieb heraus dafür vorgestellt hat. Und die Optik, die auch an FM4 Sampler erinnert, ist auch schon merklich gut bei wichtigen Stellen angekommen. Außerdem kommt der Cover in seiner absolut weißen Pracht samt Understatement auch in den Stapelreihen der großen Märkte gut weg.

Kurioserweise ist in Paolo‘s Heimat keine spezielles Promoforchecking geplant, obwohl dort in dieser Sparte keine Band echten Starstatus hat. Wenn man Litfiba als Nummer Eins Rockband sieht, die auch schon auf die 40 zugehen, der einstmals geniale Vasco Rossi nicht nur musikalisch seinen Biß verliert, so könnten sich dort durchaus größere Chancen auftuen. Für den Rest der Band würden sich da trotzdem keine wärmenden Gefühle der Verbundenheit einstellen, denn die verstehen in Wahrheit kein Wort von ihrem Frontmann.
www.schneiderberg.com beweist dafür, daß man sehr wohl an die Welt denkt, und www.at eben nur ein Teil ist.

..........und es stimmt wirklich und ist noch immer so: der Name kommt von der Talstation in der sich der mit 15 m2 wahrhaftige Proberaum, und der ist "schön" laut. Die können einem halt noch Berge geben.