: just honey would be great : the human league

text: .kohai/juno
interview: e-werkk.com

Und wir haben es doch noch geschafft, ein Interview mit "Human League", den Pop-Pionieren von anno dazumal, zu bekommen. Ganze zwei Tage verweilten Phil Oakey, Joanne Catherall, und Susan Anne Gayle in Österreich, um ihr neues Album mit dem Titel "Secrets" vorzustellen.

Um unseren Gusto auf das neue Album der wiederauferstandenen Pophelden noch zu schüren bzw. für manche vielleicht völlig zu verderben, schwangen sich The Human League kürzlich für einen bescheidenen Showcase auf die Bretter der ruhmreichen (wohlgleich aber schlecht belüfteten) Untergrunddiskothek U4. Nebst Auszügen aus der neuen Platte schossen die leicht gesetzten, aber dennoch höchst vitalen (also noch wandelnden) Stück Popgeschichte auch einige alte Hits aus der Hüfte, so wie z.B. "Don´t You Want Me", das gar nicht mal so alte "Tell Me When", und - zum Staunen des nichtsahnenden Connaisseurs - sogar die Oakey/Giorgio Moroder-Kollaboration "Together in Electric Dreams", bekannt aus dem magenschonenden Disney-Filmspass "Electric Dreams". Obwohl Herr Oakey während des Auftrittes leider mit seinen Stimmbändern im Clinch lag, und U4-Galionsfigur Conny im Eifer des Massensaunierens irgendwie den zweiten Aufguss verpasste, gestaltete sich der Abend sehr kurzweilig und zauberte vielen der zahlreichen Besucher ein Lächeln zwischen die Schweißperlen.

Die wohlgesonnenen Kollegen .kohai und Radioactiveman vom Elektrikerfachmagazin e-werkk.com stellten für uns die Fragen an das ehrbare Trio.

.kohai: Warum hat es so lange gedauert, ein neues Album unters Volk zu schmeißen?

Joanne: Wir haben unser letztes Album promotet... aber nur in Amerika. Die Europa-Tour wurde abgesagt, weil der Vorverkauf so schlecht war. Beim Aufnehmen im Studio ist uns dann das Geld ausgegangen. Nach einer weiteren US-Tour mit "Culture Club" und Howard Jones, und einer mit "ABC" in Großbritannien, haben wir ein Jahr an den Demos für dieses Album gefeilt. Danach haben wir uns auf die Suche nach einem neuen Label begeben. Das Aufnehmen hat dann nochmals 13 Monate gedauert.

Radioactiveman: Was ist eigentlich mit "Factory" passiert?

Phil: "Factory" waren ein tolles Label. Ich sage nur "Joy Division". Tony Wilson hatte die Idee zu "Factory" von "Fast Records", unserem ersten Label, gestohlen.

Joanne: Heute ist die Situation mit Labels in England wesentlich schlechter. Es gibt ja nur noch fünf große, und die wollen Bands nicht dauerhaft unter Vertrag nehmen. Nur für eine Single, und das war‘s dann auch schon. Wie wir angefangen haben, war die Auswahl an Labels um einiges größer. Damals wollten sie nicht nur total manipulierbare Acts.

Radioactiveman: "Human League" gibt es mittlerweile schon einige Zeit. Nervt euch da eigentlich der Druck von seiten der Journalisten, euch immer wieder neu erfinden zu müssen?

Susan: Wir machen immer noch genau die Platten, die wir machen wollen. "Human League"-Platten, ist exakt das, was wir machen können. Es ist ziemlich hart eine so langlebige Popband zu sein. Laut den Leuten, die in der Medienbranche sitzen, hätten wir uns 1986 – nach "Human" – auflösen müssen, um zehn Jahre später ein großes Comeback zu starten. Aber wir haben uns nie aufgelöst, im Gegensatz zu "New Order" beispielsweise.

Phil: "New Order" sind uns wahrscheinlich am nächsten. Ich freue mich schon auf deren neue Platte, die soll angeblich sehr gut sein.

Radioactiveman: Ja, sehr rockig.

Phil: Großartig.

.kohai: Was haltet ihr eigentlich vom 80er Revival und den vielen schlechten Cover-Versionen, die es eigentlich nie geben dürfte?

Susan: Wir mögen alle Bands, die uns covern, egal wie schlecht die auch sein mögen. Wir fühlen uns geschmeichelt, daß sie unsere Musik mögen... und uns bringt es Publicity. Ein 80er Revival gibt es in England im Moment leider nicht.

.kohai: In England ist dieser Trend also nicht zu sehen. In Deutschland hingegen sind die alten Scheiben im Moment en vogue. Auch in Österreich werden eure 80er Synth-Pop-Balladen immer wieder gern ins Laufwerk geschoben.

Joanne: Wir sind über die neuen "Human League"-Greates Hits Platten, die die Labels immer wieder rausbringen, nicht so glücklich. Auch wenn jemand "Human League" mag und sich zwischen einer Greatest Hits und unserem neuen Album entscheiden muß, wird er sich oft für erstere entscheiden. Weil er die Songs schon kennt.

.kohai: Schade eigentlich. Um mal kurz eine Parallele zur heutigen Popmusik zu ziehen. Was ist der Unterschied zwischen "Human League" und Britney Spears? Beide singen ja über Liebe.

Susan: Es gibt eigentlich nur zwei wirklich universelle Themen... Essen und Liebe. Essen muß jeder, und verlieben tut sich auch jeder.

Phil: Ich weiß heute nicht mehr, ob ich das auch sage, was ich fühle. Heute widerspreche ich so gut wie jedem Text, den ich in den 80ern geschrieben habe. Aber damals habe ich jedes Wort genauso gemeint. Genau wie heute. Auf dem neuen Album gibt es einige Texte, auf die ich sehr stolz bin. Da sind auch einige Scherze, die aber niemand verstehen wird. Heute muß ich härter an den Texten arbeiten, denn irgendwann Mitte der 80er hatte ich alles das, was ich unbedingt immer sagen wollte, gesagt. Aber ich verstehe heute, daß ich nichts mehr verstehe. In den 80ern habe ich geglaubt, zu verstehen, aber das war ein Irrtum. Die Welt ist sehr kompliziert.

Radioactiveman: Eine Frage, die mir auf der Zunge brennt. Dein Ausflug mit Herrn Moroder war ja nicht gerade von Erfolg gekrönt. Wie siehst du heute deine Zusammenarbeit mit ihm... Jahre später?

Phil: "Electric Dreams" habe ich noch nie besonders gemocht, das war einfach nicht der Giorgio Moroder, den ich mochte. Ich mochte seine Doppelalben, respektive seine Musik. Ich mag Terry Riley. 20 Minuten Nummern. Ich hätte gern mit Moroder eine längere Platte gemacht, aber dann ist er zum Superstar geworden, hat unglaublich viel Geld gescheffelt und hatte es nicht mehr nötig, sich mit jemandem wie mir abzugeben.

Radioactiveman: Ist Musik heute wegen der neuen technischen Möglichkeiten leichter zu machen als in den späten 70ern?

Phil: Die Konkurrenz ist härter. Es ist alles ganz stark reglementiert. Midi ist toll, wenn man 12 Töne will. Aber wir wollten auch immer die Zwischentöne. Wir haben unsere Drum-Spuren gemacht, als es noch keine Drum-Computer gab. Heute muß alles ganz exakt, ganz genau sein. Alles genau an seinem Platz, kein Chaos. Wenn deine Sachen heute nicht perfekt sind, hört sich es niemand mehr ein zweites Mal an. Was schade ist, weil einige der tiefsten Sachen muß man sich öfters anhören, um sie zu verstehen. Ich denke da zum Beispiel an "Joy Division".

.kohai: Ursprünglich wart ihr ja auch ein bißchen Science-Fiction...

Phil: Wir haben damit aufgehört, weil "Kraftwerk" damit angefangen haben. "Kraftwerk" waren am Anfang toll, vor allem "Trans Europa Express". Das Großartige daran war, daß jeder dachte, daß sie über Science Fiction schreiben würden, weil sie eine Synth-Band waren. Aber sie haben uns Neues über das moderne Europa erzählt, wie es dort ausschaut wußten wir in den 70ern in England ja nicht. Dann haben sie angefangen, doch über Roboter und Science Fiction zu schreiben. Also haben wir beschlossen, sie das machen zu lassen. Wir wollten lieber über unser Leben singen. Persönliches. Wir könnten heute "Human" wiederveröffentlichen und hätten einen Hit damit. Wer könnte das Remixen?

.kohai: Vielleicht könnte man ja einmal mit "Utah Saints" darüber sprechen.

Phil: Wir wollten mit "Utah Saints" an unserem neuen Album zusammenarbeiten, aber die hatten leider keine Zeit. Weil ihre Plattenfirma dagegen war.

.kohai: Zum Showcase heute? Alles Playback, oder was?

Joanne: Wir spielen Halb-Playback, mit zwei Musikern. Es ist nur ein kurzer Showcase von 5 Nummern, und niemand wollte, daß wir ganz live spielen.

Phil: Ich hasse Halb-Playback. Ich bin da sehr altmodisch. Wir wollten auch nie Tapes oder Sequenzer verwenden. Ich finde, wir hätten die ganze Tour gar nicht machen sollen. Aber dann hätte sie Steps allein gemacht.

.kohai: Ich danke euch für das sehr intime Gespräch und hoffe, daß ihr mit "Secrets" an alte Zeiten anschließen könnt.

Phil: Ich danke euch.

: related links :

www.thehumanleague.co.uk
www.e-werkk.com