: ming : disco charmante & obskurer trash

text: heike kaufmann

Das Duo hat seine Berechtigung, und die nicht nur, wenn es seine musikalische Eingliederung bereits vorgenommen hat. Denn in der weiten, unübersichtlichen elektronischen Landschaft haben ming einen Ort für sich gefunden und besetzt: B-électrique. Schließlich begann alles in Belgien. Und schließlich kommen sie von da.

Dass Ming mittlerweile in puncto Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad expandiert sind: selbstredend. Bekanntschaft mit ihnen macht nun mal große Freude. Raus aus dem Soundbrei! Rein in akustische Abenteuer! Immer schmackhaft dosiert, lehnt man sich auch niemals zu weit nach vorn. Frau und Mann bedienen Regler, drücken Tasten, drehen Knöpfe und singen – natürlich mal die eine, mal der andere, wie es sich gehört. Nicolas Deschuyteneer’s und Frédérique Franke’s Instrumentenrepertoire soll umfangreich und ungewöhnlich, ja fast dubios sein, heißt es da. Zwischen diversem elektr(on)ischen Werkzeug und Effektgeräten ist etwa die Rede von "Tongeneratoren aus Spielautomaten der frühen 80er" (Pressetext Doxa). Dass dem Low-Tech-Einfallsreichtum und -Erfindungsgeist allerdings ohnehin keine Grenzen gesetzt sind, wissen wir ja schon längst. Aber es lärmt dann halt nicht immer so stimmig, dennoch keck und originell, wie es das eben bei Ming tut.

Heraus kommt bei den Soundtüfteleien mit scheinbar experimentellem Charakter also etwas, was gemeinhin als Elektro-Pop durchgeht – allemal ein sehr dehnbarer Begriff, und trotzdem. Verspielte Ton-Delikatessen schäkern mit gleichmäßig ankurbelnden Beats, bringen diese aber nicht aus dem Konzept. Darüber werden durch nette, ansprechende Stimmen melodisch Storys skizziert. Und es taucht sofort Beiwerk wie Chanson, Chic, Charme auf. Na ja, es wird natürlich französisch gesungen, ist doch klar. Aber bitte nicht sofort Vergleiche zu Stereo Total ziehen! Trotz Disco Charmante und obskurem Trash.

Ein Missing-Link in deiner Plattensammlung? Dabei führen doch zahlreiche Wege zu Ming: Etwa über das Album "Miso Mix" aus 1999. Darauf folgt dann eine Neuerscheinung im September, und sie müsste die Hitlinie der soeben erschienenen EP "Interior Escalator" auch nur ungefähr beibehalten, um voll zu punkten. Umwege führen aber auch zum Ziel: So sind ming mit ihrem "Miso Mix"-Opener "après la guerre" auch auf dem von Fucky Laibel und Flittchen Records koproduzierten Sampler "Fucky don’t CD" vertreten, gemeinsam mit gehypten Elektronikstars wie dem Jeans Team, Console oder eben auch Stereo Total als The Visions. In prominenter Umgebung auch anderswo: Auf Kante’s EP "Im ersten Licht" (Interpretationen & Remixe) erfreut unter anderem nämlich Frédérique als eine Interpretin des gleichnamigen Songs. Und remixed wurden Ming natürlich selbst auch schon, die Ergebnisse gibt’s auf "Un Goût Exquis" zu hören, der EP mit dem allerliebsten Cover. Und neue Wege können sicherlich immer entdeckt werden.

Ming treten am 22. August (22.00 Uhr) live am Vorarlberger Poolbar Festival auf,
Ort: Pool,
Einlass 18.00 Uhr,
Tagespass 60.- ATS

: related links :

www.poolbar.at
www.doxa.de