: wilkommen im raumschiff monika! :

text: ernest meyer

Oh Gott, dachte ich, nicht schon wieder ein deutsche Elektro-Pop-Kompilation, doch als ich die Creditliste las, wurde mir langsam bewußt, was ich da unmöglich im Regal stehen lassen konnte.

Interpret. V.A. Titel: Raumschiff Monika, Label. M-Enterprises/Ixthuluh

Die Geschichte beginnt wie viele andere auch mit Gudrun Gut und ihrem Goldfisch. Gudrun Gut ist Gründerin des legendären Ocean Clubs in Berlin, mit Größen wie Blixa Bargeld und Thomas Fehlmann befreundet und brachte anno 1996 eine der schönsten Sommer-CDS überhaupt heraus, falls sich wer erinnert (Members of the Ocean Club / Intercord).

Nachdem ihr Goldfisch Selbstmord beging, gründet sie 1997 das Label "Monika Enterprises", eine "Homebase" für Ihre Musikfreunde, und huch! da gibt es in der Zwischenzeit schon an die 20 Veröffentlichungen. Bis nach Wien sind diese wie üblich nicht durchgedrungen, mit der vorliegenden CD wird der Bann endlich gebrochen, will sie auf ihren eigenen privaten Mikrokosmos aufmerksam machen, der sich durchaus hören lassen kann.

Zur Sache: Wir halten also eine CD namens "Raumschiff Monika" in Händen, das Cover zeigt ein Boot und Rätsel über Rätsel, wer, bitte, ist "Monika"? Im Booklet werden viele falsche Monikas gezeigt inklusive der Praktikantin, aber langsam dämmerts...
Der Goldfisch hieß Monika und es gibt sicher nicht viele, die ein Label nach ihrem verstorbenen Haustier benennen würden..

Weiters finden wir im Inneren des Booklets allerlei Wohnzimmer- und Krimskrams-Bilder, die – richtig geraten – mit dem Inhalt der CD nicht wirklich zu tun haben. Bestenfalls ein "mit der Seele in der Luft baumeln" Lebensgefühl symbolisieren, das aber allemal besser ist als aufgesetztes Schickimicki-Getue oder eindimensionale Plattitüden, wie sie von der Musik-Industrie gerne vorgegeben werden. Auf dem Raumschiff Monika jedoch wird Individualität ganz groß geschrieben, steht die Musik im Vordergrund und nicht irgendwelche Staffage.

Auf der Silberscheibe sind also fast ausschließlich Frauenstimmen zu hören, handelt es sich womöglich gar um eine Kompilation zusammengestellt aus Frauenmusik? Ist Berliner Elektropop von nun an gleichzusetzen mit Frauenmusik? Unsere Dialektik reicht hier bei weitem nicht aus und wir kehren zur Rezension zurück.

Das Schiff "Monika" war ursprünglich auch eine Clubbing Location, wo sich – wie schon früher – die Creme de la Creme der deutschen Independet Electronica die Klinke in die Hand gab. Es überrascht daher nicht, als Remixer so klingende Namen wie Console, Barbara Morgenstern oder Thomas Fehlmann zu finden. Seltsame "Reh-mixes" (sic!) von "Kaltes Glass Wasser" (Malaria) und dem urkomischen "Männer" von "Zigarettenrauchen" tragen dazu bei, daß nicht nur hierzulande völlig unbekannte Interpreten vorgestellt werden, was als Kaufargument sicher keine falsche Entscheidung darstellt.

Besonders hervorzuheben ist auch "Contriva"s völlig unaufdringliche Coverversion von Depeche Modes "The things you said". Braves, unschuldiges Gitarrenspiel kombiniert mit weiblichem Harmoniegesang, der entfernt an die "Rainbirds" erinnert, liegt das am Englisch?

Ein wirklich originelles Album voll Berliner "Indietronic", sehr eigenständig, extrem sympathisch und gar nicht langweilig. Besondere Empfehlung!

: related links :

http://www.m-enterprise.de/
http://www.oceanclub.de/
http://www.radioeins.de/sendungen/ocean_club_radio/