: nightwish : wenn das sandmännchen versagt
: einschlafen mit nightwish

text: benjamin sterbenz

Hoch aus dem Norden kommen sie her, mit wallendem Haar und lautem Getöse. Elche haben sie keine, rote Nasen von Zeit zu Zeit, wunderschönen Metal Sound dafür immer. Nightwish aus Finnland parkten ihren Schlitten neulich in Wien.

Überall wo sie auftreten gibt es ausverkaufte Häuser mit begeisterten Fans. Nightwish, vier Metaller mit einer Opernsängerin an der Spitze. Über ihre Musik braucht man nicht diskutieren, die ist sehr gut.

Dass gute Musik auf ihren CDs – Oceanborn und Wishmaster, um die bekanntesten zu nennen – nicht gleichzusetzen ist mit guten Konzerten, hat die Truppe aus Finnland kürzlich im Wiener Planet Music bewiesen.

Als Vorgruppen spielten zwei österreichische Bands, Visions of Atlantis und Edenbridge. Wobei sich im Nachhinein die Frage stellt, wie sinnvoll es war, insgesamt drei Bands mit ähnlichem Konzept - Metal und klassischer Gesang – gemeinsam auftreten zu lassen. Nightwish ist nicht umsonst unangefochtene Nummer Eins auf diesem Gebiet und ein direkter Vergleich an einem Abend kann für die Kollegen nur schlecht ausfallen. Ganz zu schweigen von der geringen Abwechslung im Programm.

Als dann der Main Act loslegte, war das Publikum schon hin und weg. Höchstwahrscheinlich hätte Nightwish Hansi Hinterseher covern können, der Begeisterung im Publikum hätte das keinen Abbruch getan.
Trotz vollem Haus, frenetischem Publikum und tollem, ausgewogenen Sound, war der Auftritt eher matt und statisch....und vor allem kurz. Etwas über eine Stunde dauerte das Gastspiel!
Die Bühnenshow beschränkte sich auf: Gitarrist Emppu tauscht Platz mit Bassist Sami. Schlagzeuger Jukka stand zweimal von seinem Hocker auf und trommelte im Stehen und Keyboarder Tuomas ließ ab und zu die Haare flattern. Einzig und alleine Sängerin Tarja sorgte im Latex-Kostüm für optische Reize. Die Performance auf der Bühne ist natürlich Geschmackssache jeder Band. In einem Punkt sind sich aber wohl alle einig: ohne Engagement und Soul bleibt jeder Gig eine triste Angelegenheit. Aber eben diese Begeisterung war Nightwish nicht anzumerken. Die Nummern wurden perfekt, aber lieb- und leblos gespielt.
Die Band musste nicht einmal das Publikum gewinnen, das war von Anfang an auf ihrer Seite. Aber sich dann auf diesem Vertrauensvorschuss gemütlich auszuruhen und ihn nicht recht zufertigen, ist hochnäsig und stillos.

Geschickt war die erste Zugabe gewählt: Walking in the Air. Eines ihrer bekanntesten und beliebtesten Lieder. Als zweite Nummer wurde vom Publikum Wishmaster gefordert und von der Band auch prompt geliefert. Das Publikum war begeistert und wanderte brav nach Hause.

Dass Nightwish auch anders können, haben sie voriges Jahr an ebendiesem Ort mit einem beherzten Auftritt bewiesen. Wäre man dieses Mal zu Hause geblieben und hätte die CD gehört, es hätte keinen Unterschied gemacht.

: related links :

http://www.nightwish.com/
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