: helge schneider : dadainspektorgadget? :

text: martin mühl

Helge Schneider
"Der Scheich mit der Hundehaarallergie – Kommissar Schneider flippt total aus."
(KiWi)

Mit seinem siebenten Buch veröffentlicht Helge Schneider den vierten Kriminalfall des Kommissar Schneider. Doch diesmal verweigert er uns nicht nur nicht nur einen gewissen Realismus, sondern eigentlich alles.


Eigentlich wurden die Werke dieses Mannes nie, ihren oberflächlichen Kriterien gerecht. Seine Filme, kann man nur sehr wohlwollend als solche bezeichnen und auch mit seinen Stücken, Liedern und Büchern ergeht es einem nicht anders. "Der Scheich mit der Hundehaarallergie" ist sein mittlerweile 6. Buch und hier ist ihm schlussendlich die totale Negation gelungen. Dieses Buch verneint alles, was Bücher sonst oft ausmacht, ausser seiner materialistischen Form und dem Inhalt aus Buchstaben und Sätzen.

Wie schon bei den 4 Kriminalbüchern zuvor ist die Hauptfigur des Buches der Herr Kommissar Schneider. Im weitesten Sinn ist wohl auch sein neuer Fall ein Kriminalfall, doch noch weniger als sonst wird die Aufklärung dieses Falls in irgendeiner Art und Weise behandelt. Es ist nicht einmal klar ob sie überhaupt in einer Buchrealität geschieht oder einfach überhaupt nicht. Ähnlich dem "Inspektor Gadget" stolpert der Kommissar durch etwas, das man wohl nur sehr wohlwollend als Handlung bezeichnen kann. Selten passiert etwas, noch seltener etwas von Bedeutung. Hin und wieder wird der Kommissar sauer und dann muss er jemanden zusammenschlagen und umbringen, oder irgendwelche Frauen werden so fickrig, dass "er die dann mal ordentlich durchpoppen" muss, aber eigentlich tut auch das nichts zur Sache.

Bei diesem Buch von Sprüngen in Raum/ Zeit/ Handlung zur sprechen, wäre vernommen, denn es existiert nichts von dem aus sie wegspringen. Keine Abfolge von Handlungen oder sonst irgendwas zusammenhängendes, ja, es existiert scheinbar nicht einmal eine Buchrealität. Die Form der Prosa bewahrt uns davor dieses Buch vollkommen ins DaDaistische einzuordnen. Doch vielleicht wäre das ja auch zu weit gegriffen.

Helge Schneider schreibt hier nicht nur einfach ein schlechtes Buch, das uns bei der Lektüre nahezu dazu zwingt uns vorzustellen, wie er uns die Geschichte vorliest. Ja, wie er jeden Satz eher sogar in dem Moment erfindet, in dem er ihn ausspricht. Nein, sondern er rebelliert gegen das Bücher schreiben und lesen in seiner herkömmlichen Form, wie er uns auch schon dazu gezwungen hat seine Musik und seine Hörspiele anders zu hören und seine Filme anders zu sehen/ hören. Er spielt mit unseren Erwartungen. Wer sich darauf einläßt, kann viel über sich und seine Lesegewohnheiten erfahren und wird 160 Seiten lang schmunzeln. Wer dazu nicht in der Lage ist, wird sich langweilen und dem Autor wohl zustimmen: "Ich kann ihnen dieses Buch nicht empfehlen." Ich schon.


Helge Schneider
"Der Scheich mit der Hundehaarallergie – Kommissar Schneider flippt total aus."
(Kiepenheuer & Witsch - KiWi)

: related links :

www.helge-schneider.de