: PROVOKANTE LEICHTIGKEIT :




Joe Satriani bewies im Planet Music, wie man Komposition, Soli, Botschaft und Mittelpunkt in Personalunion sein kann. Plus Sonnenbrille.

In einem Italo-Western wäre Joe Satriani wohl eine Art einsamer Held gewesen. Ein Mann, der die Regeln bestimmt, die Dinge allein in die Hand nimmt, Recht und Ordnung verkörpertund nur bedingt die Dienste anderer Leute benötigt.

Ein kühler Bursche, der wenig redet, an den grimmigen Burschen vor dem Saloon regungslos vorbeireitet und dafür umso rascher zieht, als der Sheriff erlaubt. In seinem richtigen Job agiert jener Mann, der als absoluter Kult-Gitarrist der Rockszene gilt, genau so: Er ist die Komposition, das Soli, die Botschaft, der Mittelpunkt. Er zieht die virtuosen Parts rascher aus dem Handgelenk, als es die Heerscharen des Miittelmaß goutieren. Im Hintergrund werkt eine vierköpfige Begleitband als Wasserträger des Stars. Jenes Konzept wirkte auch im ausverkauften Planet Music bestens. In einem auf zwei Sets geteilten Marathon-Gig demonstrierte Satriani seine Formel einer Verschmelzung von Flexibilität und Virtuosität: Mit uhrwerkartiger
Präzision und technischer Raffinesse wanderte der Amerikaner durch verschiedenste Stilrichtungen von Hardrock über Blues bis hin zu Fusion. Stets gekonnt garniert mit eingängigen Melodien, für die er besonderen
Instinkt besitzt. Auf Gesang müssen die Fans fast gänzlich verzichten, dafür legt der Hauptdarsteller mit jener ungemein coolen Sonnenbrille in seinen Soli ausführlich dar, warum er als Stichwortgeber für Legionen von
Gitarristen gehandelt wird. Mit fast provokanter Leichtigkeit bewältigte er die anspruchsvollsten Parts, als ob es sich um Aufwärmübungen handelt. Understatement ist nicht die Sache dieses Herrn – es würde ihm letztlich sowieso niemand abnehmen. Für Bodenhaftung sorgte die Band: Sie zimmerte eine kompakte Basis für ihren Chef und seine Höhenflüge.
Hier werken Könner, die ihr Talent dezent andeuten und im wahrsten Sinne des Wortes auf hintergründige Art das Niveau mitbestimmen. Das Publikum, das beileibe nicht nur aus staunenden Musikern bestand, war begeistert von einer opulenten Tour De Force, die zwar Längen aufwies, aber trotzdem nie Langeweile hervorrief. Zum Schluß hätte sich Satriani dann nur noch mit cooler Clint Eastwood-Mimik verabschieden müssen.

Christian Prenger




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Mehr Informationen unter www.stariani.com