: groamat 2000 – die bessere assoziation :

text: robert strayhammer

Richard von der Schulenburg singt das Lied vom Mond

Der kleine Ort Allentsteig im niederösterreichischen Waldviertel ruft bei den meisten männlichen Jugendlichen der Spezies (ehemaliger) Präsenzdiener eigentlich nur eine Assoziation hervor : der Truppenübungsplatz des österr. Bundesheeres. Das es seit einigen Jahren aber auch eine sinnvollere Assoziation zu diesem Ort gibt, dafür sorgen alljährlich Chris Rabl und seien Kollegen vom Kulturverein Avalon, die das gleichnamige Kulturzentrum betreiben. Nebenbei tritt man auch noch mit Leichtigkeit den Beweis an, dass die Gleichung Provinz = Fadesse nicht immer zutreffen muß, und dass man mit den richtigen Ideen und dem nötigen Engagement aus einem alten Dorfkino einen der herausragendsten Veranstaltungsorte Österreichs machen kann.
Vorzeigeveranstaltung des KV Avalon ist jedes Jahr, das Anfang September stattfindende GROAMAT Festival.
Der Erfolg dieses Festivals liegt zum einen schlicht und einfach an der Location und zum anderen am tollen Programm und dem aufwendigen Drumherum.
Das Avalon kann getrost als der kultigste Veranstaltungsort Österreichs bezeichnet werden, denn das Flair eines alten Kinos und die scheinbare Maxime der Veranstalter "Service is our successs" lassen keinen anderen Schluß zu oder wo sonst gibt’s freies Camping, acht freie Internetstationen, ein Chillout Matratzenlager mit ebenso kostenloser Übernachtungsmöglichkeit, flashige Video Animationen, Lagerfeuer-Romantik und brennende Regentonne sowie kulinarisches Allerlei ?
Das Line Up besticht jedes Jahr durch eine ausgewogen Mischung aus internationalen Acts à la Therapy?, New Model Army, Sportfreunde Stiller etc. und heimischen Formationen, von "Stars" wie Attwenger, Sofa Surfers, Naked Lunch bis zu eher unbekannteren wie etwa 99 oder nar malik etc.
Und was heuer von 8.bis 10. September in Allentsteig stattfand kann man getrost als Empfehlung für nächstes Jahr sehen.

Der Beginn gehörte wie immer dem österreichischen Nachwuchs, und The Base, Garish und Äbyss taten dass, was ihnen aufgetragen worden war, sie versuchten das Publikum in Stimmung zu bringen, was mitunter auch gelang.
Als Co-Headliner gaben sich am ersten Tag Heinz aus Wien die Ehre. Die FM4 Lieblinge hätten auf Nummer sicher gehen können und einfach aus ihren bisherigen 2 Alben schöpfen können, aber man entschloss sich zu einer, naja fast mutigen Setlist bei der einfach fünf neue Songs hintereinander präsentiert wurden , was beim Publikum zu teilweise reservierten Reaktionen führte.
Aber der veritable Hit "Wenn ich 18 bin" stimmte dann auch die kritischsten Zuschauer versöhnlich.
Respekt gilt es auch dafür zu zollen, die undankbare Rolle als Vorband des neben Tocotronic am hellsten Leuchtenden Stern am deutschen Indie Rock Himmel angenommen zu haben.

Die Sterne sorgten dann als Headliner für mehr als nur einen unvergeßlichen Augenblick. Im Gegensatz zu ihrem zu Recht kritisierten Auftritt beim FM4 Fest im Februar diesen Jahres schien die Band vor Spielfreude fast überzugehen und die Integration des neuen Keyboarders Richard von der Schulenburg kann man getrost als abgeschlossen betrachten.
Die Sterne spielten sich durch alle ihre Hits und boten sowohl Uralt-Songs wie "Mach die Tür zu es zieht" als auch einige neue Songs wie z.B. "St. Pauli Blues", die vom Publikum durchwegs positiv angenommen wurden.
Der absolute Höhepunkt des Sterne Sets war die Solo Nummer von Richard "Flieg' mit mir zum Mond" die mit energischem Applaus honoriert wurde.
Die Sterne sind also wieder in Höchstform, und so bleibt einem nur, sehnsüchtig auf das neue Album zu warten;

Gab es am ersten Tag noch so etwas wie musikalisch e Homogenität, so stand der zweite Tag voll im Zeichen musikalischer Eklektik.
Los gings mit popigen Indie Rock von Heiligenblut gefolgt von Bulbul, die mit ihrem Noise Rock à la Sonic Youth, angereichert mit Bläsern die sich bei der Erzeugung von Tönen nicht auf ihre Instrumente beschränken, zunächst für Erstaunen, aber mit Dauer des Konzertes zusehends für Begeisterung sorgten. Für viele waren sie die Gewinner des Abends.
Danach folgten die Kreuzberger Punks der Terrorgruppe, was auch den relativ hohen Anteil an Irokesen tragenden Zeitgenossen im Publikum erklärte. Wer auf Lieder mit Titeln wie etwa "Opi halt’s Maul" oder "(A)Sozialer Mißerfolg" steht hatte seinen Spass.
Anschließend kamen Liebhaber der härteren Abteilung ordentlich auf ihre Kosten.
Obwohl kaum eine Metal Band mehr auf irgendwelche Streicher Arrangements verzichten will, bilden Haggard da doch eine Ausnahme. Denn anstatt einfach mit irgendwelchen billigen Keyboardsounds herumzuwerkeln stellt man sich gleich als 16-köpfiges Mini-Orchester auf die Bühne und vollzieht die nicht selten gelungene Symbiose von klassischen Instrumenten und Todes Metall (oh doch das kann funktionieren). Wer sich von vordergründigem Pathos nicht abschrecken läßt, war durchaus gut bedient, allerdings sollte jemand dem Gitarristen einen Kurs "Posen für Profis" spendieren, denn der wandelte wirklich jenseits der Geschmacksgrenze.
Was aber dann folgte kann mit Stilbruch nur unzureichend beschrieben werden, denn Wipe Out traten auf und gegen alle Konventionen. Was "Mr. Extreme Body Performer" Didi Bruckmayer da mit seinen beiden musikalischen Mitstreitern bot, läßt sich selbst mit "extrem, avantgardistisch, innovativ, arg, provokativ, gaga, verrückt und noch mal extrem" nicht beschreiben. Der etwa halbstündige Ausfall irgendeines sounderzeugenden Gerätes nahm etwas die Spannung, sorgte aber bei vielen Zuschauern für eine mehr als notwendige Pause.
Selten war die Trennung in verstörte und enthusiasmierte Besucher so groß. Man sehe das als Erfolg!

Abseits des facettenreichen musikalischen Programms gab's tagsüber Lesungen und Kino für den Kopf ("Buena Vista Social Club" und Dogma’s "Idioten" und "Festen").

Das Groamat war zweifelsohne ein würdiger Abschluß dieses Festivalsommers, aber das Avalon bietet im Herbst noch einige weitere Veranstaltungen:

Fr 20. 10. Guano Apes
Sa 21. 10. Liquido +Milt

http://www.kv.avalon.at

Der Bericht vom vorigen Jahr