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unerwartet erlag günter brödl fünfundvierzigjährig einem herzversagen

text: Michael Koscher und Susanne Falk

"Gesprochen habe ich ihn das letzte Mal im Wr. Neustädter Stadttheater. Zum vierten Buch der Ostbahn Kurti-Krimi-Trilogie "Kopfschuss" mußte Brödl seinen Protagonisten auf der Lesereise begleiten. Schüchtern wie immer saß er im Foyer und gab still vor sich hinlächelnd Autogramme, während Willi Resetarits mit den Zuhörern Schmäh führte. Er selbst hatte sich bei der Lesung unter einem Riesen-Sombrero hinter einem Kaktus versteckt und schickte Kurti mit mir ins Hinterzimmer zum Interview."

Günter Brödl stellte sich immer in den Hintergrund. Er war der Mentor und Erfinder der Rock n’Roll-Ostbahn-Welt. Wo der Kurti anfing und der Willi Resetarits aufhörte, war zuletzt nicht mehr ganz klar. Daß allerdings der Sackerl-User Brödl den Ostbahn-Kurti in seiner Zeit als Musicbox-Redakteur 1979 mit dem Theaterstück "Wem gehört der Rock n’Roll" ins Leben rief, sich als Verbindungsmann zu Kurti bezeichnete und sogar Brücken besprühte ("Ostbahn-Kurti lebt!"), ist allein auf Günter Brödls Mist gewachsen; damals, als der Sänger der Schmetterlinge den Trainer noch nicht einmal kannte. Die Chefpartie, Ostbahns legendäre Band, die Situierung des Favorit’n’Blues, die Charaktere aus der Ostbahnwelt wie Josef Weinheber, der Wirt aus dem Café Rallye oder die Rosi aus dem gleichnamigen Espresso und viele andere - sie alle sind die geistigen Kinder des Günter Brödl.

1983 trifft er Willi Resetarits. Seitdem erfüllt Resetarits den öffentlichen Part des Ostbahn Kurti mit Leben, gibt ihm ein reales Ansehen auf der Bühne und später im literarischen Dasein als Detektiv wider Willen. Fünf Abenteuer um Mord und Totschlag hat der Trainer seinem Rock n’Roll-Ermittler aufgehalst: Blutrausch 95, Hitzschlag 96, Platzangst 97, Kopfschuss 99 und zuletzt Peep-Show 00. Ein weiterer Roman wird posthum erscheinen, genauso wie ein Reiseführer in die Rehpublik Österreich, ein Land, das ausschließlich von Rehen und Böcken bewohnt wird...
Der 1955 (22. März) in Wien geborene Günter Brödl veröffentlichte zahlreiche literarische Texte, darunter den Erzählband "Der kühle Kopf" 1975, "Click Clack. Wiener Rockstories" 1978, "Tempo City" sowie zwei Übertragungen der Asterix-Comics ins Wienerische - "Da grosse Grobn" und "Da Woasaga". Heuer startete sein Musical "Be-Bop A Lulatsch".
In der Nacht zum 10. Oktober verstarb der Rock n`Roll-Liebhaber, Autor und Musikkritiker Günter Brödl im Alter von nur 45 Jahren. Er hinterläßt seine Frau und zwei Kinder.