: backet auf, ihr zuckerbäcker! :

text: shorty

Der Unbekannte mit seiner (tele)visionellen Tat gab den Titel, die politischen Urstände in unserem Land den Anlaß. Die eigentlichen Frührentner DRAHDIWABERL wurden so an ihren tiefsten Wurzeln gepackt und damit gezwungen – noch einmal :-) - Plan B "Widerstand" in Kraft treten zu lassen. Martin Winkler und Shorty sehen dem Karies gelassen entgegen und verzichten auf schlanke Linie, denn ihre Mütter "woan a Weanarin".

Der Wiener Blutrausch war damals eine merkwürdige Erscheinung. Stark im alternativen Feld beheimatet – eben Echte 68er - versammelte er einige der besten jungen Talente der heimischen Szene. Aktionismus mit Avantgardeattitüde – ein loses Konstrukt mit starker Fluktuation der Notenwerker. Um einen solchen der anderen Art, Gymnasialprofessor Stefan Weber, formierte sich als einer der fidelsten Eckpfeiler DRAHDIWABERL. Exzellente Musiker (Vieweger, die Brüder Rabitsch, Jazz Gitti, Fian, Mikulicz und ein gewisser Johann Hölzel, von der Kommerzcombo "Spinning Wheel" kommend) und eine unglaubliche aktionistische Performance brachten ihnen schnell einen eingeschworenen Fankreis und die willkommene, entsetzte Gegnerschaft, zufälligerweise meist in der Gasse der Karikierten beheimatet. Nichts halt für "Krone" Lesende, die den Sonntagnachmittag im Schrebergarten als höchstes Gut betrachten, bis sie ihn in Richtung Zentralfriedhof verlassen. Hymnen wie "Supersheriff", "Berserker", "Psychoterror" oder "Ausgeflippter Lodenfreak" waren echte Szenehits…"Ganz Wien" deutete eine separate Karriere an.

    Zur Erläuterung: Shorty war im Spätherbst 1982 gerade mal ein Dutzendmal vor der Geburtstagstorte gestanden und witterte noch wenig Schlimmes im Leben neben "Du darfst nicht zur Schulparty im Studentenheim gehen,", obwohl es dort die besten Süßigkeiten aus unschuldiger Hand gab. Die Stones hatte er schon live gesehen...der vermeintliche Olymp des Rock. Ein Tip des vorbildhaften Nachbarn verschlug ihn zu einem Krampusfest der anderen Art. Die Aufforderung, eine Regenjacke mitzunehmen, hatte etwas Verwunderung erzeugt, da das Konzert in einer Halle stattfand. Aber wenns ein Älterer sagt… . Vor Ort hat sich dann die Weltsicht des Jünglings hurtig und radikal verändert. Leckere Burger flogen von der Bühne, Unmengen von Ketchup rechtfertigten die Überbekleidung und dort oben im grellen Licht fand das statt, was man auf den Parties so zaghaft anzutesten versuchte – nicht nur musikalischer Natur. Trotz dem puren Chaos war es Instrumentbedienung der Oberklasse. "So muß das im Alltag auch ein wenig abgehen können…vielleicht bisserl adaptiert." Die leider nicht mehr aufgelegte Doppel Live LP"..Wer hat hier Pfui geschrien.." ist würdiges Zeugnis einer Ausuferung mit Stil und Konzept.

    Passend dazu begab es sich, daß bald danach eine neue Scheibe ("Werwolfromantik") kam und einen Nr.1 Hit mit Lukas Resetarits abwarf - "Lonely" mit dem herrlichen Outro des Jägers mit den eigenen Liadln. Der "Plöschberger" war die kongeniale Partnerscheibe zu "Nie mehr Schule" und jedes Wort zu kennen State of the Art in der Klasse. Der schlagartig zum Kultstar avancierte Falco gab den Rap auf der fast funkigen Nachfolgesingle "Galeere" (..und die Ketten rasseln gut..) ….JA! Man hörte sie im Rundfunk und es war kein Problem, ein Liedchen auf der Party zu spielen.

Und hier sind wir in der Gegenwart. Alles ist anders. Die letzten Scheiben waren zu deftig um bei der Allgemeinheit halbwegs den Weg in die Gehörgänge zu finden. So kamen über die letzte Dekade nicht genügend junge Gefolgschaften hinzu. Der "Mulatschag" oder "Greif hier nicht her" griffen eben nicht mehr so ganz, waren aber letzte kommerzielle Höhepunkte vor über zehn Jahren.

Im Radio…gut, das hat sich sowieso anderwertig erledigt.

So gesehen ist "Torte statt Worte" ein Schritt zurück und zugleich nach vorne. Aus "Tour Tortur" – ein fulminantes Instrumental - wurde eine Tortentour. Die seit 1969 Aktiven bringen den Sound wieder akzentuierter und griffiger hin. Das Altmeister Rabitsch und "Depo 48" Duo Biebl / Brezina samt Balatoneser und Jesus Messerschmitt Schlagwerker Titus Vadon und Fredl Petz haben die Grätsche unerwartet gut hinbekommen – eine klare Steigerung. Rammstein sind nicht nur als Coverversion "Bück dich" zugegen, es wurde hörbar auch sonst der eine oder andere Kompressor mehr zugelegt. Wenn auch nicht die sägend-klaren Klangbilder samt Stakkatosterilität in der Gewalt über einen hereinbricht, man hat da schon merklich zugehört. Auf "L.M.A.O." (..ja, richtig) darf Biebl seine geliebten AC/DC aufleben lassen, trotzdem oder gerade deswegen eine der stärksten Nummern. "Liebe im Schnee" hat den Ötzi Touch - kurios, aber mit Ablaufdatum. "Bussibär" und "Berserker" bekommen ein 2000 dazu, fegen beachtlich und stimmig durch die Lautsprecher. Lecker und absolut Drahdiwaberllike steht der "Riot in Cellblock No.9" seinen Bock. Leider konnte die vielleicht beste Nummer – Hubsi Kramar‘s "Schulterschluß" – den Bedenkentest der Juristen nicht bestehen – zu sehr Explicit Lyrics.

Und die nächste Generation könnte sich schon um die Boring Old Farts mit der Triebfeder des Soziokulturellpolitikumanarchosubversivchaos Konzeptes bilden, Webers Sohnemann ist schon involviert.
Möge immerfort bei dudelnder Musik am sauberen Häusl der kalte Power von der Wand rinnen und ein Zungenkuß der kleinen, schlanken Maria dabei sein. Und niemals vergessen, die Mätressen könnten euch fressen!