: survival of the sexiest :
fatboy slim

text: lou pretterebner

Norman Cook aka Fatboy Slim hat mittlerweile das Erbe von The Prodigy angetreten. Und als zeitgeistiger Nachlaßverwalter Jim Morrisons und souliger Sample-Tandler macht er mit seinem neuen Album "Halfway Between The Gutter and The Stars" dezent eingesetzte Störgeräusche endgültig Dorfdisco-fähig.

Es wäre durchaus einmal interessant, eine ganze Nacht lang nur die Originale
durchzuhören, aus denen Norman Cook sich die Refrains und Melodien für seine Nummern heraussucht. Diese Nacht stünde zweifelsohne unter den Sternen Kitsch, Soul und Nostalgie. Ältere Semester würden vielleicht die eine oder andere Nummer aus Seventies-orientierten Soul-Clubs kennen. Aber einmal ehrlich, wer weiß schon, welche Dame etwa Cooks "Praise You" Leben einhaucht? Irgendwann ist ihr Name vielleicht einmal von einem ambitionierten Radiomoderator erwähnt worden. Und klar, die Sample-Credits geben ja zumeist auch Aufschluß. Aber um zu "Halfway Between The Gutter and The Stars" zurückzukommen, wer - außer ein paar DJs - kennt schon Wet Willie? Oder Stik-E & The Hoods? Oder The Reverend W. Leo Daniels? Oder Doug Lazy? Die tauchen nämlich unter anderen als Sample-Referenzen für "Halfway Between The Gutter and The Stars" auf.

Norman Cook, der die Welt vor Fatboy Slim schon unter Pseudonymen wie Pizzaman, Freakpower, The Mighty Dub Kats, Mr. Housemartin und Beats International erfreute, hat also durchaus einen aufklärerischen Ansatz. Und der beschränkt sich nicht allein darauf, die Evolution auf MTV zu etablieren. Cook revitalisiert Song(passagen)s, die sonst einfach nur der Vergessenheit anheimfallen würden. Er sucht sich das Beste heraus; ein paar melodiöse Phrasen, einen netten Refrain. Die Essenz als Basis für Neues. Ein durchaus darwinistischer Ansatz also. Survival Of The Sexiest gewissermaßen.
Klar, damit ist er nicht allein. Logisch, er fährt damit nicht schlecht. Eher im Gegenteil. Die Plattenfirma kann es sich leisten, "Halfway Between The Gutter and The Stars" ins Weihnachtsgeschäft zu werfen. Das Album tritt an gegen Radiohead, Limp Bizkit und Blur. Und es wird sich durchsetzen. Survival Of The Most Successful.
Für jemanden mit Talent, Gespür, garantierter Heavy (Club) Rotation, Connections und Soul - für Norman Cook also - eine scheinbar deppensichere Sache. Trotzdem ist es nicht allein Schema F, eine Jim Morrison-Passage ("Sunset (Bird Of Prey)") in zeitgeistig sphärische Ibiza-Sounds zu verpacken. Was auch immer es ist, alle elf Tracks haben ein Quäntchen Soul, der sie davor rettet, in plumpes Big Beat-Gestampfe oder plattes Effekt-Gesample abzugleiten. Bei manchen Nummern mögen das durchaus Macy Grays Guestvocals sein.

www.gutterandstars.com