: schwarzmetallische hochkultur : immortal

text: christian prenger

Zwischen rasender Emotionalität und klirrender Riff-Kälte -– Immortal zelebrierten in der Wiener Arena ihre hochwertige Interpretation des Black Metal.

Freitag, 8. Dezember. Während sich die Kaufkommandos bereits von den Strapazen
des vorweihnachtlichen Survival-Trainings in diversen Shoppingzonen erholten, öffnete der Underground all seine düsteren Pforten. In der Arena wartete ein extremer Abend, den Belphegor mit furiosem Death Metal starteten. Die Österreicher meisterten den Job souverän: Ihre druckvollen, brachialen Extremsongs kompensierten den matten Sound ebenso wie die hochstehende technische Leistung. Das Publikum reagierte auf die kompakte Vorstellung anerkennend. Wer es auch daheim richtig resch haben will, sollte das exzellente neue Album "Necrodaemon Terrorsathan" kaufen. Mit dieser Scheibe sollten die Herrschaften durchaus auch international abräumen können.

Primordial hinterließen anschließend mit ihrem Pagan Metal, einer Mixtur aus Black, Gothic und Folk einen etwas seltsamen Eindruck. Die irische Band, von manchen als Kultact gehandelt, produzierte unorganisch klingende, kraftlose Musik ohne Höhepunkte und Differenzierung. Dazu lieferte Sänger Alan Nemtheanga Averill bei cleanen Parts dissonante Einlagen, die wohl kaum beabsichtigt sein konnten. Dazu hatte er sich vorgenommen, die songwriterische Einöde durch exzentrisches Posing zu beleben: Mit theatralischer Gestik, angesiedelt zwischen "verträumter Melancholiker" und "durchgedrehter Prediger", versorgte er das Auditorium mit permanenten Schauspieleinlagen. Der Mann hat definitiv zu viel King Diamond gesehen. Bloß: Beim Diamantenkönig wirken diese Einlagen. Bei Averill wirken sie bestenfalls sehr aufgesetzt. Sehr vorsichtig ausgedrückt.

Die Headliner Immortal konnten dann nicht nur all diese Eindrücke sofort wegwischen. Zu Fanfarenklängen betrat das Trio die Bühne, um einen beeindruckenden Exkurs in Sachen schwarzmetallischer Hochkultur zu liefern. Die Norweger schleuderten den Fans all ihre Trademarks entgegen: Technisches Können, Dynamik, düstere Melodien und starke Arrangements. Erstklassige Musik irgendwo zwischen klirrender Kälte und rasender Emotionalität. Black Metal an der Schnittstelle von herrischer Raserei und groovigen Rockparts, mit großer Leidenschaft und energetischer Wucht zelebriert.

Erstaunlich, wie sich diese Gruppe entwickelt hat. Immortal sind heute meilenweit entfernt von den unsäglichen "me too"-Kapellen, die triste Alben mit Evil-Image verkaufen wollen. Ihr Sound ist eigenständig und authentisch, gekennzeichnet von überraschenden Einlagen, die anhaltende Spannung garantieren. Auch das Stage-Acting bewies ihre Professionalität: Trotz Corpsepaint verzichteten sie auf jegliches "Ich bin ja so böse"-Getue. Sänger/Gitarrist Abbath erwies sich als charismatischer, hingebungsvoller Frontmann – kongenial unterstützt von Bassist Iscariah. Drummer Horg wiederum hämmerte seine Blastbeat-Orgien mit einer uhrwerkartigen Präzision und dem Bewegungsradius von fünf Millimetern.

Ein überaus kompakter, mitreißender Gig einer Formation, die einen beachtlichen künstlerischen Reifungsprozeß durchgemacht hat. Ihre Roots enthüllten jene Skandinavier auch noch: "Enter The Eternal Fire” erklang als Huldigung an Schwedens BM-Pioniere Bathory. In der heutigen Szene sind jedoch sie es, die unaufhaltsam nach der Black Metal-Krone greifen.


: related links :

www.immortal.nu
www.hammerheart.com/primordial
www.blackmetal.at/Bands/Belphegor/info.html


: listen to :

immortal: "at the heart of winter"
belphegor: "necrodaemon terrorsathan"
primordial: ”spirit the earth aflame”