: meinrad jungblut : wenn, dann auf dem sonnendeck

text: pamela russmann

Wenn ich nicht hier bin, bin ich aufm Sonnendeck." Dieser charmante Refrain, untermalt von einer lieblichen Melodie, verklebt seit dem Sommer viele Gehörgänge. Komponist, Interpret und Instrumentalist dieser Hymne ist kein geringerer als Meinrad Jungblut. Noch nie von ihm gehört? Keine Angst. Ihr habt nichts verpasst. Dieser Mann steht gerade am Beginn seiner Karriere. Seine erste EP "Sechs Lieder" ist seit Wochen ausverkauft und er selbst schwieriger ausfindig zu machen als die Katze der Clintons. Pamela Rußmann hat´s geschafft.

Meinrad Jungblut ist vorbereitet aufs Showbusiness. Während ich noch meineAufnahmekabel entwirre, breiten Meinrad und sein persönlicher Freund und Betreuer großzügig den Inhalt der roten Proviantkiste auf dem Tisch vor uns aus: Käsebrötchen, Äpfel, Bananen, Schokokekse, Kuchen und Früchtetee. Wenn man jemanden überhaupt nicht kennt und den Brückenschlag finden muss vom Small Talk zum Inhalt, interessiert einen erst mal das Alter des Gegenüber. Und auch da erweist sich Meinrad Jungblut als Profi: es bleibt nämlich ein Geheimnis, sein wahres Alter. Meine Schätzung beläuft sich auf 25 Jahre, damit ist der blonde Sonnenschein zufrieden und die Zahl wird ins Protokoll aufgenommen.

Sonnenscheins Mama war es, die den Grundstein zur Musikerlaufbahn gelegt hat. Die bestand nämlich darauf, dass Klein-Meinrad Cello lernt. Und so hat er den, wie er sagt, langen, qualvollen Marsch durch die Institutionen der musikalischen Früherziehung über sich ergehen lassen. "Ich hab Cello gelernt nach der Suzuki-Methode, benannt nach einem Japaner. Das ist das Prinzip, dass man Kinder egal, wie klein sie sind, an ein Instrument hängt und dass sie irgendwie Musik machen sollen, ohne Noten, ohne das mathematische Prinzip, einfach nach Gehör. Da gibt es dann so abgefahrene Ereignisse, wo tausend 4jährige kleine Japaner mit Miniatur-Geigen auf Bühnen stehen und "Morgen kommt der Weihnachtsmann" spielen. Nach Gehör!"

Nach der Suzuki-Methode musiziert Meinrad auch heute noch teilweise: er liebt es, sich Instrumente zu kaufen und sie sich selbst beizubringen. Mittlerweile gleicht seine Kölner Wohnung mit den verständnisvollen Nachbarn einer Musikalienhandlung: einige Gitarren, E-Pianos und sogar eine Sitar sind zu Familienmitgliedern geworden. Wobei das Instrument aus Indien eine ganz besondere Geschichte erzählen kann: "Ich war mal in Indien. In Neu Delhi lief ich an einem Shop vorbei mit diesen Sitars, und da waren Fotos von den Beatles, wie sie in dem Laden sitzen und Sitar spielen und kaufen. Danach bin ich nur mehr durch Indien gelatscht und habe nach Sitars geforscht. Ich hab mir am Ganges eine gekauft. Und mit dem Riesenkasten, der aussieht wie eine Atombombe, mit diesem Kasten bin ich noch wochenlang auf Rikschas und anderen Gefährten durch Indien gefahren. Ich hab vor Dorfgemeinschaften Hullahoopvorführungen gemacht und Sitar gespielt und die Leute dort fanden das immer sehr amüsant." Meinrad lacht. "Vielleicht war das aber alles überhaupt nicht so."

Da merkt man schon Meinrads Talent zum Geschichten erzählen: die Phantasie schlägt Purzelbäume und vielleicht war ja alles ganz anders, aber es klingt gut. So lassen sich auch seine Texte interpretieren, die er problemlos und im Gegensatz zu dogmatischen Kollegen gar nicht verkopft mit elektronischer Musik kombiniert. "Ich find die Spex super. Ich find´s toll, wenn man Sachen liest, die man eigentlich gar nicht versteht. Aber dieser Superdiskurs, der da gemacht wird, ich weiß oft gar nicht, worüber die reden."

Wie dann der spätere Abend beim Hausmusikfestival Anfang November in München gezeigt hat, entpuppt sich Meinrad live eher als Singer/Songwriter denn als Protagonist der Kölner Elektro-Szene. Seine Songs betitelt er zum Beispiel so: "Wolf im Fuzzipelz", "Frauen mit Meerblick" oder "Lied gegen die Schwerkraft". Meine erste Assoziation zu Meinrads derzeit ausverkaufter 6-Track-EP war: der Mann klingt wie der adoleszente Sohn von Andreas Dorau
und Tocotronic. "Ich kenne eigentlich gar nichts von Andreas Dorau, nur den "Fred vom
Jupiter". Aber es stimmt, meine Musik ist sehr leise. Ich mag das gar nicht, wenn man aus dem Raum rausgeblasen wird, weil die Musik so laut ist, weil da grad jemand so richtig abrockt."

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