: roni Size / reprazent : back In The Mode

text: robert strayhammer

1997 brachte der Full Cycle Posse rund um Roni Size den prestigeträchtigen Mercury Music Prize für das Album "New Forms" ihres Projektes Reprazent. Da "New Forms" ausserdem als das bislang meistverkaufte Album der Drum’n’Bass–Geschichte gilt, wäre es vielleicht klug gewesen das Unternehmen Reprazent sofort in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Denn die Aussichtslosigkeit den erfolgreichen Vorgänger zu toppen war mehr als evident. Trotzdem: Der Winter 2000 beschert uns ein neues Reprazent-Album. Und "In The Mode" wäre, hätte es den Vorgänger nie gegeben, zu ähnlichen Höchstleistungen fähig.

Aber erst mal der Reihen nach. Im Anschluß an die musikalische Sozialisation durch die Bristoler Soundsystems in den mittleren 80ern begann Roni Size sich am Ende dieser Dekade mit House und Reggae auseinanderzusetzen. Zu Beginn der 90er gründete Size mit den ebenfalls aus Bristol stammenden DJ’s Krust, Suv und Die das Full Cycle – Label, das fortan die, nun am frühen D’n’B orientierten Werke, veröffentlichte, und mit dem 95er Sampler Music Box ein markantes Zeichen in der damaligen Szene setzte, das im alles überstrahlenden Licht von Goldie’s Timeless aber ein wenig unterging. Talkin‘ Loud – Labelchef Gilles Peterson erkannte die Zeichen der Zeit, zumal die Acid Jazz – Welle schon deutlich abebbte, und nahm das um MC Dynamite und Sängerin Onallee erweiterte Kollektiv unter Vertrag und bewies damit einmal mehr ein goldenes Händchen.
Das Reprazent Debütalbum New Forms ließ die Kritiker zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen, was sich ungefähr so anhört: "...it’s as essential as your bread, milk an TV remote control" (Blues and Soul – magazine) und die Leute in Scharen die Plattenläden stürmen, was das Album zum meistverkauften D’n’B-Output ever machte. Dieses Album brachte die schon etwas abgeflachte Euphorie wieder ordentlich in Schwung, sorgte über Genregrenzen hinweg für Aufsehen und legte die Latte für die gesamte Szene in atmosphärische Höhe.
Das BreakBeat-Kollektiv war sich seiner Lage bewußt und so absolvierte man erst eine Reihe von Live Auftritten, bei denen man bewies, dass Reprazent kein reines Studioprojekt war sondern auch ein hervorragender Live-Act, der veranschaulichte, dass Drum’n’Bass auch auf Konzertbühnen funktionieren kann.
Die einzelnen Mitglieder befaßten sich wieder stärker mit ihren Solokarrieren was zum Beispiel bei Krust mit "Coded Language" äußerst erfolgreiche Früchte trug. Roni Size selbst arbeitete verstärkt als Produzent und Remixer, und schließlich waren Size, Krust, Suv und Die ja auch noch als DJ’s begehrt.
Bevor man sich dann wieder mit dem Projekt Reprazent beschäftigte, gab es noch eine Veröffentlichung unter dem Namen Breakbeat Era (der auf gleichnamigen Song vom 95er Music Box Sampler zurückreicht) "Ultra Obscene", bei der aber nur Roni Size und DJ Die sowie die Sängerin Leonie Laws beteiligt waren.
Dann im heurigen Spätsommer wurden die ersten Vorabpromos an die Radiosender verschickt; es handelte sich um die erste Singleauskoppelung "Who Told You", die eine, von Reprazent bisher nicht gewohnte Düsternis und Härte ausstrahlte. Anfang Oktober erschien dann schließlich "In The Mode". Die Kritik war davon durchwegs begeistert, es wurde aber auch nicht an, zumindest vorsichtiger, Kritik gespart.

Was also bietet das Album, auf das die Drum’n’Bass Community seit langem wartet?

Reprazent erfinden den D’n’B mit ihrem zweiten Album nicht neu (haben sie auch mit dem ersten nicht getan), aber sie bringen in wie keine anderen auf den Punkt, streichen Entwicklungsmöglichkeiten hervor, komprimieren bisher qualitativ hochwertiges und setzen Trennungsschnitte dort wo sie notwendig sind. Die Singleauskoppelung "Who Told You" mag vielleicht nicht stellvertretend für das gesamte Album sein, sie zeigt aber doch deutlich, dass das gesamte Album eher härter und dunkler geworden ist. Reprazent versuchen den D’n’B ein wenig von seiner Einbahnstraße abzubringen und ihn anderen Stilen gegenüber zu öffnen, was sich in der Präsenz der Gastvocalisten manifestiert. Wu-Tang-Member Method Man, Rahzel von The Roots und schließlich Zack De La Rocha (der mit seinem Ausstieg jetzt die gesamte RATM-Anhängerschaft in die Verzweiflung stürzt) drücken den Beats von Reprazent ihren typischen Stempel auf, ohne jedoch einfach drüberzufahren. Die Jazz Anleihen sind fast völlig verschwunden, MC Dynamite hat wesentlich mehr zu tun als auf dem Vorgänger und der Sound entfernt sich ein bißchen vom Mainstream um mehr in den Untergrund abzutauchen.
"In The Mode" ist in gewisser Wiese zugänglicher als "New Forms", trotzdem besteht die Gefahr, dass es im allgemeinen 2Step-Hype untergeht. Drum’n’Bass könnte einmal mehr auf seinen Ruf als Kopfmusik reduziert werden und aus den Klubs verdrängt werden. Bis dahin bleiben wir, um mit Rahzel’s Worten zu sprechen "in tune with the sound"

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