: the hunter and the game :
Exotismus & Service auf dem Spielefest 2000

text: thomas weber + christian einzinger

Vom 24. bis zum 26. November findet im Wiener Austria Center das 16. Österreichische Spielefest (www.spielefest.at) statt. Besuchern stehen neben unzähligen Neuheiten auf dem Spielesektor alle Klassiker der letztem Jahre (etwa "Die Siedler von Catan" und "Tikal") zum Ausprobieren zur Verfügung. Erstmals werden auch Seminare für angehende Spieleautoren, Game-Designer und Spielekritiker angeboten.

Der heurige Trend hat sich die letzten Jahre bereits angekündigt und scheint irgendwie logisch. Nahezu alle namhaften Hersteller setzen bei Brett-, Wirtschafts- und Strategiespielen auf in früheren Jahrhunderten angesiedelte Szenarien. Stichwort: Mittelalter, Absolutismus, Renaissance. Abgesehen von für die Spieleverlage wirtschaftlich notwendigen "Star Wars"-Spielen und einer Ausnahmen ("Robo-Rallye") wäre es wohl auch etwas anachronistisch und wenig Erfolg versprechend, in Zeiten der Playstation 2 Science-Fiction-Brettspiele heraus zu bringen.
Mehr als 5000 verschiedene Spiele werden die Aussteller heuer auf dem Spielefest präsentieren. Ein Aufgebot, das selbst Spiele-Insider unausweichlich der Reizüberflutung aussetzt. Zur Orientierung deshalb einige ausgewählte wellbuilt-Tips:

"La Citta": Jeder Spieler verwaltet eine oder mehrere Städtchen im Italien der Renaissance. Wie die meisten Strategiespiele wird "La Citta" erst beim zweiten Mal Spielen so wirklich interessant. Schließlich geht es auch darum, Zuwanderer aus Nachbar-Städten abzuziehen. Mit Nahrung geben sich die jedoch nicht zufrieden – der Ausbau des Bildungssektors, des kulturellen Angebots und der medizinischen Versorgung wird zum alles entscheidenden Faktor.
Positiv hervorzuheben sind eindeutig die liebevoll gestaltete Aufmachung des Spielbretts und aller Figuren. Auch die Bezeichnung der Spielphasen ("Stimme des Volkes", "Bürgernähe") zeigtn, daß "La Citta" alles andere als ein phantasielos am Fließband erfundenes Massen-Produkt ist. Nicht zuletzt kommt das Spiel vollkommen ohne Würfel aus – der Zufallsfaktor ist somit nahezu nicht existent.
Im Gegensatz zu vergleichbaren Spielen gibt es keine spielerischen Leerläufe - jeder Spieler bleibt ständig ins Spielgeschehen involviert. Langeweile kommt nie auf. Einziger Wermutstropfen bleibt, daß es trotz der komplexen, aber leicht verständlichen Regelgestaltung nahezu unmöglich ist, eine längerfristige Strategie zu entwickeln. Letztendlich bleibt "La Citta" jedoch ein wirklich faszinierendes Spiel, daß ob seiner überaus flexiblen Spielfeldgestaltung auch nach mehrmaligem Spielen nichts an seinem Reiz verliert.
Gewissermaßen eine gelungene Mischung aus "Die Siedler von Catan" und dem PC-Game "Sim City". Geheimtip!

"Kardinal und König": Wie der Name bereits vermuten läßt, führt dieses Spiel in eine Zeit der Machtkämpfe zwischen geistlicher und weltlicher Machtapparate. Das Ziel des Spiels ist folglich der Ausbau bzw. die Verteidigung der eigenen Macht: Wer seine Klöster am geschicktesten platziert und mit seinen Räten die taktisch gefinkelsten Bündnisse eingeht, wird am Ende als Sieger hervorgehen.

"Carolus Magnus": Durchaus vergleichbar mit "Kardinal und König". Diesmal schickt Karl der Große seine Getreuen aus, um Burgen bauen und Pfalzen ausbauen zu lassen.

"Ohne Furcht und Adel": Hier wird auch die Fantasy-Fraktion berücksichtigt. Magier, Diebe und Meuchler bereichern das klassische Figuren-Inventar. Keiner der Spieler weiß, welcher Spieler gerade welche Rolle übernommen hat. Sonst geht es darum, Gold zu horten und prachtvolle Gebäude aufzubauen.

Spielefest 2000, 24. Bis 26. November, jeweils 9 bis 19 Uhr, Austria Center Vienna

Details unter www.spielefest.at