: thin lizzy :
quasi in memoriam? ohne phil ist`s nun mal nicht ganz der thrill

text: shorty + martin winkler

".Hey baby meet me, i’m a tough guy. Got my sichel outside, said you wonna try? .She rolled them big eyes, said: Sure i’d do anything for you, coz you’re a rocker! That’s right! I‘m a rocker.." Auf Konserve und Live darf noch einmal der sanfte Schnauzer in sein. Auch Martin Winkler und Shorty lassen den Rasierschaum in der Tube.

"One night only" (SPV / Edel)
"Killers on the loose again – A Tribute" (Axe Killer / Edel)
- out now und sind es wert gehört zu werden.

Die Night only findet in Österreich trotzdem satte 4x statt:
31.10 Altes Hallenbad, Feldkirch
17.11 Planet Music, Wien
18.11 Posthof, Linz
19.11 Rockhouse, Salzburg

15/8 Saint Fintan’s Cemetery, Sutton Country, Dublin, Ireland. Das ist die Postadresse des ewig 34 bleibenden Mannes, der all das hier vor wortwörtlich Ewigkeiten ausgelöst hat. Einer, der dem Totenschein nach an Herzversagen gestorben ist. Eigentlich eine Überdosis Heroin. Aber ganz eigentlich ist er an seinem Lifestyle verendet, ja ausgemergelt wie ein Hammerhai in der Sahara. Den finalen Schritt hatte er schon am Weihnachtstag 1985 gesetzt. Bewußtlos in seiner edlen Hütte aufgefunden, hat er es dann noch bis zum 4.1 1986 geschafft, innerlich sicherlich zu Neujahr noch einmal ein bombastisches Feuerwerk abgelassen und es mächtig jucken lassen.

Zu diesem Zeitpunkt war es aber auch gar nicht mehr so lustig im Leben des PHIL LYNOTT .1982 war John Sykes für Snowy White gekommen und "Thunder & Lightning" war erstaunlicherweise das beste TL Album seit langem.. seit "Black Rose" kam man auch wieder in die Charts. Obwohl eigentlich keine Band mehr zusammenarbeitete, war nochmals was Großes unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt kostete es 500.000 Pfund pro Jahr Thin Lizzy am laufen zu halten. Riesig viel, Duran Duran kamen gerade mal auf ein Fünftel und waren aber ungleich erfolgreicher. Die Band, die Lynott legendär gemacht hat, war im September 1983 ohne große Worte auseinandergegangen. Auf einem Flughafen in Deutschland hatte man sich zum Ende der Tour, die eigentlich nur 3 Monate dauern sollte und dann über Jahr brauchte, nochmals nett besoffen und flog in alle Himmelsrichtungen. Seine Frau hatte ihn mit den Kindern verlassen und auch sonst waren kaum Leute geblieben. Lynott machte bald eine neue Band auf. "Grand Slam" kamen bei den Kritikern ganz gut an und waren auch live fein.. wenn sie als klassische H Band nicht gerade wieder ganz woanders waren, wie zu oft. Obwohl der mächtige TL Manager alle Hebel in Bewegung setzte, mit einem sichtlich gegen Ende Gehenden, wollte niemand einen Kontrakt machen. Irgendwie schaffte man trotzdem noch was, in den Tagen seines Todes lief "19" sogar auf Sky. Eine endlose Fahrt auf dem schwarzen Bike in einem Parkhaus. Richtung endless sleep, Klasse 2b.
Der stolze Ire hatte soviele Lunten gelegt, der Kult mußte kommen…

Mal abgesehen davon, daß der Name "Thin Lizzy" nun John Sykes (..der Mann, der bei Whitesnake gehen musste, weil Coverdale keinen zweiten Schönen in der Band verkraftete) und seinen Konsorten gehört...
Nicht schlecht Burschen, aber das ist Shakin Stevens gegen Elvis. Nicht daß Shaky nichts kann, aber wenn es einmal ein Meister definiert hat, dann ist das ein Original mit Zertifikat. Und da kommt man naturgemäß schwer drüber. Auch wenn echte Members zu Werke sind. Dafür bekommt man Lust, zum Regal zu gehen und zum eigentlichen Produkt zu greifen. Dort findet man den klarerweise Jahre zurück liegenden Sound, aber dafür mit dem Oberfeel-Faktor. Der heißt Phil Lynott und war der glückliche Fall eines Schnittpunktes zwischen einem klassischen Heavypimps und einem untypisch sensitiv agierenden Rückgrates. Dort, wo andere Balladeure den Treibschmalztod erleiden, konnte er mit seinem wahren Herzschmelz den glaubhaften Erlöser geben ("Eire", "Sarah", "This is a song for while i’m away"). Genauso kontroversiell waren die hymnischen Uptempo-Killerriff-Epen, absurderweise von einem Bassisten geschrieben, mit den Chord-Gitarren klassische Blueprints für den Plastikrock der 80er.

Um diesem Spirit live wieder Leben einzuhauchen, versammelt Sykes nun zwei Ehemalige (Scott Gorham & Darren Wharton) und ebensoviele Nunmalige (der leckerschmecker Marco Mendoza & Aldridge), schlüpft in die Rolle des Meisters, breitbeiniger Stand auf den Monitoren inklusive Gumminaht im Schritt. Das ist die eigenartige Originalshow, die aber mehr als Best of Live rüberkommt. 1a gespielt und absolut nichts falsch gemacht.. fehlt nur ER. Außerdem haben die Eisernen mit der Doppel LP"Life / Live" schon damals eine der best - eingefangenen Bühnenstimmungen – Luft zum schneiden schoaf - fabriziert. Legendär, als Gorham, Robertson, Moore, Bell und Sykes sich es abwechselnd und mächtig besorgen. Zuvor war auch schon "Live & Dangerous" ein Eckpfeiler von kultiger Show.
Sykes, neben Wylde der wohl beste 6-Saiten Heuler und Sirenen Handwerker, hat zwar dazwischen mit dem Blue Murder Debut (bitte, die 2te vergess‘ ma) auch solo was Amtliches gemacht, der absolute Spotlight blieb ihm aber verwehrt. Also hatte er anscheinend auch grad nix besseres vor und außerdem wurde er natürlich dazu überredet. .mit Geld.

"Tribute"-Alben kommen ähnlich daher wie Tourneen obiger Art. Egal ob Zeitvertreib oder Geld die Ursache sind, in beiden Fällen kommt man zum selben Schluß, der da wohl nur lauten kann: "Leute, vergesst die Wurzeln nicht!" Dieser recht ehrbare Ansatz ist wahrscheinlich Rechtfertigung genug. In diesem Fall versucht sich eine ganze Batterie an renommierten Musikern (kein Unterschied zu anderen Tributes, trotzdem erstaunlich gute Leute – Neil Murray, Bernie Shaw, Phil Campell, Paul Di´Anno) an einer quasi best-of Auswahl aus dem Lizzy - Backkatalog. Keine Version schafft es allerdings, die Vorgabe zu toppen (wieder kein Unterschied zu anderen Tributes), aber wer hofft wirklich auf eine "Aufwertung"? "Sarah" hat echten Herzschmelz, wenn man das im mp3-Player auf der Straße hat, kann man nur hoffen, daß keine Grazie um die Ecke biegt...man müßte sich der Verliebtheit schlicht ergeben. Gefühlsecht wie London, die. "Dancing in the moonlight" kanns auch, in jedem Fall 1000x mehr als die aktuelle Pseudohitversion von Toploader (nix Spitze, das). Die Die-Hard-Lizzy-Fraktion wird auf jeden Fall Freude daran haben, schließlich steht am Cover Thin Lizzy und ein Killerriff ist ein solches und bleibt es auch . Für jene, die an dieser Rock-Institution schnuppern wollen, sei in beiden Fällen abgeraten, da es eine bessere Einstiegsdroge gibt, nämlich das Original.