: bran van 3000 : 17 Tracks und 8 Fragen :

text: michael bela kurz

Mit Ernsthaftigkeit arbeiten und dabei Spaß haben. Platten verkaufen und Wahrhaft bleiben. Den göttlichen Curtis Mayfield nochmals in voller Pracht erklingen lassen. Manchen gelingt es. Erstaunlich. Shorty freuts.

Was hat dich überhaupt dazu gebracht, Musiker werden zu wollen?

JDS: Ich betrachte mich bis heute nicht als Musiker. Ich vergleiche meine Arbeit eher mit der eines Filmemachers oder DJs. Die Arbeitsweise ist ähnlich. Klar, es gibt Drehbücher und Planungen am Set, aber all das ist eher abstrakt, und dann geht es darum, diesen Raum, oder dieses Bild, mit Atmosphäre zu füllen.

Bei Bran Van 3000 handelte es sich ja bei "Glee" eher um ein "Projekt". Hat sich die Situation mit "Discosis" geändert?

JDS: Ja, ich glaube, "Projekt" ist schon eine sehr schlaue Umschreibung. Irgendjemand meinte neulich: "Ihr habt euch früher mal als ´Kollektiv´ beschrieben, ich glaube aber, die richtige Beschreibung wäre eher ´work in progress´ gewesen." Also ja, beim neuen Album haben wir uns beschränkt, "back to the basics" sozusagen.

Sind denn die Leute, die damals beim ersten Album dabei waren auch auf dem neuen Album mit am Start?

JDS: Ja, alle sind irgendwo, dabei. Wirklich alle. Allerdings weiß ich noch nicht, wie es dann live aussehen soll. Bei "Glee"-Tour war es so, dass wir diese kleine Platte genommen und dann versucht haben, sie live in eine Las Vegas-Parliamant-Punkrock-Electronic-Show zu verwandeln. Diesmal wird es wieder etwas ganz anderes werden. Im Moment fahr ich gerade schwerstens auf Prog-Rock ab, wobei ich nicht so sehr die Musik meine, sondern ehre die Idee, die dahinter steckte. Ich weiß, das hört sich komisch an. Wenn du dich in meinem Hotelzimmer umschaust, wirst du Massen von Comicbüchern und anderem Zeugs entdecken.

Welche Bezugspunkte und welches Zielvorgaben gab es, als ihr mit der Arbeit an "Discosis" anfingt?

JDS: Ich glaube, es war Björk, die einmal sagte, dass die Arbeit an der zweiten Platte eigentlich der Versuch ist, die erste Platte richtig zu beenden. Ich glaube schon, dass es dieser Reflex war. Gewissermaßen der Versuch, das Mix-Tape machen, das ich schon immer machen wollte, aber dabei auch wirklich tief in die Welt meiner Helden einzutauchen. Der Begriff Worldbeat z.B. hat einen echt schlechten Beigeschmack. Bei Techno war es ähnlich, viele Leute hörten üble, billige Tanzmusik im Glauben, dass wäre Techno, und schon hatte dieser einen schlechten Ruf weg. Oder nimm den Blues, der wird mit irgendwelchen Werbespots für Bier assoziiert, und schon hat auch der echte Blues einen schlechten Ruf. Ich habe erst in den letzten Jahren meine Liebe für Musik aus Afrika, Pakistan oder auch Indien entdeckt. Und dann habe ich mir gedacht: "Mal sehen, ob sich das irgendwie mit meiner Liebe für Burt Bacharrach und für Beats vereinen lässt!"

Eek-A-Mouse, Big Daddy Kane, Youssou N´Dour, Curtis Mayfield sind alle zu den Top-Leuten ihrem jeweiligen Genre. Hast du dich vorher hingesetzt und eine Wunschliste aufgeschrieben?

JDS: Ja, ich hatte so was wie eine Wunschliste. Es fing alles mit "Astounded" an. Als die Sache mit Curtis Mayfield klappte, dachte ich mir "Wow, wenn Curtis Mayfiled mit mir arbeitet, wie wäre es dann z.B. mit Eek-A-Mouse? Was, das klappt auch? Wie wäre es dann, wenn ich den mit Momus zusammenbringe?" Bei Youssou war es so, dass er, auf Grund der traditionellen Verbindungen zwischen Frankreich und dem Senegal, häufig nach Montreal kommt. Da ist er irgendwie auf unsere Platte gestoßen, und hat dann mich angerufen. Aber Curtis hat sicher die Türen geöffnet für diese Art "Mix-Tape"-Platte.

Wie ist das denn dann abgelaufen, hast du den Leute Tapes mit deinen Entwürfen geschickt?

JDS: Na ja, die guten Menschen bei Grand Royal haben mir sehr geholfen. Wenn du bei deinen Anfragen Grand Royal und die Beasties erwähnst, dann rufen dich die Leute meist auch zurück. Die Beasties sind für mich so etwas wie die amerikanische Version der Pistols. Sie haben einer gewissen Art von Pop-Verständnis die Türen geöffnet. So wie etwa Madonna auf einer Größeren Ebene Türen geöffnet hat, haben sie es – nicht unbedingt nur für die Subkultur – sondern für Leute getan, die einen etwas gewagteren Pop-Spirit. Vor allem für Leute wie mich, die mit den Beasties aufgewachsen sind.

Gibt es denn noch andere Musiker/Künstler, die auf deiner Wunschliste stehen?

JDS: Ja, ich liebe Tom Waits, und ich liebe Leonhard Cohen. Es gibt so viele Musiker, die ich mag. Wir waren vorhin gerade bei Hard Wax (Plattenladen in Berlin). Ich liebe all diese Minimal Techno- Typen aus Deutschland, die Sachen von Compact, Leute wie Meyer, Burger, Schaffhäuser und Richie Hawtin.

Die meisten Leute kenn euer neues Album ja noch nicht. Kannst du mal aus deiner Sicht sagen, was sie auf "Discosis" erwartet?

JDS: Nun, es gibt weniger Lo-Fi, weniger Seitenstraßen. Dafür passiert mehr innerhalb der Songs. Und es geht ganz klar in Richtung Pop. Ich glaube, das entspricht auch ein wenig dem momentanen Zeitgeist, viele Leute sind in diesem Jahr mehr in die Pop-Richtung gegangen. Das Album ist auf jeden Fall mehr Songwriting-orientiert, subtiler und verspielter. Es gibt keinen Masterplan, abgesehen von der Botschaft, den die Gäste auf der Platte schon seit Ewigkeiten verkünden: "Liebe, und Musik, die von Herzen kommt".

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