: GEORGE HARRISON (1943-2001)
: all things must pass :

text: andreas probst

Der Beatles Intimus und Produzent so bahnbrechender Alben wie Revolver oder Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band George Martin mußte keine prophetischen Fähigkeiten besitzen, als er Ende Juli 2001 mit den Worten "George Harrison wird nicht mehr lange zu leben haben" den Tod des schwerkranken Ex-Beatles ankündigt. "Er hat einen unbezwingbaren Willen – aber er weiß, daß er bald sterben wird und er akzeptiert das." Zu schwerwiegend waren die körperlichen Belastungen denen der introvertierte Gitarrist seit der Operation wegen Kehlkopfkrebses 1998 ausgeliefert ist. Die Messerattacke von 1999 scheint den Lebenswillen erneut in Frage zu stellen, so daß die Operation wegen eines aufgetretenen Lungenkrebses im Mai 2001 und die notwendig gewordene Strahlentherapie wegen eines Gehirntumors im Juli zu viel für die angegriffene Gesundheit des Künstlers sind. George Harrison stirbt in der Nacht des 21. November 2001 im Kreise seiner engsten Angehörigen.

Der Sohn eines Busfahrers wird am 25.2.1943 in Liverpool geboren. Als 13jähriger bekommt er seine erste Gitarre und am Liverpool Institute lernt er ein Jahr später Paul McCartney kennen, der ihn seinerseits 1958 mit John Lennon zusammenbringt. Der spielt bei den Quarrymen, ist von Harrisons Gitarrenspiel so begeistert, daß eine Zusammenarbeit beschlossen wird. Aus den Quarrymen entwickeln sich über Johnny & The Moondogs und den Silver Beatles schließlich die Beatles. Mit Beginn der Beatlemania um 1962/63 tritt der ruhige zurückhaltende George als solider Rhythmusgitarrist hinter Lennon und McCartney ins zweite Glied zurück. Doch schon auf den ersten Beatle-Alben macht er durch Eigenkompositionen auf sich aufmerksam. So schreibt der melancholische Beatle mit "Don´t Bother Me" 1963 seinen ersten Song für die Gruppe. Mit "I Need You" und "You Like Me Too Much" für das Album Help (1965) und "Think For Yourself" und "If I Needed Someone" für Rubber Soul aus dem gleichen Jahr, stellt Harrison schon früh seine Songschreiberqualitäten unter Beweis. In diesem wichtigen Jahr macht er auch die Bekanntschaft mit dem indischen Sitar Spieler Ravi Shankar. Als erster Popmusiker lernt Harrison auf diesem Instrument zu spielen und beeinflußt so den Sound der Gruppe. Mehrere Aufenthalte in Indien vertiefen sein Interesse an östlicher Philosophie, was die Affinität zum Hinduistischen Glauben, die bis zu seinem Tode aufrecht bleibt zur Folge hat.

Das erste Soloalbum Wonderwall Music (1968) bringt durchwegs positive Kritiken und findet im Trennungsjahr der Beatles 1970 mit All Things Must Pass und dem No.1 Hit "My Sweet Lord" noch eine Steigerung. Harrison wendet sich nun karitativen Tätigkeiten zu und ist 1971 Co-Organisator des Concert For Bangla Desh, dessen Erlöse Hungeropfern zufließen. 1974 wird das Schallplattenlabel Dark Horse gegründet und die gleichnamige Platte auf der ersten US-Tour nach Trennung der Beatles vorgestellt. Die Scheidung von seiner Frau Pattie Boyd überwunden, kauft Harrison im darauffolgenden Jahr 1978 die Filmproduktionsfirma Handmade Films. In diesem neuen Aufgabenbereich werden mit der britischen Komiker-Truppe Monty Python Filme wie "Das Leben des Brian" und "Time Bandits", zu dem er auch die Titelmusik schreibt, produziert. Die Geburt des Sohnes Dhani, die Hochzeit mit seiner Sekretärin Olivia Arias und die Autobiographie "I Me Mine" sind Hihglights der Jahre bis 1980. Nach verschiedenen Gastauftritten und Studioalben beginnt im August 1988 mit der Gründung der Traveling Wilburys ein neuer Abschnitt in Harrisons Leben. Mitglieder einer der wenigen funktionierenden Supergruppen sind: Jeff Lynne (ELO), Bob Dylan, Tom Petty und Roy Orbison (gest. 6.12.1988).

Wieder im Studio, arbeitet Harrison 1989 für Tom Petty, Eric Clapton und Jeff Lynne und schreibt den Song "Cheer Down" für den Soundtrack des Kinoerfolgs "Lethal Weapon 2 (Brennpunkt L.A.). 1991 entsteht in Zusammenarbeit mit Ringo Starr, Dave Edmunds, Paul Simon und Eric Clapton der Sampler Far East Man, eine Compilation aus bisher unveröffentlichtem Material. Clapton ist es auch, der den Freund im Dezember, 17 Jahre nach dessen letztem offiziellen Konzert zu einem Bühnencomeback überredet. Daraus entsteht die in Osaka aufgezeichnete LP Live In Japan. Ein technisch brillantes Album mit nostalgischen Anklängen aus dem Beatles Fundus. In diesen Bereich fällt auch 1995 die Veröffentlichung von "Free As A Bird" mit den verbliebenen zwei Beatles.

1997 wird erstmals bekannt daß sich George ein Geschwulst entfernen ließ. 1998 wird er nach jahrelangem starken Zigarettenkonsum wegen Kehlkopfkrebs operiert. Ende 1999 überlebt er schwerverletzt ein Messerattentat in seinem Haus, Henly on Thames in London. Im Mai 2001 wird er wegen Lungenkrebs operiert und wenig später im Juli sucht er eine Schweizer Spezialklinik auf um sich einer Strahlentherapie wegen eines Gehirntumors zu unterziehen. Hier schließt sich der Kreis zum Statement George Martins, dessen Prophezeiung nun am 29.11.2001 zur traurigen Wahrheit wird.
Mit George Harrison stirbt ein Mensch, der durch sein positives Denken der Popmusik unvergängliche Impulse eingehaucht hat, der durch sein menschenfreundliches Lebenswerk Anerkennung und Freunde in aller Welt gewinnen durfte und dessen Seele nicht zuletzt in den spirituellen Lehren des Hinduismus Unsterblichkeit erlangt hat.

Discographie Auszug:

1968 Wonderwall Music
1970 All Thing Must Pass
1971 Concert For Bangla Desh
1974 Dark Horse
1981 Somewhere In England
1987 Cloud Nine
1988 Traveling Wilburys
1992 Live In Japan

: related links :

www.allthingsmustpass.com
www.beatlesagain.com