: saxon : die trotzigkeit der urahnen :

text: christian prenger

Aus der Reihe ”Unerklärliche Phänomene” live aus dem Planet Music: Die erstaunliche Resistenz einer britischen Band namens Saxon gegen alle Trend-Viren, Zeitgeisterscheinungen und Pensionsauforderungen.

Besucher von Heavy-Konzerten mit Bands, die als Relikte der Szene gelten, kennen drei Fragen nervender Außenstehender mit geringer Besuchsfrequenz ganz genau: 1) Was, die gibt´s noch immer? 2) Sind die nicht schon total Scheisse? 3) Warum schaust Du Dir das rockende Pensionistenheim überhaupt noch an? Zu Punkt 1) Ja. Zu Punkt 2: Die meisten sind nicht einmal mehr Scheisse, sondern nur noch surreal. Zu Punkt 3): Masochismus, Job, Langeweile - oder einfach nur gute Musik.

Keine Frage: Diese ekelhafte Reunion-Schwemme mit ihrer lächerlichen kreativen Substanzlosigkeit hat alle guten traditionellen Bands gleich mit in Verruf gebracht. Denn es gibt tatsächlich noch Formationen, die schon seit Jahrzehnten fröhlich geigen, Peinlichkeiten aus dem Weg gehen, glaubwürdig wirken und untadelige Leistungen abliefern. Sie stürmen nicht mehr vorne weg, sind aber einfach grundsolide. Ich gestehe: Sie sind selten und unter der 5 Prozent-Marke. Eine von ihnen heißt Saxon.

Damit zur Spezifizierung von Punkt 3: In diesem Falle die Musik (sonst meide ich Veteranen-Gigs zum Schutz meiner psychischen Gesundheit, der Mix aus rührseligen Altfans und matter Instant-Kost ist nur schlimm). Im Planet Music ließen Saxon erst gar nicht den Gedanken aufkommen, daß hier eine Oldie-Partie für den Ruhestand sammeln könnte. Was einerseits an der regelmäßigen Blutauffrischung durch junge Musiker liegt, andererseits an der handwerklich gekonnten und vital inszenierten Show. Heavy-Kultur ohne barocke Schnörksel, geradlinig und mit vollem Einsatz gespielt. Dabei bleibt die Kontinuität zur New Wave Of British Heavy Metal gewahrt (Saxon sind Pioniere jener geschichtsträchtigen Musik-Revolution), ohne jedoch in eine museale Erstarrung abzugleiten.

Nicht zuletzt deshalb, weil die Band um Sänger Biff Byford im Gegensatz zu genügend Kollegen geschickte Markenpflege betreibt: Der Kern bleibt erhalten, das Erscheinungsbild wird vorsichtig, aber effizient mit kernigen Riffs oder anderen Energiepartikelchen modernisiert. Das Ergebnis ist ein kompakter Teamsound mit starken Songs wie ”Dogs Of War” oder ”Killing Ground”. So behauptet man dann seinen Platz im Business, wenn sich andere längst wundern, warum ihnen niemand mehr ihren bis zum Umkippen reproduzierten, völlig abgenutzen Schrott abkaufen möchte.

En Indiz für den Spirit, der immer noch bei Saxon herrscht: Ein Cover von ”Court Of The Crimson King”, jenem Meisterwerk der Prog-Urväter King Crimson. Eigenwillig interpretiert, kreativ dramatisiert und sicher von niemandem erwartet. Dieses Stück kann als Prototyp der Trotzigkeit von Urahnen gelten, die allen Zweiflern und Pensionsaufforderungen mit dem nächsten Streich begegnen. Überflüssig war eigentlich bloß das Drumsolo des ansonsten sehr guten Fritz Randow – solche Rituale haben ihren Reiz verloren. Der Rest war abwechslungsreiches Metal-Entertainment, abgerundet durch launische Ansagen des Biff Byford. Sie sahen einen Live-Beitrag aus der Reihe ”Unerklärliche Phänomene”.

Aktuelles Album: ”Killing Ground”

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