: helloween / rage : live

text: mr .blackwell

Zwei gute Gründe, (nicht) ins Planet Music zu einem brachialen Rock-Konzert zu gehen...
 
Helloween und Rage zeigen uns, was deutsche Härte wirklich heisst .....das Trio um Peavey Wagner darf den Abend eröffnen, und nach wenigen Momenten ist klar, was da auf das Auditorium zukommt. Power-Metal nennt sich das wahrscheinlich, eine Melange aus viel Double-Bass und Snare-Schlägen mit einem Anlauf, der hinter dem Kopf des Schlagzeugers beginnt, dazu viel leer gespielte E-Saiten von Bass und Gitarre, gespickt mit unzähligen licks, fills und riffs, und das alles natürlich sehr schnell, aber nicht zu sehr, weil sonst wärs ja Speed-Metal!! Gitarrist Victor Smolski ist so etwas wie der Bixente Lizarazu dieses Teams, sowohl optisch als auch spieltechnisch - stets wieselflink an der Flanke, ab und zu Doppelpass mit dem Brutalo-Drummer Mike Terrana oder eben Peavey Wagner, aber unterm Strich sehr viele Noten, und zum grossen Entsetzen darf er auch zu einem ECHTEN Solo, also von niemandem begleitet, ansetzen. Wozu war das nötig? Ein Pausenfüller? Wollte Peavey Wagner schnell ein paar Wurstsemmel essen oder Terrana mal eben seinen Waschbrett-Bauch trainieren?? NICHTGRUND. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Nach dem Tapping-Gefuddel kommen die beiden anderen zurück und es gibts ein paar Songs...... und dann beginnt Terrana mit frisch gestähltem Oberkörper zu trommeln, aber leider begleitet ihn niemand .......NICHTGRUND (ich sehe das natürlich als Wiederholungsfehler, weil Solo ist eben Solo, und nicht als zweiten Nichtgrund). Somit vergeben Rage die Chance, dem Publikum Songs aus ihrem neuen, durchaus hörenswerten Album "Soundchaser" vorzustellen. Selbst schuld!
 
Umbaupause, HELLOWEEN
 
Obwohl auch Rage ordentlich beklatscht wurden, stellt sich nach den ersten Tönen des Haupt-Acts sofort heraus, warum der Planet Music doch sehr gut gefüllt war. Helloween, zuletzt 1994 in Wien (da war auch ihr Sänger Andi Deris unsicher), haben aus irgendeinem Grund ohne viel Zutun die Sympathien auf ihrer Seite. Ihre Songs sind oft sehr schnell (schneller als die von Rage, also SPEED-Metal) und besitzen da und dort Kinderliedcharakter, was ihnen schon vor Jahren den genialen Stempel HAPPY-Metal eingebracht hat. Sind deshalb so viele junge Menschen gekommen? Wie sind die an Helloween geraten? Hat Ozzy in irgendeiner Episode seiner Familiensendung eine von seinem Hund angepisste Helloween CD mit einem H&M-Fetzen abgewischt oder gar in die Kamera gehalten? Das wäre genau der Grund, warum diese Sendung GUT für die Rockmusik-Szene ist, werte Herrschaften! Seht das doch endlich ein! Ozzy, quasi der "godfather of heavy-metal", mobilisiert die Massen und bringt unsere Jugend auf den richtigen Pfad und füllt damit unsere Clubs ....genial! Ob dies der österreichischen Musikanimations-Sendung Nr. 1, "Starmania", gelingen wird, bezweifle ich allerdings stark. Glaubt ihr, dass irgendjemand wegen den charismatischen Voting-Heinzis/innen ein Andi Baum - Konzert besucht oder den Bedarf danach weckt? Time will tell! Helloween kennen da wohl die Antwort, stammen sie doch aus einer Zeit, wo eine Band nach der Veröffentlichung eines neuen Werkes SOFORT auf Tour geschickt wurde, ohne zunächst abzuwarten, wie sich der Neuling verkauft. Diese Routine, und natürlich auch die von Helloween gebotene Qualität, hat die Band dorthin manövriert, wo sie heute steht. Nicht empfänglich für Trends oder Sounds und somit unabhängig von jeglicher Maschinerie hat man sich freigespielt, ohne jemals von der Bildfläche verschwunden gewesen zu sein. Respekt!
 
Sowohl die performance von Rage als auch von Helloween sind GRUND (x2), auf ein Rockkonzert zu gehen. Testosterongeplagte, verschwitzte und rücksichtslose Konzertbesucher sind es nicht ......

: related links :

www.helloween.org
www.rage-on.de