: sophie ellis-bextor: indierock am äquator der discokugel :

text: michael bela kurz

Das stilsichere Fräuleinwunder des britischen Dancepop bringt mit „Shoot From The Hip“ die Bestätigung ihres Erstlings und uns die Antworten.

Da sitzt sie nun, der unerwartete Star des letzten Jahres. Die unwirkliche Schönheit aus den Videos strahlt auch in Fleisch und Blut, nur kleiner, zierlicher... realer. Ganz ihrem Plan entsprechend: Bigger than life sein, sich aber nicht vollends dahinter verstecken oder gar verschwinden. Auch erblondet weiß sie um das Spiel mit den Augen und die kurzen Seufzer zwischen den Worten, die als Luftholen passend getarnt sind. Und wenn es noch so routiniert erscheint, dem war nicht immer so.

Als sich ihre Indie-Band The Audience trotz Plattenvertrag nicht mehr zusammenraufen konnte, hatte sie mit 20 auch schon mit ihrer Karriere im Musicbiz abgeschlossen. Ihre Mutter war in den 80ern als Präsentatorin auf der BBC und da wäre eine Türe offen gewesen. Doch schon als Kind hatte sie sich nie in den Studios (Film als auch Musik) wohl gefühlt - keine Jobalternative also. Ernsthaft dagegen begann unser Sopherl ein Buch zu schreiben und auch die Modelwelt begann sie dank ihrem perfekt zu fotografierenden Gesicht in ihre Fänge zu schließen. Da kam aus dem Nichts ein Licht names Cristiano Spiller, ein Dj zwar nur. Doch auch einen potentiellen Hit auf Lager. "Groovejet (If This Ain't Love)" war anno 2001 dann auch ein echter Sommerhit und die verführerische Stimme in aller Ohren. Polydor, manchmal doch noch eine intelligente Plattenfirma, sicherte sich das Gesicht samt den Stimmbändern und setzte sie mit einigen der besten Producer zusammen. Trotz des ungeliebten Cher-Covers „Take Me Home“ als Starter kam spätestens mit „Murder On A Dancefloor“ samt perfekten Personalityvideo der Durchbruch jenseits der sechstelligen Verkaufszahlen.

Das derzeit ungeschriebene Gesetz, daß auf jedem britischen Hitalbum mindestens zwei Songs von Gregg Alexander (ehemaliger Kopf der „New Radicals“ und laut Beatlesmacher George Martin ein Genie) sein müssen wurde befolgt und funkte. So auch auf dem neuen Schuß gen die Charts. „Shoot from the Hip“ kommt mit deutlichen 80er Anleihen, Potential und einer Latte von guten Songs daher und kann wieder mit einer stattliche Liste von helfenden Händen aufwarten. Zusammenarbeit ebenso mit den Songwritern Bernard Butler, Alex James und Rob Davis. Andy Cato und Matt Rowe produzierten das knappe Teil (nur 10 Tracks) ihrem Ruf entsprechend. Dazu durfte auch noch ihr Managder und nach sechs Jahren Ex Andy Boyd (35) allseits Hand anlegen. Was mittlerweile in den Stunden abseits ein gewisser 0815 Richard Jones - 24-jähriger Sessionmusiker – übernommen, glaubt man der allwissenden Britpress. Und die lobt auch schon die nächste Single (“I Won`t Change You“) als garantierten Neujahreshit.
Die selbst in Klavier und Gitarre Bewanderte hat sich auch beste Vorbilder zu Gehör genommen und sich was abgehört: Prince, David Bowie, Blondie, Elvis Costello, Squeeze, Goldfrapp, Turin Brakes, den Streets und sehr viel Human League in der letzten Zeit. Löblich! Man wird wieder von ihr hören und auch nicht wegschauen.


Hat „Shoot from the Hip“ hat den Charakter eines Tagebuches?
Weniger, denke ich. Obwohl die Texte mitunter schon ziemlich persönlich sind. "Shoot" setzt da an, wo "Read My Lips" aufgehört hat. Es ist vielleicht etwas reifer als sein Vorgänger und fesselnder, weil sich meine Stimme etwas gewandelt hat. Mag sein, dass es dadurch an Stellen auch eigenwilliger klingt. Aber ich will nicht sagen, dass es das bessere Album ist. Es ist einfach die nächste Stufe für mich. Und ich bin zufrieden.

Was denkst du über die Castingshows? Wäre das ein Weg für dich gewesen?
Alle meine liebsten Künstler wie Goldfrapp, P.J. Harvey, David Bowie oder Debbie Harry hätten dort keine Chance gehabt. Und ich schon gar nicht. Sänger, die im Tv bestehen haben noch nicht das Ticket für die Realität. Ich hatte zum Beispiel eigentlich nur Glück am richtigen Platz zu sein.

Du sagtest einmal, daß du gerne eine Kunstfigur mit einem speziellen Charakter im Stile der 30er-50er fürs Heute sein möchtest.
Ja, absolut! Die besten Künstler arbeiten alle auch an einem Image, das größer als das wahre Leben ist. Ich sage jetzt wieder Bowie. Und da orientiere ich mich immer gerne.

Siehst Du dich dabei als Opfer der Mode?
Nein, gar nicht. Ich bin mehr an Style interessiert, Mode finde ich schon fast schon sarkastisch wenn ich sehe was Leute sich da so überwerfen. Es geht doch mehr um das Zusammenspiel deines Wesens mit der Kleidung und ob du dich darin auch bewegen kannst. Ich mag aber auch die Idee, aus mir so eine Art Cartoonfigur zu machen.

Auf Deinem neuen Album sind wieder einige Kollaborationen.
Ich bin ein massiver Blur-Fan, also war es ein Traum mit Alex James zu arbeiten. Ebenso der begnadete, ehemalige Suede Bernhard Butler war einfach unglaublich im Studio...
Klingt alles sehr nach Britpop...
Ja. Das war meine erste, echte musikalische Liebe. Musik war zwar schon vorher wichtig,aber als die Welle kam, das war „meine“ Zeit. Rock ist für mich immer noch die treibende Kraft, auch wenn man das nicht unbedingt gleich bei meinen Sachen hört.

Live wohl eher dann, oder?
Sicher! Ich spiele mit einer Vier-Mann-Band und habe keine Tänzerinnen. Das ist ehrlich. Erst wenn ich wirklich dauernd in den großen Stadien spielen würde müsste ich mir mal was ausdenken. Aber eigentlich ist es so die beste Formation um richtig abzurocken.

Woher kommen die stylischen Synthiesounds auf „Shoot“?
Neben all den Begabten auf meinem Album habe ich da noch meinen Joker: Damian leGassick. Er kommt aus dem Stall von William Orbit und kann ganz hervorragend diese Mischung aus heutigen und 80er Sounds schaffen. Auch bei den Streichern ist er ein Meister!

Wie beschreibst Du Deine Musik?
Definitly Pop, das ist es, worum es geht. Kultivierter Pop.

Deine Definition des Pop?
Pop ist eine Aufrechnung der kleinen Facetten, die das Leben ausmachen. Man versucht das menschliche Sein zu kommunizieren.

Weihnachten kommt bald. Deine Pläne?
Ich komme gerade vom Einkaufen. Es wird viel. Es wird wohl wieder ein großes Xmasdinner mit meiner Mutter werden. Wir haben an die 20 Leute am Tisch und es wird gevöllert ohne Ende. Und Getrunken.


5 fav links by Sophie Ellis-Bextor

www.sophieellisbextor.net
- Ich gehe gerne tatsächlich selbst da rein und beantworte die Fragen meiner Fans. Das machen nicht viele Künstler so.

www.ebay.com
- Dort kann ich Stunden verbringen und alles mögliche ersteigern. Einfach mal der Fantasie wieder freien Lauf lassen.

www.officeholdings.co.uk
- Die haben genau die Schuhe, die ich will. Einfach und schnell und funky.

www.net-a-porter.com
- Ich habe keinen Stylisten, aber dort finde ich doch immer wieder das richtige Teil in gutem Stil.

www.vogue.co.uk
- Dort gibt es die Unterwäsche, dich ich will. Das braucht keine Erklärung, denke ich.