: victory : ehrlich währt länger

text: mr .blackwell

"Wenn der Mensch anfängt, Kultur zu missachten, dann missachtet er auch die Menschen ......"

Fargopeter Knorn, Bassist und Gründungsmitglied einer sehr wichtigen deutschen Rockband, zieht im Gespräch vollends vom Leder. VICTORY heisst die Band, und sie kommt wie die Scorpions aus Hannover.

Es war 1984, als sich der Schlagzeuger der Scorpions (damals Hermann Rarebell) einer aufstrebenden Gruppe namens Fargo in Form einer Finanzierung (Geld fürs Studio) angenommen hat. Alles, was danach passierte, ging nicht nur äusserst schnell, sondern auch sehr erfolgreich über die internationalen Bühnen. Fargo wurden nach Amerika "verfrachtet", die Studio-Aufnahmen bekam der damals mit Wunderfingern ausgestattete Produzent Michael Wagener (Metallica, Dokken .....) in die Hände, ruckzuck wurde der Bandname auf VICTORY geändert und eine mehrjährige Platte/Tour/Platte/Tour Prozedur begann.
Victory spielten Show um Show und wurden neben den Scorpions die zweitwichtigste Rockband aus der BRD. Knorn sieht die damaligen Geschehnisse mit einem gewissen Abstand, meint er doch "..... jeder wollte damals von uns, dass wir spielen, jede Zweigstelle unserer Plattenfirma wollte Gigs von uns, und wir haben uns darauf eingelassen, weil wir von der Musik gelebt haben ......heute würden wir das wohl nicht mehr machen. Schon allein deshalb, weil jeder von uns zumindest ein zweites berufliches Standbein hat ......"
 
Dieses Schema wurde einige Jahre durchgezogen, dann war Ende. Der Sänger, Charlie Huhn, ging zurück nach Amerika und der Rest der Band zerstreute sich völlig. Knorn sieht da schon auch einen Zusammenhang mit der Entwicklung der Rockmusik Anfang der 90er Jahre. Das, wofür VICTORY standen, "ehrliche" Rockmusik ohne Brimbamborium, war plötzlich durch Bands wie Nirvana oder den Stone Temple Pilots ein Wenig aus der Mode (in die Jahre???) gekommen. "Die waren komplett anders drauf als wir, vor allem optisch. Die Kleidung zerfetzt oder durchlöchert, die Haare ins Gesicht und möglichst destruktiv, und mit einem starken Hang zu Drogen ......" Tja, da hat er teilweise sicherlich Recht! Aber abgesehen von dieser Entwicklung brach der Kontakt zwischen den VICTORY-Musikern völlig auseinander. Ausser sporadischen Telephonaten war ab 1996 nicht mehr viel ....bis dann anfang dieses Jahrtausends so quasi im Kleinen die Frage auftauchte, ob es die Band VICTORY eigentlich noch gibt. 
Den Mitgliedern der Original Line-Ups war es in der Zwischenzeit gelungen, sich von jeglichem finanziellen Druck freizuspielen und der Option, gemeinsam wieder etwas auf die Beine zu stellen, was sich in der Vergangenheit ja bereits bestens bewährt hat, durchaus nicht abgeneigt.  Und der Rest war Formsache. Die beiden Gitarristen, Tommy Newton (wird allen Helloween-Fans der ersten Stunde ein Begriff sein - Keeper of the Seven Keys Pt. I) und Herman Frank, hatten einiges an Material in jahrelanger Studiokleinarbeit angesammelt, Fritz Randow, der (Saxon-)Schlagzeuger, war auch gleich an den Sticks und Herr Fargopeter ließ sich auch nicht lange bitten. Das Ergebnis ist eine ordentliche Rockplatte in ordentlicher, moderner Metal-Manier, ausgestattet mit einer ordentlichen Portion RockandRoll. Wer die Scorpions aus den Augen verloren hat und nicht weiß, ob es in Österreich eine Rockband gibt, kann ja mit dieser Platte einen Neustart versuchen. Keine Angst, es gibt keine ordinären Texte oder IndustrieSound-Germurkse .......

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www.victory-music.com.