Tod und Do-It-Yourself beim Heurigen - Martin Amanshausers neues Büchlein: "In der Todesstunde von Alfons Alfred Schmidt" ::..

text: thomas weber


Schade eigentlich, daß es den Brauch lieben Bekannten Ansichtskarten vom Heurigen zu schicken, niemals gegeben hat. Das mag einerseits daran liegen, daß die lieben Bekannten sowieso mit dem potentiellen Schreiber saufen gehen; und andererseits wohl auch daran, daß nach den ersten paar Spritzern die Orthographie die Ansprüche der eigenen Ästhetik nicht mehr so ganz erfüllen kann. Ob Martin Amanshauser beim Schreiben seiner lyrischen Heurigenoper nüchtern oder volltrunken war ist eigentlich vollkommen egal. Der junge Wiener ist zwar für den Heurigen nicht das, was ein Peter Altenberg dereinst fürs Kaffehaus war, und Dartscheiben hängen beim Heurigen - wenn überhaupt, dann nur in den Garageneinfahrten, die beim Zugang zu diesen Hinterhoflokalitäten erst erwartungsvoll durchschritten und später voll durchwankt werden müssen - trotzdem: einige der Stimmungseindrücke Amanshausers und seine scheinbar so simplen Reime treffen ganz genau ins Schwarze. Wenn zum Beispiel "hinter vitrinen" in Gesellschaft von "stelzen von schweinen / der liptauer lächelt" und "radieschen weinen".

Die im Anschluß an die Heurigenoper abgedruckten Gedichte (die teils bereits im "Wespennest" und teils im "Sterz" veröffentlicht worden sind) erinnern mitunter an den wunderbaren Nonsens-Klamauk von Joachim Ringelnatz. Klarerweise kann sich Amanshauser in puncto Derbheit heute einiges mehr erlauben als der "Verderber der Jugend" seinerzeit. Amanshauser schweinigelt gerne und gekonnt, schiebt die Schuld jedoch auf den französischen Premier Jacques Chirac und seine blonde Gespielin. Derb und wohl im Sinne Amanshausers gesprochen, "scheißen sich die beiden nix", nicht einmal im Wirtshaus: "blondie schreckt aus ihrem traum / jacques fühlt unterm röckchen schaum / blondie quietscht wie eine sau / jacques ruft: toller unterbau!".
Manchmal fällt es nicht ganz leicht, Amanshausers Assoziationen und Anspielungen zu folgen. Gewissermaßen als rettender Anker findet sich dann immer der eine oder andere Vers, die eine oder andere Strophe, die einem das freudige Grinsen bewahrt. Denn "natürlich ist ein ordentlicher würstelstand mehr relaxed." Klar, "natürlich ist ein ordentlicher würstelstand mehr relaxed!"

Amanshauser, Martin: In der Todesstunde von Alfons Alfred Schmidt. Eine Heurigenoper, Gedichte & eine Taschenbahn. Verlag Deuticke, Wien 1999