pf / gschweidl – der broker

text: mich

Mit seiner Computerfirma mußte Alex Weiß Konkurs anmelden. Neun Millionen Schilling Schulden. Eine Zweizimmerwohnung in der Quellenstraße in Wien-Favoriten gemeinsam mit seiner Freundin ist ihm gerade noch geblieben. Eine Annonce in einer Zeitung - einen Job in einer Firma anbietend, die mit den größten Banken Europas im Börsenbereich kooperiert - scheint der Ausweg aus der Misere zu sein: Brokerausbildung und Verdienstmöglichkeiten von einer Million pro Jahr lassen den engagierten Alex gar nicht lange überlegen.


Als einer des erlauchten Fünfzehnerkreises von 250 Bewerbern wird Alex angestellt und lernt die rhetorischen Handfertigkeiten eines Telefonkeilers. Angetrieben vom Verkaufsleiter entlocken die frischgefangenen "Börsen-Insider" immer mehr Unternehmern ihr Vermögen und versprechen im Warentermingeschäft Traumrenditen. Doch die zugesicherten Gewinne bleiben aus und von einem Tag auf den anderen nimmt die Wirtschaftspolizei die Vermögensberatung hoch. Alex zieht sich aber keineswegs aus dem Geschäft zurück, gründet seine eigene Firma und kann sich dabei auf die Kooperation seiner ehemaligen Mitarbeiter verlassen. Daß allerdings der ehemalige Chef aus dem Headquarter in der Schweiz noch einige Wörter mitzureden hat und ihm den "Broker" zur Seite stellt, bringt Alex vorerst noch unter einen Hut. Doch der Strudel um Millionen, Sex, Alkohol, Kokain und Mord hat ihn längst erfaßt.
Wo einmal viel Geld im Spiel ist, machen sich die Freunde rar. Und ob das jetzt die Kollegen sind oder die Freundin - Alex kann sich ja auf sich selbst verlassen. Er ist der Winner, der mit Millionen jongliert und den kühlen Kopf bewahrt. Oder doch nicht?
Im spannenden Wirtschaftskrimi sind nicht nur Methoden und dubiosen Geschäfte der Anlagebetrüger geschildert, augenscheinlich zeigen sich vielmehr die Fallen, die privaten Anlegern gestellt werden. Und wer mit dem Bausparvertrag zuwenig Gewinn erwirtschaftet, sei bestens beraten, seinem Vermögensberater genau auf Finger zu schauen und vor allem persönlich (und nicht nur am Telefon) kennenzulernen.

köpf, thomas und harald gschweidl: der broker. wien: ibera 2000