: ein höllischer gast :

text: bernhard steinmayer


Jack Polo, seines Zeichens Essiggurken-Importeur, ist der Inbegriff des biederen, kleinkarierten, bornierten, spießigen Kleinbürgers. Und er gehört scheinbar auch zu den gleichgültigsten Menschen auf diesem Planeten. Ein Umstand mit dem sich besonders das Cuazzel, ein Höllendämon herumplagen muß. Daß Cuazzel war aus für ihn unbekannten Gründen von den Mächten ("lange mögen sie hofhalten und Licht auf die Köpfe der Verdammten scheißen") auf Jack Polo angesetzt worden, mit dem Auftrage ihn zum Wahnsinn zu treiben. Doch der Dämon muß sich an ein paar Regeln halten: 1. Er darf sich seinem Opfer nicht zu erkennen geben (d.h. er ist unsichtbar) 2. Er darf sein Opfer nicht berühren und 3. Er darf das Haus nicht verlassen. Jack Polo ist neben seiner scheinbaren Gleichgültigkeit auch einer der naivsten Menschen. Seine Frau beging Suizid, nachdem ihr Gatte sie beim Seitensprung erwischte und nicht einmal eine Reaktion zeigte, außer: "So was passiert nun mal. Que Serà, Serà" – Polo’s Lieblingsspruch. Nach endlosen und vor allem erfolglosen Versuchen Polo in die Gefilde des Wahnsinns zu schicken, ist das Cuazzel selbst diesem Zustand schon sehr nahe. Die extreme Gleichgültigkeit dieses Mannes bringt ihn zur Weißglut. (Das tägliche verwüsten der Wohnung quittiert Polo nur mit: "Häuser senken sich, Que Serà, Serà...."). Als die Weihnachtszeit schließlich naht, und das Haus sich mit den erwachsenen Töchtern Polo’s füllen wird, schöpft der Höllendämon letzte Hoffnung und bläst zum Generalangriff....
Doch auch der angeblich so gleichgültige und unbeteiligte Jack Polo scheint zu wissen was genau in seinem Heim vorgeht – ein grausam (-lustiges) Duell entwickelt sich....
"Ein höllischer Gast" basiert auf einer Kurzgeschichte des Horrorgenius Clive Barker und erschien, meines Wissens nach, zuerst im ersten "Buch des Blutes". In der deutschen Übersetzung hieß die Story: "Das Geyatter und Jack". Für die – exzellent gelungene – graphische Um- bzw. Übersetzung zeichnet sich (im doppelten Wortsinn) Jack Bolton verantwortlich (siehe auch: "Das Buch der Magie"). "Ein höllischer Gast" ist wirklich eine sehr sehr gut gelungene Comic-Adaption. Der teuflisch-witzige Zweikampf zwischen dem Gurkenimporteur und dem Dämon macht als Comic genau so viel Vergnügen wie in der Orginalversion. Besonders das Cuazzel und seine vielfachen Probleme mit seinem Opfer werden sehr gut dargestellt. Beim erneuerten Lesen der Geschichte im "Buch des Blutes" habe ich – positiv - bemerkt, daß sich die Comic-Adaption von Steve Niles äußerst genau an die Vorlage hält. "Ein höllischer Gast" ist nicht nur für Clive Barker – Fans eine Freude.

Ein höllischer Gast
Adaptiert von Steve Nilles
Illustriert von John Bolton
Edition Comic Speedline, Thomas Tilsner Verlag, München 1994