:/Hellblazer: Schlechte (An-)Gewohnheiten
Rauchen gefährdet auch in Comics die Gesundheit

text: weber

John Constantine sitzt in Frank's Cafe und starrt in die verqualmte Luft. Um ihn herum geht's bergauf. Frühling ist und das Leben sprießt - sogar in London. "Alles fängt wieder an zu leben. Alles, außer mir. Ich sterbe." Gerade hat John nicht nur von seinem Lungenkrebs erfahren, sondern auch von dessen aussichtslosem Endstadium. Seit seinem siebzehnten Lebensjahr zwischen zwanzig und dreißig Zigaretten täglich - das rächt sich jetzt. Auch Clint Eastwood, dessen Visage sich Zeichner Will Simpson als Vorbild für Constantines Konterfei genommen hat, ist nur in Hollywood unsterblich. Anstatt eine Chemotherapie zu versuchen will John sich von befreundeten Magiern heilen lassen.
Doch in dem London, das Will Simpson, Garth Ennis und Mark Pennington entworfen haben, lebt es sich ziemlich gefährlich. So gefährlich, daß nahezu alle von Johns Freunden in den letzten Monaten das Zeitliche segnen mußten. War halt Winter, eine Jahreszeit, die nicht nur Stalingrad in die Geschichte eingehen lassen sollte... Nun aber läßt der Frühling sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte und John fürchtet, daß es für ihn keinen Sommer mehr geben wird. Er denkt nach, verzweifelt und raucht sich eine nach der anderen an. Hoffnung spendet vorerst nur die Trafik vorm Krankenhaus - sie führt Silk Cut.
Im Trenchcoat macht John sich auf den Weg in seine Vergangenheit und stattet alten Bekannten letzte Besuche ab. Schon scheint er sich mit seinem baldigen Tod abgefunden zu haben. Und über nächtliche Stunden der Einsamkeit trösten ihn Alkoholika aller Art hinweg. Im Suff kommt ihm die möglicherweise rettende Idee. Eine Idee, die Goethe schon seinen Faust haben ließ... ein Pakt mit dem Teufel muß her. Drei Teufel kontaktiert John - und jedem davon verspricht er seine Seele. Seine Chance dabei: ein logischer Machtkampf der drei dunklen Gesellen gegeneinander. Jeder wird Johns Seele für sich beanspruchen - und was ein richtiger Teufel ist, der gibt natürlich auch gegenüber Berufskollegen nicht nach ...

"Hellblazer: Schlechte Gewohnheiten" gehört zu den Highlights des Münchner "Schreiber & Leser"-Verlages, der sein anspruchsvolleres Programm durch Porno-Comics finanziert. Den Lesegenuß mindern die Schlampigkeiten, die sich bei "Schlechte Gewohnheiten" eingeschlichen haben, zwar nicht, aber schlampig wirken sie nun einmal doch. Die Paginierung zum Beispiel ist ziemlich sinnlos, wenn sie nur von Seite 124 bis Seite 128 wirklich da ist. Auch der eine oder andere Tip-Fehler im Lettering stört den Lesefluß. Darüber läßt sich aber hinweglesen. Wirklich störend hingegen sind einige Vorurteile und Klischees - schlechte Eigenschaften, ohne die auch heutzutage viele Comics nicht auszukommen scheinen. Zwar tragen die Frauen in "Schlechte Gewohnheiten" zum Glück mehr als Bikinis und es ist glücklicherweise nicht jeder vorkommende Mann automatisch gleich auch hauptberuflicher Bodybuilder. Aber John prinzipiell das Vorurteil "Politiker sind Scheisse" zuzuschreiben, wäre nicht wirklich notwendig gewesen. Auch den überschwänglichen Freundschaftspathos am Ende hätte sich Texter Garth Ennis sparen können. Trotz alledem, der Gesamteindruck bleibt ein positiver. (web)