: generation golf florian illies eine inspektion

text: haz

Auch Deutschlands Mittzwanziger beginnen sich zu erinnern. Nachdem letztes Jahr Paiper, Slime und Wickie in Österreich vom Geheimtipp zum Kommerz avancierten, schwappt es auf das Nachbarland über. Obwohl - ob die Deutschen unser Kindheitsrevival mitbekommen haben?

Generation Golf stellt eine These auf, gibt jenen, die zwischen 1965 und 1975 geboren wurden und in Deutschland aufwuchsen, einen Namen. Illies faßt einen Zeitgeist und beginnt die Inspektion mit seiner Kindheit. Bei Wetten daß... ? mit Frank Elsner, beim Nutellabrot und den Pelikanfüllfedern (rot oder blau?). Manchmal blitzt neben der spaßigen voranschreitenden Nacherzählung auch ein wenig die Recherche auf. Schlecht nicht. Er skizziert in verschiedenen Kapiteln typische Dinge von damals bis heute. Immer wieder erwähnt er auch Harald Schmidt und ganz still erklärt er, warum er bei der gutverdienenden Generation G. perfekt ankommt, warum Schmidt sich ihr angeglichen hat, ohne ihr zuzugehören und somit seinen Erfolg solide festhalten konnte.

Einer von denen sucht nach Altbauwohnung mit Parkett, liest Fit for Fun und überhaupt wird in diesem Buch soviel erklärt und erzählt und man ertappt sich so oft dabei, sich als klar durchschaut vorzukommen. Das macht es wohl auch aus. Der "Ah-jaa!"-Effekt.
Siehe Ikeateelichtern. So ein Sackerl mit 100 Teelichtern, was kann das schon schaden. Ersteht man sonst nichts bei Ikea, diese Teelichter finden allemal den Weg in unser Zuhause. Wir haben alle so einen Sack voll Teelichter daheim und wenn nicht, wir kennen jemanden, der hat! Plötzlich liest man, jemand anderer auch. Aaaah, erwischt!

Der Autor erwähnt auch andere Literatur. American Psycho, Faserland oder Livealbum.
Der Protagonist in American Psycho analysiert die Kleidung jedes Menschen in seinem Blickfeld, prüft nach Marke und beurteilt sie so. Beschreibt minutiös das Design des Anzugs und das Aussehen der Schuhe. Irgendwie ist die Zielgruppe von Illies auch stets klassisch gekleidet bzw. legt wert auf gute und auch teure Kleidung.
Die erwähnten Autoren Kracht und Stuckrad-Barre gelten außerdem und ohnehin als die persönlichen Haus- und Hofschriftsteller dieser Generation.

Manchmal wandelt das Buch zwischen der Nacherzählung einer Kindheit, Jugend und des Erwachsenseins (Der Autor ist Ende 20) hin und her, versponnen ist es aber mit ernstgemeinter Erfassung einer Menschengruppe.
G. Golf sind nicht alle aus einer Generation, aber viele und mit dem Auto Golf haben sie eigentlich wenig zu tun. Der Golf gehört eben einfach auch dazu. Es geht um die neue Gruppe, auf die die Wirtschaft und das Leben in den Großstädten abzielt, und im Hintergrund hört man mitreißerisch: "Das Leben ist so schön, so schön mit Jade!" und danach: "Du darfst. " Spaßiges Buch.

generation golf_florian illies_erschienen 2000 im argon verlag_isbn 3870245123