/: op. non cit. :: alan isler

text: haz

Aus aufeinanderfolgenden Jahrhunderten jeweils eine Geschichte. Vier insgesamt.
Wie ein stiller Faden zieht sich Jude zu sein durch sie. Nicht die schwere Vergangenheit und der Nationalsozialismus hängt an ihnen. Die jeweilige fein oder grob passierende Aneckung und Inakzeptanz des jüdischen Glaubens sind die Statisten und das Christentum erscheint als der böse Gegner.
Leise knüpft jede Erzählung an die andere, obwohl zig Jahrzehnte zwischen liegen, Ort und Handlung auch völlig different und unabhängig sind.
Beginnt das Buch in Italien, so wandert es nach England aus; im dritten Abschnitt ist es unterwegs in die neue Welt, um zuletzt in New York zu sein. Die letzte Novelle - "Die Affäre" - spielt irgendwann in der Gegenwart.
Bekannte Bilder und Zusammenhänge sind Basis für einen Ausschnitt aus einem Leben oder die Zusammenfassung eines Ganzen. Hier der Kaufmann in Venedigs Judenghetto Nuovo, Seiten weiter der Geigenbauer Cardozo mit dem Glasauge und seiner "Johdschor" Queenie. So wie die Zeit, so auch die Sprache des Autors. Trotzdem witzig, spannend und hin und wieder ein paar Zeilen lang erotisch. Isler streut bekannte Namen in seine Erzählungen, so kreuzt auf der Überfahrt von England nach New York Oscar Wilde auf, aber nicht als Hauptperson.
Nicht erwähntes Werk heißt op. non cit. und ist eine der etlichen Neuveröffentlichungen in diesem Sommer. Interessant macht sich das Taschenbuch allein nicht nur durch seinen Titel. Es hat nicht verdient überlesen zu werden. Los! Lesen! Unbedingt!

dtv, ungekürzte ausgabe, august 1999, isbn 3-423-12667-7