ernst jandl

nachruf: r. kisling


Ernst Jandl war als Dichter lustig. Was ich ihn zweimal über Friederike Mayröcker sagen hörte, war dämlich, aber es macht nichts, denke ich, wenn einem Clown zwei dicke Tränen übers Gesicht laufen, auch, wenn es ernst – gemeinte, Melange-Tränen sind.
Wien: Heldenplatz ist ein Supergedicht.
Und das über den Mops hat viele Kinder zum Nachahmen gereizt.
Laut und Luise als ein ganzes hat einen Titel, der die ganze Tiefgründigkeit einer Veränderung im Buchstabenbereich zutage bringt.
Lechts und rinks ist absolut kultig, am besten habe ich aber eine Lesung von ihm gefunden.
Der Jandl hat nämlich seine eigenen Sachen immer am besten lesen können. Wir haben gelacht und nicht immer so, wie man im Museumsquartier, oder in der Alten Schmiede lacht.
Leider habe ich damals geglaubt, ich müßte mich bei einer Dichterlesung ziemlich weit in den Sessel klemmen und das ganze solchermaßen verfolgen.
Hat sich im Endeffekt als Unsinn herausgestellt, weil ich, wenn ich weniger versunken gewesen wäre, mehr mitbekommen hätte.
Bei den Mayröcker - Lesungen ist der Jandl immer in der ersten Reihe gesessen und hat meist auch sehr vertieft gewirkt.

Irgendwie sind die Gedichte in Verbindung mit den Schülern geblieben, vielleicht steckt ein bißchen was darin von dem Gefühl, daß man sich doch eigentlich ganz gut zurechtfinden kann, mit dem, was intellektuell ist und dem, was auch an diesen Institutionen mit Kunst gemeint ist.
Ich habe einen lebendigen alten Mann gesehen, der mich nicht besonders beeindruckt hat, aber vielleicht ist es auch nicht notwendig, daß einen ein Mensch wirklich beeindruckt.
Er selbst, steht in einer Kurzbiographie, war sehr angetan vom Joyce und von den Experimenten der Wiener Gruppe.
Dann hat er seine eigene Version einer verwegenen Dichtung erfunden und man hängte ihm bald einen bunten Kittel um.
Er ist und bleibt ein österreichischer Nationaldichter, insofern man hier immer froh ist, wenn einer entweder nicht ganz astrein ist, oder sonst irgendwie tragisch.

Darin übt man sich, und in Beziehung mit seinen Aussagen über die Mayröcker ist auch der Jandl dieser Übung nicht entkommen.
Otto Schenk ist vielleicht der traurigste Clown in der österreichischen Promi-Welt, und wahrscheinlich auch der bekannteste, der sich selbst so nennt, der Jandl aber war vielleicht auch ein wirklich Guter, zumindest manchmal.
Wien : Heldenplatz ist ein Supergedicht
Und jetzt bin ich selbst der Melancholie verfallen, leiste also im stillen Trauerarbeit (aus einem anderen Grund) und hör schon auf damit.

Es gibt Hörspielkassetten mit dem Jandl, und man sollte sich das vielleicht anhören.

ernst jandl 1. august 1925 - 9. juni 2000