| // der traurige blick in die weite geschichten von heimatlosen:: michael köhlmeier
text: haz
Wohl geht es nicht um die Mutter, sondern um die Großmutter, doch das leicht melancholische läßt erinnern. Während Peter Handke sein Buch unter anderem mit einem Zitat von Bob Dylan einleitet, greift Köhlmeier zu Goethe. Muß anscheinend so sein im Goethejahr. Michael K. ist einer, den man gut vorlesen kann, jemand der rund und gut von der Strecke abkommt und uns Geschichten erzählt. Nicht wert darauf legt, ob möglich oder nicht, und gerade das macht ihn aus. Manchmal aber, da meint man, der Buchtitel hat schon zuviel abgeschöpft von der Substanz. Hat zuviel versprochen und man erwischt sich, wie man vorblättert und die Seiten zur nächsten Geschichte abzählt. Beim Buchlesen läßt sich eben schwer weiterzappen. Man muß sich ein Stück leeres Papier aus einer Bibel nehmen, es in feine Streifen schneiden, die Streifen aneinanderkleben, darauf das Vaterunser schreiben und sich dann das Band in der Gegend der unteren Löcher um den Leib wickeln, denn wenn der Schurkissimus irgendwo in uns hineinfahren kann, dann in dieser Gegend. Zuviele Kurzgeschichten laufen uns zur Zeit über den Weg, der Lustbogen ist reichlich überspannt. Mehr nach Roman ist es gerade, denn die Urlaubszeit ist vorbei. Schwere Herbsttage kommen, dicke Bücher werden sympathisch. Daher ist es nächstes Jahr besser. Greift zu seinen griechischen Sagen, lest "Dein Zimmer für mich allein". Ist man dann eingehüllt in seine Art - ja gut, dann auch legitimieren sich traurige Blicke. deuticke verlag, 1999 wien - münchen, isbn 3-216-30485-x, hardcover |