: /ende der vorstellung ::..edith kneifl

text: haz


eine frau, die wohl ihre besten jahre nie hatte. dafür hat sie pelzmantel und das kino von der mutter übernommen, das ohnehin schon lange ihres war. es ist das wien, von unserer grossmutter, die im 15. bezirk gewohnt hat. ein altes, heruntergekommenes vorstadtkino also, das wir wahrscheinlich gar nicht mehr kennen. kein geld für neue filme, dafür die alten klassiker und das fast gleich alte publikum, die entweder fußmarod, schwerhörig oder vom ältesten gewerbe der welt sind.
jeden abend nach der vorstellung - licht ab, türen zu und ab ins "nachtlberger" auf die üblichen seidel. ins beisl nebenan mit dem oberkellner. hier die quasi-liebschaft der hauptperson. zumindest ein tiefe, stille freundschaft und solidarität verbindet sie mit dem schorschi.
irgendwann dann der erste tote. seine aufgeschlitzte kehle blutet den alten, speckigen kinositz voll und die polizei ist ratlos. dann der zweite ermordete und beim dritten ruft hermine die polizei gar nimmer, sondern geht zuerst zum schorschi, sich vom schreck erholen. tote laufen einem nicht mehr davon.
da beginnen die turbulenzen, denn bei der rückkehr ist die leich nimmer da und der taxler schurli erklärt, er hätte ihn nach simmering in seine garage gefahren und würde ihn jetzt doch lieber in den kinosaal zurück bringen. der taxifahrer, der stehts seinen alkoholspiegel auf dem gleichen limit zu halten weiß, ist freilich nicht der mörder, sondern nur ein eifersüchtiger lackel, der meinte, seine frau hätte etwas angestellt.
so geht hermine karpfinger selbst auf mördersuche. sitzt im nachtlberger und studiert die kundschaft.

"das war der thermofratenser mit seinem neuesten aufriß. werden auch immer jünger seine peitscherlbuben. aber geizig sind sie nicht, diese warmen, das muß man ihnen lassen, ein zwanziger schmattes ist immer drin."

eigentlich sollte man heuer "allein in der nacht" lesen. doch weil wir alle taschenbücher mögen, zuerst die neuauflage von "ende der vorstellung". das buch lebt vom wiener charme und seiner sprache, die die autorin wunderbar aufzufangen vermag. trotz der oberösterreichischen herkunft oder gerade deswegen.
die basis mit simplen grundriß schleppt sich dahin, doch bekommen die mauern farbe durch das wienerisch. zuletzt überrascht die gefinkelte wer-ist-der-mörder?-konstellation ein wenig, gemein wäre, würde man sagen, das hätte man sich nicht mehr erwartet.
eine fadenspinnerei zwischen den gästen des nachtlbergers und des publikums der lichtspiele. leicht unterschwellig beginnt man mit den eigenen verdächtigungen und es reicht doch nicht zum großen kriminalroman. vielleicht liegt es an wien, es läßt vielleicht keine feinen, subtil aufgebauten morde zu. alkohol, eifersucht und der eigene humor sind zu ehrlich und einfach. brödls fälle des ostbahn kurtis sind bekanntlich auch nicht aufwendig gestrickt und funktionieren doch.
zu sagen bleibt, gute u-bahnlektüre und wer eine böse oma in der verwandschaft hatte, den wundert es nicht, wer sich als täter entpuppt.

97 - tb 9/99 - diana-taschenbücher isbn 3-453-15255-7