"ich werde drachentöter!" – ein märchen in rot-weiß-rot :


text: mich

Der Karikaturist Gerhard Haderer und der Kabarettist Leo Lukas versuchen den humoristischen Schulterschluß. In ihrem gemeinsamen Cartoon-Märchen "Jörgi, der Drachentöter" bekommt nicht nur der kleine Jörg sein Fett ab. Auch der verträumte kleine Prinz (typisch für ihn: das Mascherl) und andere politisch verzerrte Witzfiguren werden aufs Korn genommen.

Ist das nicht kreativ? Der kleine Jörgi möchte nicht wie die anderen Kinder Schuster, Lokomotivführer oder Schweinebauchhändler werden. Nein, er will Drachentöter werden. Also rüstet er sich mit Helm, Lanze und Schild aus und geht zu dem einzigen Menschen, der für ihn Verwendung haben sollte, zum König. Der relaxt vor sich hin regierende Monarch braucht allerdings keinen Drachentöter – gibt es doch außer ihm keinen einzigen Drachen im ganzen Königreich. Wird ihn der König einsperren? Oder wird ihn der König verbannen? Könnte klein Jörgi nicht den Platz des ohnehin in die Jahre gekommenen Hofnarren einnehmen?
Aber wie es einmal so war, kommt es natürlich ganz anders und auch die Prinzessin mit der Perlenkette und der kleine mascherltragende Prinz sollen noch ihre Rolle spielen.

Gerhard Haderer (gewohnt gekonnte Illustrationen) und Leo Lukas (gewohnt brillanter Spracheinsatz) haben mit Jörgi, dem Drachentöter eher eine Politparabel zum Nachdenken als ein Bilderbuch für Kinder geschaffen. Nett gemeint war es auf jeden Fall, denn die Geschichte geht gut aus. Trotzdem scheint es von Vorteil zu sein, nicht mehr in Politstrukturen des finsteren Mittelalters leben zu müssen. Lieb!

Haderer, Gerhard und Leo Lukas: Jörgi, der Drachentöter. Ein Bilderbuch für Kinder und Erwachsene. Wien: Ueberreuter 2000