// fit to kill :: grant michaels

text: r. kisling

 

"[...] für Liebhaber von pansexuellem Kitsch." ...schreibt Kirkus Associates auf der nicht ganz so schönen Rückseite des Neulings von Grant Michaels.
Nicht ganz so schön aus zwei Gründen:
Es gibt erstens tatsächlich gelungenere Klappentexte als diesen und zweitens wohl kaum ansprechendere Frontalansichten. (siehe Bild)

Was den Inhalt betrifft, liegt dieses erste Zitat der K. A. ziemlich richtig.
Es handelt sich dabei tatsächlich um Klatsch aus der Schwulenszene.
Würde man den Roman in die Heteroszene transponieren, wäre er wohl kaum so smart, wie es dieses Buch nun einmal ist.
Aber das ist sowieso eine Selbstverständlichkeit.
Es soll damit auch nur angedeutet sein, daß es sich dabei keineswegs um einen Integrationsversuch der homosexuellen Literatur handelt, noch um eine Art Plädoyer für Homosexuelle im Umfeld eines Krimis.
Schwulsein ist in diesem Buch keineswegs eine wohl transportierte, homogene Sache, sondern ganz einfach Teil der durchaus äußerst subtil angebrachten blinden Motive dieses Krimis (Für Nicht - Kriminologen: Blinde Motive sind jene Leerläufe - meistens des Protagonisten - die den Krimi zu zwei Dritteln ausmachen und nicht allein deshalb auch dessen Spannungsträger sind. (Wenn zu Unrecht der Gärtner verdächtigt wird)

Zunächst rückt einmal die Triebhaftigkeit des Protagonisten in den Vordergrund, und bleibt von da an als immer unauffälligere Komponente bestehen.
Offensichtlich wird sie dann nur in den geradezu liebreizenden Passagen, wenn wieder einmal von athletischen Körpern, Knackärschen, usw. die Rede ist.
Freilich wird mit diesen Szenen nicht gerade gegeizt, aber immer scheint es sich eher um eine treuherzige Augenblicksverliebtheit zu handeln, als um eine tatsächliche Beeinflussung der Geschehnisse.
Und doch: Am Ende ist alles klar: Es geht von Anfang an nur um die Triebhaftigkeit und natürlich auch deren kriminelle Komponente, und nicht um die geniale Auflösung eines schwierigen Rätsels.
Unauffällig ist die Triebhaftigkeit, weil sie dem Protagonisten selbst nicht als Lenkmechanismus zur Lösung dieses Krimis einfallen kann.
Und trotzdem: Gerade dadurch und nicht durch seine haarsträubenden Theorien gerät er buchstäblich mitten in die Lösung hinein.
Mitten in ein explosives Finale, in dem nicht vergessen wird, sowohl den Ständer des überführten Mörders, als auch den seiner Geisel, des Protagonisten nämlich, zu erwähnen.
Weshalb die Beschimpfung der Schwulen seitens des scheinbar völlig irren Mörders in ein absurdes Licht gerät.
Explosiv und bombastisch.
Pulp Fiction, mit Sicherheit, aber überaus unterhaltsam.

So scheint es mir auch keineswegs angebracht, über irgendwelche Stilmittel zu sprechen, die aber nichtsdestoweniger vorhanden sind.
Grotesk wirken das Bild eines geradezu göttlichen Polizisten, der zum Schluß sogar ein paar Tränen vergießen darf;
sowie Bild einer gealterten Tunte, der mit Spielzeugeisenbahnen und grober Despotentümelei
zugleich spielt und tief gekränkt auch nur ekelhaft erscheint.
Und sich zum Schluß per rettendem Anruf bei der Polizei doch noch heldisch fühlen kann. Was zwecks Pathos auch nur mehr vom Protagonisten erwähnt wird.

Im Reich der Ehrentafeln und Podeste, auf denen nicht nur Helden stehen, sondern auch klar ist, daß sie nur ihres Körpers wegen da oben stehen.

Geil, mit einem Wort, aber nicht gerade etwas für zarte Seelen, die sich Männerliebe als Kuschelalternative erträumen.

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